Dass manche Ideen ausschließlich für die Umsetzung als Kurzfilm taugen, beweist der spanische Regisseur Roberto San Sebastian eindrucksvoll mit seinem Leinwanddebüt.
Annähernd zwei Stunden lang wird ein Body-Horror-Kammerspiel voller Körperflüssigkeiten vorgetragen, bei dem nicht einmal ersichtlich ist, ob es überhaupt so etwas wie ein Drehbuch gab.
An Sylvester zum Jahr 2016 will der jungfräuliche Nico (Javier Bódalo) endlich zum Stich kommen, doch er blitzt bei jedem Versuch ab, bis er auf die wesentlich ältere Medea (Miriam Martin) aufmerksam wird, in deren Wohnung er schließlich landet. Doch hier geht es nicht so ab wie von Nico erhofft, denn zwischen Kakerlaken und nepalesischen Götterritualen verfolgt Medea recht eigenwillige Ziele…
Es zieht sich…und das direkt während der Exposition, als im TV zwei altbacken auftretende Moderatoren durch das Sylvesterprogramm labern und mit den Aspekten Schwangerschaft und Rosemarys Baby ein wenig von dem vorwegnehmen, was dem Zuschauer noch bevorsteht. Sofern er denn Geduld, quasi bis zum Erbrechen mitbringt.
Denn spätestens ab Hälfte des zweifelhaften Vergnügens wird mit allem hantiert, was durch Körperöffnungen dringen kann. Die heruntergekommene, vor Dreck klebrig aussehende Wohnung gibt den Grundstock des Ekels vor, es folgen Blut, Sperma, Erbrechen und Durchfall, während viel geflucht und noch mehr krakelt wird. Witzig ist das zu keiner Zeit, obgleich Nico, zumindest zu Beginn, ein wenig als der junge spanische Mr. Bean durchginge, der ohne Worte aber mit deutlichem Overacting kein Fettnäpfchen auslässt.
Entweder Regisseur Sebastian hat keine Ahnung von Timing oder er pfeift bewusst drauf, um den Betrachter noch etwas länger mit sinnfreien Einlagen zu taktieren. Spannung kommt folgerichtig nicht auf, wenn fünf Minuten lang angedeutet wird, was bereits nach zehn Sekunden klar ist.
Zugute halten kann man dem Werk den gnadenlosen Körpereinsatz nahezu aller Beteiligter, mal abgesehen von Body Doubles bei zwei Intimeinstellungen. Hauptdarsteller Bódalo musste aufgrund von Verletzungen beim Dreh gar eine Woche pausieren, - vielleicht hatte er auch nur den ganzen Schmödder um sich herum dicke.
Wenn anberaumte Provokation zur infantilen Nerverei mutiert, wenn eine taugliche Grundidee anstatt auf die Länge von 30 Minuten auf das vierfache aufgeblasen wird und letztlich noch nicht einmal ein roter Faden, geschweige denn eine erfrischende Pointe auszumachen ist, dann ist das Scheiße mit Himbeeren. Und der Regisseur mag keine Himbeeren…
2 von 10