Der Originaltitel des Filmes, The Double Crossers, trifft nicht nur auf die Handlung vom rächenden Polizisten gegen die kriminelle Unterwelt und seines mit Hilfe eines ehemaligen Verbrechers durchgezogenem Katz-und-Mausspiel zu, sondern entfernt andeutungsweise auch auf seinen koreanischen Regisseur Jeng Cheong-Woh. Den Meisten, selbst den Eingeweihten ist der Name nicht wirklich von Begriff, geschweige denn mit eindeutig markanten Assoziationen verbunden, aber die – für die damaligen Umstände des aufblühend anhaltenden Erfolges asiatischer Martial Arts Arbeiten – erstaunlich geringfügig bestückte Filmographie spricht schon eine andere Sprache, eine verständlichere, mit einer Anhäufung von ¡Atención! hinter fast jedem Produkt. Jeng hat 1967 - 1973 für die Shaw Brothers Studios gearbeitet und dort u.a. Temptress of a Thousand Faces und King Boxer [ AT: Five Fingers of Death, das mit einschneidende Generationserlebnis ] geschaffen, wonach er aus nicht überlieferten Motiven die Gesellschaft der Etablierten verlassen und zur gegenwärtig erst beginnenden Konkurrenz der Golden Harvest gewechselt hat. Um dort als Protektionskind seine mit den noch folgenden The Skyhawk, The Association und Broken Oath [ nicht nur klassische Garanten nostalgischer Betrachtungsweise ] durchaus beeindruckende Bilanz bis 1977 fortzusetzen.
Nicht der erste und nicht der einzige Transfer im Wetteifer um die Marktanteile und um ein Hoffen und Bangen für ein baldiges Ende der vorherrschenden Run Run Shaw Dominanz; das speziell vorliegende Werk kämpft angesichts der damaligen Umstände, des Epochenverständnisses und der ebenso rückwirkenden Nachwehen bezüglich Bekanntheitsgrad und Renommee allerdings nur um Rang Zwei. Das Sujet, die Besetzung, nicht der Inhalt, aber auch die Aufmachung unbeherrschter Sinnlichkeit im bronzenen Farbton ist nämlich, wenn auch unausgesprochen und umständlich verklausuliert doch mittelbar auf das Allzeithoch der Bruceploitation ausgelegt. Auf die Ausbeutung des jüngst verstorbenen Recken und nicht nur deswegen begründeten enormen Erfolges sowie die Suche nach sowohl einem Nachfolger als auch der nächsten Wiederaufbereitung ein und derselben Formel von universellen Genrecodes.
Mit einer gewissen Änderung bzw. Anpassung der Synchronisation, und einem schmissigen Titel würde das ansonsten weitgehend eigenständige Werk auch gut und gerne als Epigon mit identischem Assoziationsgraph samt Symbolfunktion durchgehen. Es ist zwar schon durch Jengs substantielle Regie überlegter Bilder unumgänglich besser als das als austauschbare Ware zirkulierende, gemein vergröberte run-of-the-mill Hickhack um Bruce Le, Bruce Li und Bruce Lai, aber weist dennoch gänzlich abseits eines Experimetierstadiums die gleichen charakterisierenden Kennzeichen der üblichen emblemartig verallgemeinernden Rachestruktur mitsamt den entsprechenden Szenensituationen, den anschlagenden Noten, dem sinnfälligen Effekt und somit auch die wie selbstverständliche Verbundenheit auf. Ferngesteuert von Erinnerungen. Thematisch, materiell und auch atmosphärisch im analogen Kompositionsraster gehalten, das zwar immer wieder neue Formen der Beeinflussung findet, aber eh in den kongruenten Grundsätzen endet und vom Zwang einer langen Tradition belastet ist, hebt man sich nur mit einer gewissen Selbstkorrektur und der folgenden feineren Kontrastierung von den Wiederholungsgesten essentieller Gedanken, Gefühle und Wertegefechte und damit auch der Flut billiger Ausgaben ab:
Singapore Cop Lung Chieng-tien [ Debütant San Yat-Lung, der trotz gutem Aussehen, Präsenz und Kampfkunst erstaunlicherweise nur noch zwei mal gedreht hat ] hat den Tod seines Vaters zu beklagen, der von zwei Schergen des ehemaligen Partners Wang [ Chiu Hung ] umgebracht wurde. Wang hatte zusammen mit dem Ermordeten und Chang [ Chan Sing ] einstmals als Schmuggler gearbeitet, sich dann aber nach HK abgesetzt und dort als Leiter der Unterwelt emporgearbeitet. Während Chang in alter Verbundenheit zu dem Toten dessen Kung-Fu Killer ausschaltet, jettet Lung in die Metropole der Sonderverwaltungszone, um zusammen mit Wangs ehemaligem und nun geschassten Angestellten Pai [ Cheung Pooi-Saan ] dessen Geldtransporter zu überfallen und um 650.000 $ zu erleichtern. Mit der Beute wird sich auf Bali, Indonesien abgesetzt, als Lockmittel eine vermeintlich sprudelnde Erdölquelle vorgetäuscht und so Wang sowie dessen rechte Hand Chou [ Michael Chan Wai-man ] auf die idyllische Sunda-Insel gelockt.
Schnelle krisenhafte Situationen, in beständiger Erwartung des Folgenden, nach dem Wesentlichen ihrer Beschaffenheit bestimmt und geordnet. Das ganze Hin und Her von Akzentverschiebungen, Brüchen und Wendepunkten, die Umschweife ohne Analytik der reinen theoretischen Vernunft dient offensichtlich nur der Schleichweg-Ausbreitung der üblich kargen Synopsis auf reine Spielfilmlänge. Zu dessen ausschweifender, einmischender oder ablenkender Anreicherung man nicht nur die steten Ortswechsel einschließlich jeweils genutzter Postkartenansichten als rhetorischen Kunstgriff, sondern auch noch zwei Romanzen und eben die unverkennbaren Mittel der Steigerung von Warnung, Drohung, Ausführung, Scheitern, erneute Ausführung als Schürzen des Handlungsknotens nutzt. Eine Gleichzeitigkeit von nach eigenen Regeln operierender inhaltlicher Einfalt und zirkulärer Dynamik, die nach Erfahrung, nach Weiterentwicklung, nach unaufhörlicher Erneuerung einer bestehenden Anpassung verlangt, um sich aus Gewohnheit und Trott zu befreien. Das erfreulich geschickt eingesetzte modern day Milieu bietet wie die anschließende paradiesische tropic sightseeing tour auch im Höhepunkt der Verwirrung zumindest genügend prachtvolle Örtlichkeiten, um kurz vor dem Einsetzen der Auflösungsbewegungen trotz erster Ermüdungserscheinungen wegen des Mangels an Nachdruck immer noch seinen optischen Schauwert zu haben. Trotz der gegenwärtigen Aura der Gewalttätigkeit feierte die Fremdenverkehrsbranche nach der Erstaufführung dieses Marktplatzes der Natur wohl neue Besucherrekorde.
Außerdem nutzt man die Möglichkeiten aktueller Waffentechnik, um abseits der sauberen Handkantenaction geschwinder Bewegung auch die kleinkalibrigen Schusswaffen zu zücken, mit Handgranaten und anderen explosiven Stoffen zu hantieren und gar einmal den Raketenwerfer aus dem Kofferraum zu holen. Da ein Großteil des eh durchwachsenen Budgets wohl schon für Pendlerpauschale und Kilometergeld verwendet und damit erfolgreich der extrem billige Eindruck eines niederträchtigen Feld-Wald-und-Wiesen Kloppers verhindert wurde, kann man die auskömmlich dargebrachten Verfolgungs- und Kollisionseinlagen sicherlich nicht mit späteren Materialschlachten in Vergleich setzen und muss man auch diverse offensichtliche Manipulationen oder andere technische Gaukeleien als notwendig scheinende Unvollkommenheit in Kauf nehmen. Das jeweilige Objekt der kinetischen Anschauung vertraut wiederum der multigeographischen Kommunikation: Genauso wie man sich nach und nach aus der Perspektive des bedrückenden Alltages hinfort in die komplette Urlaubslandschaft versetzt, so liegt bis zum alles klärenden Showdown der Blick von mobilisierender Kamera und strammer Montage auch immer eindeutig auf der zentralnervösen Aktivierung, der blitzschnellen Fluchtbewegung, nur ja möglichst schnell weg von der Gefahrenlage.