Wenn man bedenkt, dass "El Mariachi" mit einem Budget von nur 7000 Dollar gedreht wurde und praktisch keine bezahlten Schauspieler, sondern "nur" Freunde aus Robert Rodriguez Bekanntenkreis eingesetzt wurden, ist dieser Film in gewisser Hinsicht bemerkenswert.
Fangen wir doch einmal mit den Besonderheiten des Films an. Was mich von Anfang an fesselte, ist dieses gewisse Psycho-Flair, das den Film durchgehend durchzieht. Ein Soundtrack mit Orgelklängen und dazu leicht die Realität verwässernde Kameraaufnahmen erzeugen ein zeitloses, gefahrvolles Gefühl das den Inhalt des Films schon zu Beginn ankündigt.
Was die Kameratechnik bzw. -Führung betrifft, ist sie zwar relativ unspektakulär und unprofessionell, doch muss man sich auch vor Augen halten, dass der Regisseur und zugleich Kameramann Robert Rodriguez fast für jede Einstellung nur ein Take verwendete und aufgrund des Mangels an Filmrollen kaum eine Szene zweimal drehte.
Wenn man die gerade genannten Bedingungen bedenkt, ist die Kameraführung schon relativ originell und gut ausgewählt. Ein hohen künstlerischen Wert allerdings erreichen die Bilder oder Kameraeinstellungen wegen ungenügender technischer Ausrüstung kaum.
Was mich jedoch allgemein an Allround-Filmtalent Robert Rodriguez beeindruckt, ist sein goldenes Händchen in Sachen Schnitt. Vor allem bei dem Nachfolger "Desperado" merkt man, welch gutes Gespür er für den richtigen und am meisten Wirkung erzeugenden Schnitt hat. Vor allem die Actionszenen in beiden Filmen werden durch den schnellen, mitreißenden Cut erst richtig interessant und wirksam. So mag er auch so manche verpatzte Aufnahmen
bei "El Mariachi" korrigiert haben, was zusätzlich Geld sparte.
Der Soundtrack des Films ist zwar nicht herrausragend gut, dennoch trägt er einen großen Teil zur dichten Atmosphäre des Streifens bei und ist auf jeden Fall für diesen Film gut genug und passend. Außerdem bedenke man wieder hier die wenigen Möglichkeiten die Rodriguez zur Verfügung standen. Die Musik zum Film komponierte auch einer
seiner Freunde und kein ausgebildeter Filmkomponist.
So weit zu den künstlerischen Aspekten des Films.
Was die Story anbelangt kann ich nur sagen, dass Rodriguez eine actionreiche und interessante Geschichte erschaffen hat, die ihm viele Möglichkeiten offen lies bei seinen wenigen Mitteln, die er hatte. Die Inszenierung ist den ganzen Film über in einm bestimmten Stil gehalten, der entweder den Zuschauern als billig und unspektakulär oder als tiefgründig und originell erscheint.
Die Darsteller sind natürlich keine ehemaligen Filmhochschulbesucher sondern nur Verwandte von Rodriguez, die deshalb nicht an das schauspielerische
Niveau wie ein Robert de Niro herankommen, hat aber auch niemand versprochen. Und dafür sind die Darsteller trotzdem gut und passen recht gut in ihre Rolle.
Die Action, die der Film ja laut Trailer und sonstiger Promotion verspricht, ist meiner Meinung nach spannend inszeniert und selbst Actionfilm-Fetischisten zufriedenstellend. Sie wird immer wieder nach dem gleichen Prinzip dargestellt, Kameraeinstellungen und die Schnitttechnik bei Schießereien bleiben gleich, unterhält aber trotzdem sehr gut und wird nicht langweilig. Auch die Kulissen der Actionszenen sind gut gewählt, so wirkt es zum Teil aufregend, wenn sich der Mariachi auf offener Straße vor vorbeifahrenden Autos mit Moco's Gangstern beschießt und die bluverschmierten Leichen auf der Straße liegen bleiben. Das erweckt unter anderem den Eindruck von einer großen, aufwändigen Hollywoodproduktion, für die extra Straßen gesperrt und Drehgenehmigungen eingeholt wurden. Nicht der Fall bei "El Mariachi".
Außerdem hat Rodriguez ein weiteres Ziel, welches er mit diesem Streifen verfolgt hat, erreicht: sein Heimatland Mexico zu repräsentieren. Den ganzen Film über hat man das Gefühl, das es in der Stadt, in der sich alles abspielt, keine Polizei gibt. Im echten Mexico ist das teilweise identisch. Es gibt zwar Polizei, doch wird dieses Land von Korruption beherrscht. Das wird im Film vor allem deutlich durch die Szene am Anfang, in der Moco's Männer Azul aus dem Knast abholen wollen. Die Frau lehnt sich kein bisschen gegen die Männer auf, denn sie bezahlten sie ja für ihr Schweigen. Somit wollte Rodriguez vielleicht die Probleme und Merkmale seines Heimatlandes wiederspiegeln.
In diesen Punkten jedenfalls bin ich beeindruckt von der Idee, als Amateurfilmer der Welt sein Talent und seine Kreativität durch einen Film zu zeigen, der mit nur 7000 Dollar ein ansehbarer Actionstreifen geworden ist.
Der zwar teilweise billig wirkende Look und die etwas uninteressante Sory, die eine geringe Tiefe aufweist, sind meiner Meinung nach die einzigen Makelpunkte von Robert Rodriguez Regiedebüt "El Mariachi", wenn man auf die wenigen finanziellen und filmtechnischen Möglichkeiten zurückblickt, die ihm damals zur Verfügung standen.
Ein spannender, spezieller Actionfilm, der dennoch nur sehr bestimmtem Fanpublikum sehr gefällt.
7/10