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Dieser Film von Robert Rodriguez ist eine Sensation innerhalb der Filmgeschichte: selten wurde mit so einem geringen Budget ein so professioneller und dabei schräg-witziger Film hergestellt. Für die folgenden Filme hätte Rodriguez eigentlich nicht mehr Geld zur Verfügung haben sollen, dann wäre der Welt eine Enttäuschung wie "Desperado" erspart geblieben (andererseits gibt es auch Leute, die das ganze genau umgekehrt betrachten).
Im Grunde handelt es sich bei diesem Film um eine tragische Verwechslungskomödie. Von Anfang an durchzieht den Film aufgrund der düsteren Voraussagen des Mariachi eine tragisch-melancholische Atmosphäre, vor der geniale Lacher wie der Auftritt des Keyboardspielers in der Bar eine ganz eigene Färbung gewinnen - es stimmt schon sehr nachdenklich, wenn so eine Szene, die einem als außerordentlich witzig vorkommt, im nächsten Moment durch einen kulturpessimistischen Kommentar in einem ganz anderen Licht erscheint. Dieses kluge Spiel mit den Erwartungen des Zuschauers durchzieht den ganzen Film. Auch die interessanten Traumszenen schärfen das künstlerische Profil des Films.
Aber es handelt sich hier keineswegs um ein rein intellektuelles Vergnügen, vielmehr bekommt man auch abwechslungsreiche und ganz schön harte Actionszenen zu Gesicht, denen man anmerkt, daß hier mit viel Experimentierfreude und liebevoller Sorgfalt vorgegangen worden ist. An vielen Stellen experimentiert der Film mit Zeitraffer und ungewöhnlichen Naheinstellungen, was meistens sehr verblüffend und lustig wirkt.
Die Schauspieler sind optimal. Hier scheiden sich natürlich die Geschmäcker, aber aus vielen Kritiken zugunsten des Paars Banderas/Hayek geht hervor, daß diese daher bevorzugt werden, weil sie nach Meinung vieler Leute besser aussehen, "sexy", "charismatisch" und wer weiß was sind. Carlos Gallardo und Consuelo Gómez haben jedoch Authentizität und Unverbrauchtheit, und das fehlt ihren Nachfolgern in "Desperado" eindeutig. Während Antonio Banderas und Salma Hayek in "Desperado" Klischeecharaktere verkörpern, die man an keiner Stelle ernstnehmen kann, entwickelt man für die tragischen Figuren in "El Mariachi" ein großes Maß an Sympathie, gerade weil sie nicht die Produkte irgendwelcher erotischen 08/15-Fantasien darstellen.
Alles in allem einer der frischesten, unterhaltsamsten und witzigsten Filme, die ich kenne.

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