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Paula Perils "Geburt" verlief weitgehend unspektakulär. Ein Blatt Papier, ein Zeichenstift, und ein kreatives Gehirn, mehr war nicht nötig, um die engagierte Journalistin anno 2006 die Lichter der Welt erblicken zu lassen. Ihr Schöpfer hört auf den Namen James Watson, und ihr Geburtsort waren die Atlantis Studios in Georgia. Paula Peril ist eine amerikanische Comicfigur, und sie kam in ihrer Heimat sehr gut an. Tatsächlich kam sie sogar so gut an, daß man sich kurzerhand entschloß, begleitend zur Comicserie einige Kurzfilme (*) zu drehen. Aus drei dieser Shorts ging schließlich der Spielfilm The Adventures of Paula Peril hervor. Da ich die Comics nie gelesen habe, kann ich leider kein Urteil darüber abgeben, inwieweit die Verfilmung(en) der Vorlage gerecht werden. Auf sich allein gestellt ist der Streifen jedoch durchaus einen Blick wert, sofern man keine Berührungsängste mit minibudgetierten Independent-Produktionen hat. Denn The Adventures of Paula Peril entstand, salopp formuliert, für 'n Appel und 'n Ei.

Der Film beginnt damit, daß Paula Perillo (Valerie Perez), die Star-Journalistin der Daily Gazette, in einer dunklen Lagerhalle herumschnüffelt und prompt in eine Falle läuft. Zwar setzt sie sich gegen die Angreifer energisch zur Wehr, aber die Übermacht ist einfach zu groß. Als sich Paula nicht mehr meldet, obwohl die Deadline für die morgige Ausgabe der Zeitung näher und näher rückt, wird man im Büro immer nervöser. Lediglich Veronica Vilancourt (Marla Malcolm, 2001 Maniacs), die Klatsch-Reporterin für den Society-Bereich, wittert ihre Chance, endlich aus Paulas Schatten treten zu können und hat auch gleich eine heiße Story parat. Leider hat die naive Blondine keine Ahnung, daß man ihr falsche Informationen zugespielt hat, und sollte die Daily Gazette ihre Geschichte bringen, hat der Bürgermeister endlich einen triftigen Grund, die Zeitung dichtzumachen. Das ist die Rahmenhandlung, in welche die drei Kurzfilme nicht ungeschickt eingebettet sind, wobei die letzte (und beste) Episode gleichzeitig das große Finale bildet.

Im 2009 gedrehten Mystery of the Crystal Falcon von Savvy Lorestani geht es um ein wertvolles Artefakt, welches während einer Auktion gestohlen wird. Paula und ihr Partner, der Photograph Jimmy Smith (Stephen Hanthorn), gehen der Sache nach und stoßen auf die Mitglieder eines mysteriösen Kults, die Menschen opfern, um die Unsterblichkeit zu erlangen. Benjamin Baraks The Invisible Evil aus dem Jahre 2010 dreht sich um den grausigen Mord an zwei Gangstern, die in einem leerstehenden Haus eine alte Kiste voller Goldmünzen gesucht haben. Anscheinend hat irgendjemand etwas dagegen, daß der Schatz in die falschen Hände gerät. Und in Midnight Whistle (2011) von Jason Winn (der auch die Rahmenhandlung inszeniert hat) steckt unsere Heldin ihre hübsche Nase in die korrupten Machenschaften eines hohen Tiers in der Stadt, was sie, ihren Vater und ihre Kollegen prompt in Lebensgefahr bringt, ist dem Schurken doch jedes Mittel recht, um die unliebsamen Mitwisser ein für alle Mal zum Schweigen zu bringen.

Daß The Adventures of Paula Peril auf einer Comicreihe basiert, sieht man bereits am liebevoll gestalteten Vorspann. Und auch danach ist ein gewisser Comic-Touch stets präsent, obwohl der generelle Look des Streifens nicht sonderlich stilisiert oder ausgefallen ist. Das Ganze ist mitunter sehr nett anzusehen, aufgrund der budgetären Limitierung jedoch unspektakulär und nicht wirklich aufregend. Glücklicherweise nimmt sich der Film nicht besonders ernst und besticht somit mit einer sympathischen Camp-Qualität, wobei ins Auge fällt, daß sich die Macher stark an alten, pulpigen Detektivgeschichten bzw. Abenteuer-Serials orientierten und unsere Heldin immer wieder in brenzlige, lebensbedrohende, scheinbar aussichtslose Cliffhanger-Situationen stolpern lassen. Ins Auge fällt auch Hauptdarstellerin Valerie Perez, die ihre Sache gut macht und als fleischgewordene Comicfigur durchaus zu überzeugen weiß. Valerie Perez' Paula ist eine starke, hübsche, rassige, großbusige, sympathische, furchtlose und schlagkräftige Frau, kurz, eine Heldin, mit der es sich mitzufiebern lohnt.

Die Episoden Mystery of the Crystal Falcon und The Invisible Evil haben ein paar interessante Ansätze und gute Momente, bleiben aber insgesamt wenig bemerkenswert und ziemlich durchschnittlich. Midnight Whistle hingegen ist toll. Jason Winns Beitrag ist der Höhepunkt des Filmes, ansprechend inszeniert, technisch sehr okay, und phasenweise sogar spannend und packend. Eine runde Sache, bei der lediglich eines irritiert. Marla Malcolm, die bisherige Darstellerin der Veronica Vilancourt, stand aufgrund einer Operation nicht zur Verfügung, und so schlüpfte Hayley Tarkenton in die Rolle, was einigermaßen gewöhnungsbedürftig ist, obwohl es an ihrer Darbietung wenig auszusetzen gibt. Gegen Ende gerät Paula einmal mehr in die Bredouille. Die Schurken platzieren die Schöne gefesselt auf den Gleisen, um sie vom nächsten Zug überrollen zu lassen. Wenn das kein klassischer Cliffhanger-Moment ist, dann weiß ich auch nicht. The Adventures of Paula Peril ist eine so harmlose wie launige Low-Budget-Comicverfilmung, die nur ein Ziel verfolgt: Ihr Publikum zu unterhalten. Bei mir wurde dieses Ziel erreicht. Das Ende schreit nach einer Fortsetzung, die somit gerne kommen darf.

(*) Die da wären (Stand: Februar 2017): Trapped in the Flames (2007), Midnight Is the Darkest Hour (2008), Mystery of the Crystal Falcon (2009), The Invisible Evil (2010), Midnight Whistle (2011) und The Serpent Cult (2016), allesamt mit Valerie Perez als Paula "Peril" Perillo.

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