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„Gefangen, gefoltert und ausgeblutet“ prangt es auf dem reißerischen Cover, hinzu gesellt sich ein „Im Stil von I Spit on your Grave“. So wird schon mal die Marschrichtung vorgegeben, um versierte Genrefans anzulocken, die spätestens nach der Sichtung wissen, wie man falsche Fährten legt.

Chloe (Caitlin Stasey) erwacht geknebelt und gefesselt in einem schmutzigen Raum, um sie herum liegen einige Frauenleichen. Während sie versucht, ihrer prekären Situation zu entkommen, wird Familienvater Andrew (Markus Taylor) von einem Unbekannten dazu abboniert, Päckchen an ausgewählte Kundschaft zu Überbringen, bis dessen Chefin mit einem gewinnbringenden Auftrag lockt…

Zwei Handlungsstränge: Einer okay, einer ödet an. Andrew ist ohnehin ein Lutscher und Langweiler, zudem performt Taylor hölzerner als Pinocchio, was die betonungslosen, auf wenige Worte begrenzten Dialoge noch verstärken. Zunächst ist auch überhaupt nicht klar, was die beiden Stränge miteinander gemein haben sollen, zumal es deutlich interessanter ist, Chloe (und phasenweise auch anderen, leicht bekleideten Damen) bei etwaigen Fluchtversuchen beizuwohnen.

Allerdings auch ärgerlich. Denn spätestens, als man den Arm des Peinigers mit nur einem Ruck schmerzhaft einquetschen könnte, wird verharrt und gezögert. Auch als mit dem Betreten eines Luftschachts der Weg geebnet scheint, entscheidet man sich für eine überaus komplizierte Variante, welche final immerhin ein wenig Cleverness ins Spiel bringt und für einige selten dämliche Verhaltensweisen entschädigt.

Leider kommt der Streifen merklich günstig produziert rüber. Bei Außenaufnahmen tun sich Unsicherheiten bei der Kamera auf, Farbfilter werden ein wenig beliebig eingesetzt und es gibt zahlreiche, viel zu lange Szenen, welche ein angemessenes Timing vermissen lassen.
Übermäßig blutig geht es derweil nicht zur Sache, es gibt weder Foltereinlagen, noch wird ausgeblutet, explizite Gewalteinlagen sind ebenfalls nicht zu finden, für eine FSK18 hat es dennoch gereicht.

Der Einstieg ohne jegliche Vorgeschichte erweist sich im Nachhinein als glücklicher Schachzug, obgleich es dadurch länger dauert, ein wenig Empathie gegenüber den Opfern zu entwickeln. Eine kleine finale Wendung geht in Ordnung und die Reduktion auf nur wenige Dialoge ist auch mal ganz angenehm. Obgleich eine Handvoll spannender Momente auszumachen ist, stehen demgegenüber einige Szenen, die regelmäßig den Fluss bremsen, was nicht zuletzt an den teils unbeholfenen darstellerischen Leistungen liegt.
Mehr als einen Amateurthriller auf knappem Durchschnittsniveau sollte man nicht erwarten.
5 von 10

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