Die wohl überzeugendste Darstellung eines kalten Entzuges lieferte seinerzeit Gene Hackman in „French Connection II“, was noch nicht einmal mit einer Oscarnominierung bedacht wurde. Mit den Folgen von Alkohol dürfte sich auch Co-Regisseur Louie Gibson auseinandergesetzt haben, denn sein Vater ist Mel Gibson. Gemeinsam mit Joe Dietsch demonstriert das Regieduo, dass Menschenjagd durchaus gesellschaftspolitische Relevanz aufweisen kann.
Den Herumtreiber und schweren Alkoholiker Warren (Martin Dingle Wall) verschlägt es nach einem geplatzten Drogendeal Richtung mexikanische Grenze. Angekommen in einem Wüstenkaff namens Bedford Flats, in dem das alljährliche Jagdfest ansteht, muss er rasch feststellen, dass er im Fokus schießwütiger Rednecks gelandet ist…
Die Mixtur aus Survival, Horror und Neo-Western weist in einigen Belangen Parallelen zu Sam Peckinpahs „The Wild Bunch“ auf, denn auch hier spielt die Grenze zu Mexiko eine entscheidende Rolle. Allerdings taugt Hauptfigur Warren nur bedingt als Sympathieträger, weil er in seiner psychischen und geistigen Verfassung unberechenbar handelt und folgerichtig nicht immer rational entscheidet, was dem Mitfiebern deutliche Wüstensteine in den Weg legt.
Die Kulisse des texanischen Ödlandes schürt immerhin eine taugliche Westernstimmung, doch viele Möglichkeiten zur abwechslungsreichen Menschenjagd bietet sie nicht. Dem steuert jedoch eine recht versierte Kamera entgegen, welche hin und wieder einige gelungene Vogelperspektiven einfängt, während die Hatz mit einer Horde Rednecks und fünf potenziellen Gejagten durchaus blutig und mit zahlreichen Shootouts vonstatten geht. Gefangene werden hier nicht gemacht und obgleich einige CGI nicht sonderlich überzeugend in Szene gesetzt sind, kommt die Härte ab und an unvermittelt.
Was den Streifen von Artverwandten abhebt, ist die trumpologische Konsequenz mit der in Richtung Mexiko geschielt wird, während Aspekten wie Waffenbesitz und alten Traditionen eine äußerst schwarzhumorige Note anhaftet. Zwar läuft der eigentliche Showdown ein wenig vorhersehbar ab, doch die finalen Minuten sind an bissiger Ironie kaum zu überbieten.
Treffend besetzt und solide performt erweist sich das Spielfilmdebüt des Regieduos Dietsch und Gibson als kleine positive Überraschung. Das Mitfiebern wird ein wenig von der stets verzerrten Wahrnehmung des Protagonisten ausgebremst, das solide Handwerk und das durchdachte Drehbuch sind allerdings deutlich auf der Habenseite zu verbuchen.
6,5 von 10