James Bond statt Straßenrennen…22.02.2020
Vin Diesel war noch nie ein großer Mime, doch hier darf er fast den ganzen Film über mit einem vermeintlich coolen, leicht verärgerten Gesichtsausdruck herumlaufen, der eher so wirkt, als müsse er ganz dringend auf die Toilette, was angesichts der Story auch den richtigen Ausweg darstellen würde, denn die gehört direkt in den Abfluß. Eine Hackerin erpreßt den seßhaft gewordenen Dominic Toretto, hat sie doch ein weiteres Familienmitglied gekidnapped, von dem weder er noch wir Zuseher wußten, daß es das gibt. Nein, der Walker Paule ist nicht von den Toten auferstanden, wobei das angesichts der Überzogenheit der Geschichte durchaus passend wäre. Toretto soll ein Ding klauen, damit die Hackerin ein anderes Ding klauen kann, um damit weitere Dinge zu stehlen. Dabei stellt sich Toretto gegen seine Kollegen, aber das macht wenig, denn die haben im Verlauf des Films auch wenig Sinnvolles zu tun. Dafür nähern sich Hobbs und Shaw freundschaftlich an, hurra, Spin-Off!
Über zwei Stunden geht der Mist, der nichts mehr mit dem charmanten Erstling der Serie zu tun hat. Nun, man muß sich weiterentwickeln, das schon, aber bereits mit dem Vorgänger und dessen Vorläufer hat man den Boden unter den Füßen verloren, um im achten Teil endgültig abzuheben in das Imperium von Tom Cruise und seinen Missionen, die aber fast realer erscheinen als das, was man hier zu sehen bekommt. Dabei fängt es ganz nett in Kuba an, Straßenrennen, Machismo, doch schon hier merkt man, daß Kollege Rechenknecht am Steuer sitzt – und das gibt er zum Leidwesen zumindest eines erwachsenen Zusehers auch nicht mehr her. Man wähnt sich bei Superhelden daheim, aber vielleicht bin ich ja auch nur langsam zu alt für diesen Scheiß…
Es macht aber auch wenig Spaß, dem Treiben beizuwohnen. Jeder Darsteller bekommt ein klein bißchen Screentime, ein paar Blödelein und überzogene Sprüche, die aber alle sehr aufgesetzt wirken und dann einfach aufgesagt werden. Frau Theron als Bösewichtin ist hübsch, aber blaß, die Story, wegen der alle vorangetrieben werden, sehr dämlich, und die Effekte werden von Minute zu Minute haarsträubender. Manche klatschen Beifall, wenn ganz viele autonom fahrende Autos die Straßen verstopfen oder aus Parkhäusern purzeln, ich winke da nur müde und überstrapaziert ab, wünsche mir alles dreißig Minuten kürzer und weniger spektakulär und bin wohl endgültig raus – knappe 4/10