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Allein im Jahre 1989 erschienen etwa drei Dutzend Filme, die sich mit den Triaden, ihrem Umfeld und den Auswirkungen beschäftigten; selbst wenn einige Arbeiten mit überschneidendem Handlungskern mehr in das Genre des reinen Action- oder auch Polizeifilms fallen. Diese Grössenordnung ist kein Wunder angesichts der durch A Better Tomorrow ausgelösten Heroic Bloodshed Welle, die neumodische Gangsterfilme abrupt zum Begriff und ihre Methodik langfristig zur standardisierten Prozedur machte.
Der konformistische Triads - The Inside Story ist einer der Filme, die trotz einem all star cast und vor allem der Besetzung mit Chow Yun Fat selber in der Hauptrolle weitestgehend übersehen wurden; der Ausstoß damals ebenso hoch wie unweigerlich die alsbaldige Abnutzung.

Das soll aber nicht ausschließen, dass man bei Triads obgleich seines synthetischen Portraits nicht doch auf die Kosten kommt; wenn nur leider bei entsprechender Vorkenntnis der Materie und einem genaueren Einblick in die damalige Produktionsschiene alles viel zu vertraut wirkt. Angefangen von den ewig gleichen Schauspielern, die auch noch ständig in die selben brühwarmen Rollen gezwungen werden bis über dem Drehbuch, dass selbst mit geschlossenen Augen verfolgbar bleibt und der üblichen Aufstieg - Fall - Struktur sieht der Film genauso wie die meisten Anderen seiner Artgenossen aus. Jeweils ohne Kaltstartphase, nicht schlechter und nicht besser. Das kann man als zuverlässig, vielleicht auch als sorgfältig oder gar wesentlich beschreiben. Oder eben auch als einfallslos, brav und banal. Die Sichtweise variiert wahrscheinlich je nach Laune und Erfahrung; unzwiespältig ist aber, dass entgegen des verheißenden Titels "My Days Inside the Underworld", der sich selber auf einen Nonplusultra-Schemel stellt, hierbei wahrhaftig keine Insidergeschichte voller Akkuratesse und Akribie dargereicht wird. Eher das Gegenteil eines hundertprozentigen Verismus.

Man erfährt nicht Neues, nicht einmal wahrhaftig Interessantes, darf ausser einem kurzen Abstecher auf Initiationsriten und dem [auch gängigen] Familienleben der Kriminellen keine weitere Erkundungen in das Schattenreich der Hak se wui, der Schwarzen Gesellschaft anstellen und geht letztens Endes genauso ahnungslos daraus hervor wie man schon vorher war. Manchmal scheint es sogar, als ob die Filmemacher von einer über-fürsorglichen Eskorte der ehrenwerten Gesellschaft begleitet werden, die die Führung durch ihre Hochburg des organisierten Verbrechens ja störungsfrei sehen und jeden Zugang zu Geheimgängen, Grabkammern, drehbaren Türen und unsichtbaren Treppen von vornherein ausschließen möchten.
Ein offenes Geheimnis, dass gerade im Filmbusiness die Geschäfte zuweilen von den Triaden persönlich geleitet oder erzwungen bestimmt wurden; Regisseur Taylor Wong scheint nach Rich & Famous / Tragic Hero jedenfalls keine Lust mehr auf zu authentische Nachforschungen im Netz der chinesischen Mafia gehabt haben und inszeniert statt mit Herzenslust lieber nur mit formell fachkundiger Anleitung. Keine Antwort auf das gesellschaftlich übergreifende Phänomen, sondern der übliche Quasistandard von Hoffart, Imponiergehabe und Manieriertheit im Kontrast zu Loyalität, Treue und bedingungslose Ergebenheit:

Als sein Vater bei einer gewalttätigen Auseinandersetzung unter zerstrittenen Gangster getötet wird, kehrt Lee Man-ho [ Chow Yun Fat ] für die Beerdigung mit Frau und Kind aus den USA nach HK zurück. Dort wird er schlagartig von den übriggebliebenen Mitgliedern Tse Shing [ Michael Chan Wai-man ], Mad Keung [ Shing Fui On ] und Yeung Kong [ Roy Cheung ] okkupiert, die momentan unbedingt eine führende Hand brauchen. Lee willigt nach anfänglichen Unbehagen ein, gerät aber zügig in Bredouille mit der Konkurrenz; Brother Bill [ Lam Wai Hung ], Coffin Sheng [ Lung Ming Yan ] und Little ha [ Kelvin Wong ] möchten gerne ihr eigenes Süppchen auch alleine kochen.

Wenn man denn schon keine dokumentarische Wiedergabe oder soziologische Untersuchung, ja noch nicht einmal ein aus dem alltäglichen Leben gegriffenes Beispiel erwarten darf, dann doch zumindest einen stilsicheren Aufguss kuranter Plotformeln. Anders als in den unruhigen Zeiten im Film wird bei der Herstellung noch viel Wert auf die richtige Etikette, die eingefahrenen Regeln und das bewährte Brauchtum gelegt; in der Hinsicht überzeugt man wenigstens als stillschweigend vereinbarter Kanon, der dem Zuschauer genau das bietet, was dieser kennt, einstmals schätzend lieb gewonnen hat und heutzutage schon wieder mal gerne auf der Leinwand betrachten würde. Mittlerweile sind derartige Werke trotz einem erneuten, nichtsdestotrotz schleichenden Aufkommen fast vollständig aus dem Kinosaal verschwunden; selbst wenn mit den Elections, Jiang Hu oder Colour of the Truth bzw Loyalty vereinzelt Nachschub im anhaltenden Investitionsrückstau attestiert werden kann. Deswegen lässt sich das vorliegende Beispiel gerade angesichts der immer wiederkehrenden Dürreperioden vielleicht besser als Art Reservoir betrachten; angeblich im gegenseitigen Einvernehmen mit dem Zuschauer hergestellt, ihn nicht weiter zu überraschen und deswegen nur materiellen und inszenatorischen Usus bereitzuhalten.
Eine Zwangsmitgliedschaft, die zwar Nichts weltbewegend falsch, aber auch nichts wirklich richtig macht, sonstige Energie, Elegie, Melancholie nur behaupten vermag und sich stattdessen auf Habitus, Pose und Pathos verlässt.

Den kleinsten gemeinsamen Nenner bieten vor allem die Darsteller, von denen man nach der xten selben Figur sicherlich keine inspirierende Hingabe mehr erwarten darf. So ist Chow der unabdingbare Gutmensch, der gegen seinen Willen in einen Bandenkrieg gezogen wird, obwohl er Gewalt komplett ablehnt und des öfters wie mehr Maus als Mann erscheint. Was seine Hung Hing Society genau betreibt, weiß man auch nicht. Er ist so sauber, dass hierbei die "illegalen Aktivitäten" scheinbar nur auf Mahjong-, Karaoke- und Massagestätten beschränkt werden; kein Wunder, dass Anti-Triad Sergeant Chan Tin-lok [ Kenneth Tsang ] fast ein freundschaftliches Verhältnis mit ihm eingeht.
Shing Fui On spielt sich mit seinem ständig aufbrausenden Gehabe an den Rand des Herzinfarkts durch Bluthochdruck. Michael Chan macht den edlen Gauner alter Schule, der mit dem traditionellen Regelwerk unterm Arm ins Bett geht. Roy Cheung den großspurigen Aufschneider, der lang genug Scherge war und jetzt gerne vom Duft der Macht schnuppern will.
Frauen sind wie üblich nur Randerscheinung und dann meist Klotz am Bein: Entweder sie bremsen die Karriere ihres Mannes mit permanenten Herumnörgeln aus oder werden gleich nur auf die Kinderziehung beschränkt, jedenfalls haben sie weiter nichts zu sagen und bergen seitens der beschönigten Dramaturgie auch sonst keinen Zweck in sich.

Dasselbe gilt fast für das gesamte Skript, dass sich schnell auf die gewohnten verbalen Konfrontationen versteift und die Droh- und Streitgebärden trotz einiger Aufräumarbeiten nur selten in physische Aktivitäten umwandelt. Überraschend rar ungeachtet doch herben und zuweilen willkürlich anmutenden Verschleißes wird dabei zur handelseigenen Schusswaffe gegriffen. Heroic Bloodshed war immer mit das Synonym für zeitlupenverstärkte Blutballette und entsprechend akzentuierte Shootouts; der hiesige Action Director Lam Moon Wah [ The Unmatchable Match, Prison on Fire II, The Adventurers ] verlässt sich lieber auf die erst später zur Mode gekommenen Messerstechereien und – dann doch außergewöhnlich – auf diverse Autostunts. Neben Verfolgungsjagden und Crashs werden die gusseisernen Vehikel auch emsig dafür benutzt, die Leute ganz einfach von der Straße abzudrängen, sie über den Haufen zu fahren oder anderweitig kreativ ins Jenseits zu schicken; die krause Choreographie lässt Einen Angst und Bange um die Beteiligten werden.

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