kurz angerissen*
Als Meta-Film über das Filmemachen ist "The Disaster Artist" interessanterweise ein Mahnmal für jeden ambitionierten Jungschauspieler, der sich dazu entschließt, nach Hollywood zu gehen. Der klassisch-amerikanische Aufbau eines typischen Road Movies vom Boden bis zur Spitze, mit dem traditionell eher die Imitation gefördert werden soll, täuscht keineswegs darüber hinweg. Auch wenn sich Tommy Wiseau am Ende in einer Dunstwolke aus später Anerkennung durch Verkultung wiederfindet, die Melancholie des Unerreichten steht dennoch im Raum. Wiseau ist eine durch und durch tragische Figur; und wenn diese Semi-Biografie eines richtig gut macht, dann die klaffende Lücke zu zeigen, die zwischen der Selbstwahrnehmung des Künstlers und der Fremdwahrnehmung durch sein Publikum besteht.
Szenen aus "The Room" werden nahezu 1:1 rekonstruiert und lediglich durch die ledernen Fratzen der Franco-Brüder und ihrer Co-Stars zur Parodie. Sie legen einen Ausdruck der Übertriebenheit an den Tag, der sich allerdings ganz schön strecken muss, um mit den Originalen mithalten zu können. Zwischen diesen nachprüfbaren Ausschnitten wird spekuliert und interpretiert, was das Zeug hält - in Hotelzimmern, auf Parties, am Straßenrand bei der Gedenkstätte von James Dean. Erfreulicherweise schert sich das Drehbuch einen feuchten Kehricht darum, wie überhaupt die Rahmenbedingungen für so eine ungewöhnliche Produktion zustande kommen konnten. Die Herkunft der Geldquelle, über die Wiseau verfügte, wird nicht weiter hinterfragt; insofern handelt es sich auch nur bedingt um eine Geschichte über die schwierigen Bedingungen in der Filmindustrie. Abseits der selektiven Auswahlprozesse der Hollywood-Mogule wird auch die kreative Selbstdarstellung des Künstlers hinterfragt.
Letztendlich ist gar nicht so einfach zu beantworten, ob "The Disaster Artist" nun dazu auffordert, den eigenen Träumen vom Filmgeschäft nachzujagen oder ob er davor warnt. Ohne Frage macht er neugierig auf den ominösen Film, um den sich alles dreht. Je nach persönlichem Gefallen oder Missfallen entscheidet man dann vermutlich selbst über die Antwort.
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