Review

Versucht sich da etwa jemand an einer Variation des Gedichtes von Ludwig Uhland? Oder gar an der griechischen Mythologie? Letzteres schon eher, denn mit viel Fantasie erinnert die Geschichte an die Erlebnisse von Ödipus. Wie Regisseur Raffaele Picchio die Geschichte allerdings umsetzt, wähnt man sich eher in einem Stillleben für Depressionsförderung.

Nach dem Tod seiner Ehefrau zieht Craig mit seiner zehnjährigen Tochter Jennifer in ein neues Haus. Seit dem traumatischen Erlebnis spricht das Kind kein Wort mehr und drückt sich ausschließlich durch Zeichnungen aus, auf denen in letzter Zeit häufiger eine düstere Gestalt auftaucht, welche auch die Alpträume von Vater und Tochter dominiert.
Dann verschwindet Jennifer und Craig muss sich zwangsläufig dem blinden König stellen…

…hätte der mal nach fünf Minuten machen sollen, dann wären einem die 95 Minuten erdrückende Langeweile deutlich verkürzt worden. Das geringe Budget (250.000 Dollar sollen hier im Spiel gewesen sein) sieht man der Inszenierung früh an, welche in einigen Belangen beinahe amateurhaft anmutet. Der Titelgebende ist ein deutliches Indiz für die lieblose Herangehensweise, denn der trägt eine Art lockeren Turban um den Kopf gewickelt, dazu kommen Sonnenbrille und spitze Zähne, die man wahrscheinlich einem Plastik-Piranha herausgerissen hat.

Die Geschichte selbst böte zwar ein Fundament für ein wenig Tragik und Grusel, doch der Zugang zum Geschehen wird durch den unsympathischen Vater, der zahlreiche pädagogische Fehlentscheidungen trifft, nicht gerade erleichtert, wogegen das Kind neutral, aber auch nicht unbedingt bemitleidenswert erscheint. Dazwischen mischt Craigs Schwester mit, doch außer Schuldzuweisungen und Unterstellungen kommt auch da nicht viel Erwärmendes.

Vor allem ereignet sich kaum etwas. Da ist es ja beinahe eine Abwechslung, wenn überhaupt mal das Haus verlassen wird, um im Park für eine Minute Ball zu spielen, bevor am Rande der Titelgebende aufkreuzt und dann so spricht als würde er mit seiner tiefer gepitchten Stimme eine Ausgabe Promi Big Brother anmoderieren wollen.
Es kommt wenig Greifbares herum, außer einer Tochter, bei der professionelle Hilfe überfällig wäre und ein Vater, der bereits früher in vielen Belangen versagte und immer noch die Augen vor der Wahrheit verschließt.

Jene kommt in Form eines Flashbacks ans Tageslicht und soll einen Twist liefern, der jedoch bereits im ersten Drittel erahnbar wird. Somit bleibt die Story weitgehend unpointiert und ohne tiefere Bedeutung und folgerichtig liefert das Finale keine dramaturgische Steigerung, - es bleibt so öde wie der Rest der einschläfernden Chose.

Das ganze Ding ist furchtbar ungelenk aufgezogen und schmeckt so zäh wie ein Rindersteak, das auf dem Grill vergessen wurde. Das unterstreichen die darstellerischen Leistungen, der aus nur wenigen Akkorden bestehende Minimalistik-Score und die spärliche Ausstattung, welche gänzlich auf Spezialeffekte verzichtet. Von atmosphärischen Highlights und spannenden Einlagen ganz zu schweigen.
Wenn der Einäugige unter den Blinden König ist, sollte man ihn an dieser Stelle bedauern…
2,5 von 10

Details
Ähnliche Filme