Review

kurz angerissen*

Als sorgten Marvel und DC nicht alleine schon für Verstopfung auf der Kinoleinwand, strömen jetzt auch noch die Imitatoren aus dem Ausland nach. Im Fall der russischen „Guardians“ sind pulpige TV-Formate wie „Agents Of S.H.I.E.L.D“ oder „Legends Of Tomorrow“ wohl die besseren Vergleichsobjekte, dem niedrigen Budget und der Reißbrettkonzeption zum Dank.

Dass die Charaktere in teilweise völlig absurden Dialogen miteinander kommunizieren und die Handlung mit abwegigen Schlussfolgerungen antreiben, mag teilweise der Übersetzung aus dem Russischen geschuldet sein; unter ähnlichen Problemen leiden schließlich fast alle russischen Produktionen aus dem weiteren Feld zwischen Fantasy und Science Fiction, die ins Ausland exportiert wurden. Selten jedoch klangen Konversationen so behämmert wie hier; die mehrfache Betonung von Aktivitäten bei Facebook sind nur eine Kostprobe des endlosen Kopfschüttel-Faktors der Dialogzeilen, deren befremdliche Komik durch Regiefehler wie viel zu lange Einstellungen noch unterstrichen wird – alleine in der letzten Szene könnte man zwischen dem wortlosen Blick in die Kamera und dem erlösenden Black Screen des Abspanns fast noch eine Toilettenpause einlegen.

Nur mäßig interessant gestaltet sich die Ausarbeitung der Charaktere. Mit der höflichen Kennenlern-Präsentation eines uralten Comicfilms (oder einer noch älteren Trickserie für Kinder) wird jede Figur samt ihrer Superkräfte einzeln vorgestellt. Novitäten Mangelware; die Guardians ähneln einer Mischung aus „Fantastic Four“ und „X-Men“, imitieren dabei dreisterweise sogar deren Fähigkeiten und vertrauen darauf, dass ihre Vorstellung überzeugend genug ausfällt, dass man sich für ihren Zusammenschluss interessiert. Tut man natürlich nicht. Auf der Gegnerseite das gleiche Spiel: Mickey Rourkes Rolle in „Iron Man 2“ diente offensichtlich als Vorbild für einen muskulösen, Blitze schleudernden Glatzkopf (Stanislav Shirin).

Bei der Bewertung der Spezialeffekte muss man aufgrund der preiswerten Umsetzung zwar Milde walten lassen, man kommt dennoch nicht umhin, in einigen Bereichen ihre Minderwertigkeit herauszustellen. Während Maschinen zwar glatt, aber halbwegs sauber zum Leben erweckt werden, sieht Mannbär aus, als hätte ihn ein Schwein erschaffen – Trey Parker und Matt Stone hätten ihren Spaß.

Verständlich, wenn man so etwas mit lachendem und weinendem Auge unter SchleFaZ-Gesichtspunkten zum Partyfilm erklären möchte. Wem sich eine solche Lesart nicht erschließt, der nehme bitte Abstand, denn in diesem Fall ist von den „Guardians“ nichts zu erwarten.

*weitere Informationen: siehe Profil

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