Österreichs Bergwelten und Wälder dienen als Kulisse für ein Porträt der Jagd im 21. Jahrhundert. Der Film begleitet Berufsjäger, Traditionsbewusste und Hobbyjäger durch die Jahreszeiten, vom winterlichen Füttern des Rotwilds in den Hohen Tauern bis zur herbstlichen Hochwildjagd.
Über einen Zeitraum von drei Jahren begleitet der Film Berufs- und Hobbyjäger durch die Reviere der Steiermark und Niederösterreichs. Dabei geht es Mündl weniger um eine distanzierte Beobachtung, sondern um eine Hommage an ein Jahrtausende altes Handwerk. Er zeigt das „Ansprechen“ des Wildes, die Hege im Winter und die Gamsjagd, eingebettet in monumentale Naturaufnahmen der Alpenflora und -fauna.
Regisseur Kurt Mündl (1959–2019) war Naturfilmer und langjährig für die ORF-Reihe Universum aktiv. Er war selbst leidenschaftlicher Jäger und verstand sich als Botschafter für das Weidwerk. Sein Ziel mit Halali war es, den Ruf der Jagd zu verbessern und sie als Kulturgut zu präsentieren. Durch Mündls Verbundenheit mit der Materie setzt der Film eine gewisse Kenntnis der Jägersprache (Waidmannssprache) voraus. Begriffe wie Aufbrechen, Schweiß oder Vorlassfasan fallen ohne Erklärungen, was für Laien eine Einstiegshürde darstellt.
Die Grundidee, die Jagd als eigene kulturelle Welt aus Traditionen und enger Verbundenheit zur Natur darzustellen, mag der Realität entsprechen. Es wirkt auf Außenstehende aber sehr befremdlich. Etwas zu lieben und zu ehren, das man als Sport tötet, passt für mich nicht zusammen. Mündls Hinweise, dass die Jagd zur Fleischgewinnung im Vergleich zur Massentierhaltung sauber und schnell tötet, ohne das Tier leiden zu lassen, ist sicher korrekt, erscheint aber wie eine aufgesetzte Rechtfertigung. Im Film gewinnt stets die Romantik des Pirscherlebnisses die Oberhand. Diese offensichtliche Pro-Jagd-Einstellung lässt kaum Raum für kritische Zwischentöne und ist damit das große Problem von Halali.
Mündl geht kaum auf die dringende ökologische Notwendigkeit der Bestandsregulierung ein, etwa um den Schutzwald vor massivem Verbiss zu bewahren. Stattdessen wird die Jagd fast ausschließlich von der sportlichen Seite betrachtet. Sie ist Herausforderung, persönliches Kräftemessen mit der Natur und bereitet Freude durch das Beutemachen, sprich durch das Töten von Tieren. Dieser Fokus auf die sportliche Seite der Jagd lässt andere Aspekte wie die Jagd als ökologisches Instrument der Bestandsregulierung und des Naturschutzes vermissen. Mündl betonte in Interviews zwar, dass die Jagd heute ein notwendiges Handwerk sei, sah im Jäger aber den Anwalt der Natur, was seine unkritische Perspektive im Film erklärt.
Dennoch ist Halali in seinem Rahmen durchaus informativ geraten. Er erklärt punktuell kleine Traditionen wie den „letzten Bissen“ oder den “grünen Bruch”, mit denen Waidmannsheil und Waidmannsdank getauscht werden. Doch angesichts des toten Tieres und des Kommentars, dass ein Blattschuss das Tier nicht leiden lässt und es sicher ein besseres Leben hatte, als jene Tiere in Mastställen, wirkt das wie blanker Hohn.
Auch das dunkle Kapitel der Wilderei spart Mündl nicht völlig aus, beleuchtet es aber auch nicht besonders intensiv. Doch Ereignisse wie der Amoklauf des Wilderers von Annaberg (2013), der drei Polizisten und einen Sanitäter erschoss, zeigen eine Realität, die nicht zu Mündls idealisiertem Bild des ehrbaren Waidmanns passen will.
Handwerklich bewegt sich Mündl Dank seiner Erfahrung auf höchstem Niveau. Die Kameraarbeit ist exzellent. Er nutzte modernste Technik, um Bewegungsabläufe des Wildes sichtbar zu machen, die das bloße Auge sonst kaum erfassen könnte. Wer der Jagd etwas Ästhetisches abgewinnen kann oder schlicht die grandiosen Naturaufnahmen und das Alpenpanorama schätzt, kommt hier voll auf seine Kosten.
Visuell beeindruckend und leidlich informativ, aber inhaltlich zu einseitig in seiner Gewichtung der Jagd als Sport statt als ökologische Notwendigkeit. Ein schöner, aber sehr subjektiv gefärbter und dadurch enttäuschender Blick eines passionierten Jägers und Naturfilmers. Lässt das Herz von Tierfreunden nicht unbedingt höher schlagen.