Die Kritik beruht auf der DVD-Fassung von MC ONE mit FSK: 18-Freigabe, die die geschnittene UK-Kinofassung beinhaltet!
"Der Hexenjäger" mit Vincent Price in der Hauptrolle als Matthew Hopkins, gilt als Begründer des historischen Horrorfilms und löste bei seinem Erscheinen 1968 wegen seines kompromisslosen Realismus einen Skandal und hitzige Debatten aus. Er zählt zu den einflussreichsten Filmen dieses Genre und zog zahlreiche ähnlich gelagerte Werke nach sich, unter anderem die beiden Klassiker "Der Hexentöter von Blackmoor" und "Hexen bis aufs Blut geschändet", jeweils mit Christopher Lee und Herbert Lom (bekannt aus Hammers "Das Phantom der Oper") in den Rollen der Inquisitoren.
Filme dieser Art spielen vor mittelalterlicher Kulisse und machen sich das Thema der Inquisition zum Kern ihrer Handlung.
Besonders in "Der Hexenjäger" wird deutlich, wie sehr Hexenjäger Matthew Hopkins seine Macht ausnutzt und beispielsweise sexuelle Gefälligkeiten von Frauen einfordert, die der Hexerei beschuldigt wurden und somit einem qualvollen Verhör entgehen. Ob schuldig oder nicht schuldig, die Verhöre werden so lange mit brutaler Folter fortgesetzt, bis die Verdächtigen gestehen. Wie sehr dabei das Gesetz gebeugt wird, wird verdeutlicht, als Zeugen zu falschen Aussagen gezwungen werden, nur um die Hexenprozesse voranzutreiben.
Dabei ist die in Michael Reeves dargstellte Folter nicht so explizit wie in den beiden Nachfolge-Werken aus europäischer Produktion. Besonders Jess Franco setzt in "Der Hexentöter von Blackmoor" alle Facetten mittelalterlicher Folterkunst blutig in Szene: von der Streckbank bis hin zu Daumenschrauben und glühenden Eisen.
In "Der Hexenjäger" werden die Verhöre mittels Schläge durchgeführt, hier und da wird den vermeintlichen Hexen ein Messer in das Mal des Satans getrieben. Die dargestellten Szenen sind zwar teilweise blutig, erreichen aber nicht die Intensität anderer Inquisitions-Epen.
Die Hinrichtungen sind dafür spektakulär in Szene gesetzt. Die Verurteilten werden aufgehangen oder im Dorfteich ertränkt und im Laufe des Films entwickelt Hexenjäger Matthew Hopkins die Variante des Scheiterhaufens.
Im direkten Vergleich zu den beiden anderen Werken erweist sich "Der Hexenjäger" jedoch als der schlechtere und als langweiliger, teilweise sogar überkonstruierter Historienfilm.
Das mag vor allem daran liegen, daß er der erste seiner Art war und Regisseure wie Jess Franco und Adrian Hoven ihre Werke entsprechend inszenierten, daß sie den Vorgänger qualitativ in vielen Belangen übertreffen konnten.
Regisseur Reeves hatte mit einem bescheidenen Budget zu kämpfen um die historische Thematik ansprechend umzusetzen. So spielt sein Film im England des Jahres 1645 während eines Bürgerkrieges, kann aber aus Kostengründen weder mit imposanten Schlachtenszenen noch mit einer prächtigen, mittelalterlichen Stadtkulisse dienen. Die vielen Außendrehs spielen sich wiederholt in Wäldern ab und das Kriegsgeschehen wird lediglich durch eine kleine Kompanie von Soldaten in die Handlung integriert.
Bei der Kostümauswahl und den Dialogen wurde jedoch darauf geachtet, dass hier die Authenzität gewahrt und zumindest in der deutschen Synchronfassung der Sprachgebrauch damaliger Zeit beibehalten wurde.
Vincent Price als Hexenjäger ist zwar eine finstere Gestalt und er liefert eine angemessene Performance, aber er kann den späteren Inquisitoren Herbert Lom und vor allem Christopher Lee nicht das Wasser reichen. Als weitere Fehlbesetzung erweist sich auch der Darsteller des Folterknechts Stearne, der bei weitem nicht die sadistische und raue Ausstrahlung eines Herbert Fux in "Mark Of The Devil" hat.
Lediglich gegen Ende erreicht der ansonsten behäbig inszenierte Film ein gewisses Maß an Tempo und Spannung, doch leider wirkt auch das Finale etwas zu schnell und vorhersehbar.
3 von 10 Scheiterhaufen!
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