Review
von Alex Kiensch
England in der beginnenden Neuzeit: Politische Kriege und religiöser Terror überziehen das Land. Neben verlustreichen Schlachten der aufständischen Soldaten rund um Cromwell gegen die Garden des Königs droht der Bevölkerung auch Gefahr durch religiöse Fanatiker, die mit Leid und Elend der Menschen ihr Geld verdienen. Matthew Hopkins (Vincent Price) ist der gefürchtetste unter ihnen - wo er auftaucht, gibt es schnell Anklagen wegen Hexerei, brutale Folterverhöre und grausame Todesurteile. Doch als er den Pfarrer eines kleinen Dorfes quälen und töten lässt, schwört dessen Schwiegersohn - ein Soldat der Cromwell-Armee - blutige Rache.
Mit dem grobschlächtigen Horror- und Gewaltstreifen aus dem Hause Hammer löste Regisseur Michael Reeves seinerzeit einen echten Skandal aus, was nicht nur an den für heutige Gewohnheiten eher seichten, im Jahre 1968 aber doch noch als extrem hart empfundenen Gewaltszenen liegen dürfte, sondern wohl auch an der insgesamt sehr gelungenen, bedrückenden Atmosphäre aus Terror, Gewalt und Zynismus - im Grunde kann man durchaus sagen, „Der Hexenjäger" sei ein früher Vorgänger der in den 70ern im Genre so populären Terror- und Rape-and-Revenge-Streifen.
Dass es der „Witchfinder General", so der wesentlich griffigere Originaltitel, unter Genrefans zum so berüchtigten Kultfilm gebracht hat, dürfte an der rundum gelungenen Inszenierung liegen: Trotz offensichtlich geringem Budget erzeugt der Film innerhalb kürzester Zeit eine beklemmende Atmosphäre der grausamen Gewalt, die jederzeit drohen kann. Die haltlosen und völlig hanebüchenen Anschuldigungen, die gegen zufällig gewählte Mitbürger ausgesprochen werden, und die Verhöre, die ihr Ergebnis schon vorab schließen und nur noch durch Folter ein Geständnis erzwingen wollen, geben einen erstaunlich authentischen Einblick in die perverse Logik menschenverachtenden Fanatismus', der sich hinter Religion und Gottesfurcht verbirgt. Eine solch gnadenlose Kritik an den abscheulichen Methoden der christlichen Kirche im 16. und 17. Jahrhundert gibt es in großen A-Produktionen wohl selten zu sehen.
Selbst die Schwächen des Films werden dabei noch zu gut genutzten Vorteilen: etwa die eher schwache Kameratechnik, die eher qualitativ niedrige, teilweise richtig verwischte Bilder erzeugt. Durch diesen Schmuddel-Look entsteht überhaupt erst ein Großteil der authentischen und extrem intensiven Atmosphäre. Auch der eher grelle Musikeinsatz funktioniert als grobe, aber wirkungsvolle Methode, um beim Zuschauer ein unbehagliches Gefühl auszulösen. Und - in diesem Genre nun wirklich keine Selbstverständlichkeit - die meisten Dialoge überzeugen mit gut durchdachten Verläufen und zynischen Umschreibungen, hinter denen die endlose Verlogenheit und Heuchelei der Inquisitoren hervorscheint. Und auch wenn die Gewalteffekte an sich nicht allzu sehr überzeugen, wirken die blutigen Szenen in ihrer grobkörnigen Schlichtheit (ganz besonders das Finale in der Folterkammer) doch irgendwie verstörend.
Wenn man also eher untalentierte Darsteller (mit Ausnahme der Horror-Legende Vincent Price, der den Hexenjäger mit eiskalter Bösartigkeit und zynischem Charisma gibt) und eine holprige Story verzeihen kann, die am Ende einfach abzubrechen scheint, kann „Der Hexenjäger" ein atmosphärisch dichtes, intensiv bebildertes Schauerstück über den Wahnsinn des Menschen und seiner Ideologien sein. Alles mit einem gewissen Trash-Charme, aber wohl durchdacht und gut inszeniert.