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England, Mitte das 17. Jahrhunderts, das Land befindet sich in den Wirren des Bürgerkrieges, Gesetz und Ordnung existieren nicht mehr. Durch den Osten des Landes zieht der selbsternannte Hexenjäger Matthew Hopkins mit seinem Folterknecht. Sie kommen in ein Dorf, wo der Priester vom Satan besessen sein soll und exerzieren an dem ihr blutiges Inquisitionstreiben. Um ihren Onkel zu retten, gibt sich Sarah dem Hexenjäger (Vincent Price) hin, doch das nützt wenig, sie wird sogar noch von den ehrbaren Richtern vergewaltigt. Als ihr Ehemann und Soldat Richard von den Vorfällen Wind bekommt, hat er nur noch ein Ziel: Den Tod vom Hexenjäger Matthew Hopkins. Dieser bemerkenswerte Film setzt auf eine dramatische und von Moral gespickte Story, immer wieder geht es darum, wer das Recht Gottes auf seiner Seite wähnt. Das wirkt angesichts von Folter und Vergewaltigung nur allzu blasphemisch und macht die Inszenierung umso interessanter. Denn „Der Hexenjäger" verlässt sich nicht bloß auf die Folterszenen, die bei Inquisitions-Exploitation oftmals als Mittel zum Selbstzweck im Vordergrund stehen. Vielmehr stehen die Schicksale der Charaktere im Vordergrund, was nicht heißt, es ginge grundsätzlich nicht brutal zu. Die Inquisitoren haben einiges an Fiesheiten im Gepäck, um die jeweils Angeschuldigten eindringlich zu befragen. Da wird aufgehängt, verbrannt und mit Nadeln gespickt, drumherum wird auch außerhalb der Hexenjagd gehauen und gestochen. Das scheint angesichts des Alters des Films eine Menge, kommt an die ausgebreiteten Darstellungen wie in beispielsweise „Hexen Bis Aufs Blut Gequält“ aber nicht heran. Die Schauspieler können durchweg überzeugen, allen voran natürlich Vincent Price als besessener Hexenjäger, der sich fast schon göttlich gibt und das Recht nach Gutdünken verteilt. Aber auch der noch junge Ian Ogilvy als heldenhafter Soldat kann glänzen. Selten hört man solch überzeugendes Gekreische wie bei den Darstellerinnen hier, die Schreien wirklich wie am Spieß. Dieser Hexenfilm enthält übrigens sehr viele Szenen mit Reiterei und vereinzelten Scharmützeln des Krieges. So ist die Anmutung gerade im Mittelteil etwas wie in Western aus der Zeit, gerade der pompöse Soundtrack trägt seinen Teil dazu bei, wenn der Held durch die Landschaft galoppiert, um seine Braut zu rächen. Die Atmosphäre ist stimmig, sowohl die Kostüme wie auch die mittelalterlichen Sets wirken authentisch. Besonders viel Mühe hat man sich angeblich bei der Darstellung der Inquisitionsriten gegeben und tatsächlich wirkt da nicht so viel aufgesetzt, wie in manch anderen Streifen. Die blutigen Einlagen bewegen sich, der Zeit entsprechend, auf technisch üblichem, also heute betrachtet einfachem, Niveau. Wer allerdings ausgedehnte, splatterige Folterungen sehen will, ist hier nicht ganz richtig, mit einer gewissen Härte kommt dieser schöne Film jedoch trotzdem rüber (insbesondere das Finale) und kann in seiner atmosphärischen Geschlossenheit überzeugen. Schade, dass der talentierte Regisseur Michael Reeves viel zu früh verstarb.

Fazit: Ganz klar einer der besten Inquisitionsfilme, der nicht halb so platt wie viele entsprechende Pendants daherkommt. 8/10 Punkten

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