iHaveCNit: Baby Driver (2017)
So manchmal gibt es Momente, in denen ein Film „Out of Nowhere“ sich irgendwie auftut und ins Rampenlicht traut. So geschehen bei Edgar Wrights neuem Film „Baby Driver“, von dem auch ich erst bei meiner klassischen „Trailer-im-Kino-Phase“ einen Trailer gesehen habe. Erst nur im Heimkino geplant, aber als sich die Kritiken überschlugen und Edgar Wright immer einen Blick wert ist – Man schaue sich nur seine „Cornetto-Trilogie“ und „Scott Pilgrim“ an, habe ich ihn auf meine Kinoplanung gesetzt, auch wenn er den undankbaren Runner-Up-Posten neben Christopher Nolans „Dunkirk“ einnehmen wird. Planungs- und auch wertungstechnisch, weil er zwar richtig gut ist, aber nicht der Überfilm geworden ist. Und das hat er auch nicht unbedingt nötig.
Irgendwie scheint er ein Fremdkörper in seiner Welt zu sein. Baby, stets mit Sonnenbrille und MP3-Player unterwegs, mit dem er durch die Musik den durch einen Autounfall verursachten Tinnitus überspielt, ist einer der besten Fluchtwagenfahrer in Atlanta und ist seinem Boss durch seine Perfektion immer wieder zu Aufträgen verpflichtet, in den der junge Kerl zwielichtigen Gangstern bei Banküberfallen unterstützen muss. Als er die junge Deborah kennenlernt und ein wichtiger Coup in der Unterwelt Atlantas platzt, ändert sich das routinierte Leben von Baby auf einen Schlag.
„La La Land trifft auf Drive“. Ein Film über einen Fluchtwagenfahrer, der mit dem Fund der großen Liebe aus dem Geschäft aussteigen will, sich die Ereignisse dann aber überschlagen. Edgar Wright, ein Meister der Kreativität in audiovisuellem Storytelling durch Schnitte, Kameraeinstellungen und Musik ist hier vollends in seinem Element und hat neben „Hot Fuzz“ seinen bisher besten Film in seiner Rolle als Regisseur hingelegt. Für die audiovisuelle Ausrichtung des Films nimmt der Film sich dem Soundtrack im Leben von Baby an, die alle in gewisser Art und Weise für ihn von Bedeutung sind, Songs, die wenn sie gespielt werden, egal ob ihre Dynamik, die Melodie, der Text – der Film profitiert davon und schafft dadurch die rythmischsten Actionszenen des Jahres ab und das Sounddesign dieser Sequenzen des Films ist grandios. Der Fokus auf Musik, eine Aussteigerstory, einen Heistmovie, einer Lovestory ist Fluch und Segen für den Film zugleich. Auch wenn Edgar Wright dem Genre seinen eigenen Stempel aufdrückt, so kann der Film leider nicht das Rad dieser Genre neu erfinden und klassische Klischees umfahren. Mit den klassischen naiven Sonderlingen, die sich auftun, um aus ihrem Schatten hervorzutreten hat Wright auch einen für ihn typischen Hauptprotagonistentypus gefunden, der in Form von der Dreifaltigkeit eines Simon Pegg in der Cornetto-Trilogie, Michael Cera in Scott Pilgrim und nun Ansel Elgort auf den Plan tritt. Ich habe Ansel Elgort nicht nennenswert nur in „Divergent“ in Erinnerung und „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ nicht gesehen, womit ich mit seinem Charakter trotz allem nicht so ganz mitfühlen kann und diese kleine Lovestory mit Lilly Collins ist mir ein wenig zu seicht gewesen, auch wenn sie die emotionale Triebfeder des Films sein soll. Cooler hingegen sind die Gangster, egal ob Kevin Spacey, Jamie Foxx, Jon Hamm, Jon Bernthal, Eiza Gonzalez, die zwar Klischeegangster, aber richtig fies sind. Aber der Film ist über weite Strecken unterhaltsam und wenn Wright genau das erzielen wollte, was er mit diesem Film auf die Strasse gebracht hat, dann kaufe ich ihm diesen Wagen ab und Baby darf ihn steuern.
„Baby Driver“ - My First Look – 9/10 Punkte.