Coolness durch Perfektion
Baby (Ansel Elgort) ist Fluchtwagenfahrer. Weil er aussieht wie ein hipper Highschool-Schüler, nimmt ihn niemand für voll, doch er ist der Beste seines Fachs. Ein Job fehlt Baby noch, dann hat er die Schulden bei seinem Boss (Kevin Spacey) abbezahlt. Dieser letzte Job, ein Überfall auf eine Postfiliale, gestaltet sich wegen der Chaotentruppe um Gangster "Bats" (Jamie Foxx) aber als schwieriger als gedacht...
Der britische Regisseur Edgar Wright (SHAUN OF THE DEAD, HOT FUZZ) betritt ungeahnte Pfade der Coolness. Die Story um das Fahrgenie, das eigentlich nur aus Liebe zum Autofahren und nicht aus krimineller Energie heraus in den Strudel des Verbrechens hineingezogen wird, sich in Debora (Lily James), die Bedienung eines American Diners, verliebt, dann Gewissensbisse bekommt und sein Leben umkrempeln will, wäre allein schon abendfüllend genug.
Doch BABY DRIVER ist nicht nur ein lässiger Actionthriller, sondern auch ein audiovisueller Festschmaus. Weil sie seinen Tinnitus überdeckt, hat Protagonist Baby permanent Musik auf den Lauschern, selbst bei Gangbesprechungen, was seine Partner immer wieder zur Weißglut treibt. Es ist genau diese Musik, die das Tempo und den Rhythmus des Film bestimmt. Musik und Handlung laufen synchron. Verschmelzen miteinander. Parallel dazu rasante Action. Und die sitzt. So perfekt getimet, dass man es manchmal kaum bemerkt. Dies paart sich mit langen One-Shot-Kamerafahrten. Da wird das Balancieren von Kaffeebechern beim Überqueren der Strasse zum Tanz und die Verfolgungsjagd zum Musikvideo. Coolness entsteht hier durch Perfektion. Durch perfekte Aufeinanderabstimmung. Wahrlich meisterlich.
Da hat Edgar Wright im Vergleich zu dem rhythmischen Eindreschen auf Zombieköpfe ordentlich zugelegt. Der Soundtrack ist eines der wichtigsten Elemente des Films. Da braucht man flotte Nummern. Diese liefern Bands wie Queen ("Brighton Rock"), Blur ("Intermission"), Barry White, The Jon Spencer Blues Explosion, T. Rex ("Deborah"). Sogar der Filmtitel ist ein Song. Von Simon and Garfunkel. Und das epische "Hocus Pocus" von Focus wirft endlich den Schatten der Nike-Werbung ab. Die Musik spielt hier die Musik und der Soundtrack ist erste Sahne. Auf dem Lässigkeitslevel ganz weit oben und im Regal neben dem "Awesome Mix Vol. 1" und dem PULP-FICTION-Soundtrack einzuordnen. Für die Filmmusik verantwortlich war außerdem Oscarpreisträger Steve Price (GRAVITY).
Wer jetzt denkt, das klingt nach einer Teenie-Version von DRIVE, liegt richtig und falsch zugleich. BABY DRIVER ist mehr als das. Die ausgedehnten Verfolgungsjagden erinnert an die großen "Heist-Movies" ("Raubüberfallfilme") wie THE ITALIAN JOB, FRENCH CONNECTION und HEAT. Außerdem ist BABY DRIVER voller starker Charaktere gespielt von fabelhaften Darstellern, allen voran Kevin Spacey (AMERICAN BEAUTY, DIE ÜBLICHEN VERDÄCHTIGEN) als unterkühlter Gangsterboss und Jamie Foxx (DJANGO UNCHAINED, COLLATERAL) als möchtegerncooler "Rappergangster".
Dem 23-jährigen Ansel Elgort (DIE BESTIMMUNG, DAS SCHICKSAL IST EIN MIESER VERRÄTER) steht die Rolle des jugendlichen Fluchtwagenfahrers wie angegossen. Sein stilles, zurückhaltendes Auftreten, ja, es erinnert an Gosling in DRIVE, wirkt aber jünger und lebensfroher. Den hübschen "Sad Boy" sollte man sich jedenfalls merken.
In weiteren Rollen: Jon Hamm (THE TOWN, MADMEN), Lily James (STOLZ UND VORURTEIL & ZOMBIES, CINDERELLA) und Flea, der Bassist der Red Hot Chili Peppers. In einer Mini-Nebenrolle: Sky Ferreira (GREEN INFERNO, TWIN PEAKS [Staffel 3]). Sie steuert einen Song bei, ihre Version des Commodores-Hits "Easy".
Ipod, Ray-Ban und einen lässigen Soundtrack – mehr braucht man nicht für das kurzweilige Filmvergnügen, wobei BABY DRIVER deutlich darüber hinausgeht und auch die Zweitsichtung lohnt. Allein schon wegen den unentdeckt gebliebenen Verschmelzungen von Action und Sound.
Fazit:
Supercool!