Rund zwanzig Jahre trug Regisseur Edgar Wright („Shaun of the Dead“) die Idee für vorliegendes Herzensprojekt mit sich herum. Eine Art „Bonnie und Clyde“ in Form eines überlangen Musikclips, der zwischen Heist-Movie, Romanze und PS-Action pendelt.
Der junge Baby (Ansel Elgort) arbeitet seine Schulden beim Ganoven Doc (Kevin Spacey) als Fluchtwagenfahrer ab. Als er sich in die Kellnerin Debora (Lily James) verguckt, steht ein letzter Auftrag an, der vermeintlich letzte…
Wright gibt sogleich Vollgas und bringt Rhythmus ins Geschehen, denn der erste von insgesamt 43 im Abspann aufgelisteten Songs lässt nicht lange auf sich warten, während die Hauptfigur taktvoll den Fluchtwagen steuert, um im Anschluss lässig und ebenso beschwingt durch die Straßen von Atlanta zu tänzeln. Baby mit entsprechendem Babyface wirkt ein wenig autistisch und in sich gekehrt, sobald er mit dem Fuß am Gaspedal hantiert, kann er hingegen Dampf ablassen.
Dass Wright ein Kind der Achtziger und Neunziger ist, offenbart nicht nur die eigensinnige Musikauswahl, sondern die Tatsache, dass jemand seine Mixe noch auf Leerkassette aufnimmt und statt Smartphone gleich mehrere I-Pods für entsprechende Stimmungen parat hält. Leider trifft nicht jeder Song die emotionale Tonlage der Geschichte, andere sind wiederum audio-visuelle Maßanfertigungen mit wunderbar geschliffenen Schnitten.
Demgegenüber kommt die flott erzählte Story nur bedingt mit, denn es gibt viele Klischeefiguren, wie den von Jamie Foxx verkörperten Psychopathen oder die Gangster-Latina, die nur aufs Äußere reduziert wird. Ein Highlight ist demgegenüber das Zusammenspiel zwischen Baby und seinem taubstummen Pflegevater Joseph (CJ Jones), welches beispielhaft für das Miteinander der gut aufgelegten Mimen ist. Auch die Chemie zwischen Elgort und James ist toll, wobei die Anteile der Romanze deutlich auf ein eher junges Publikum zugeschnitten sind.
Etwas reifer geht es während der Action zu, denn diese bleibt trotz einiger Turbulenzen mit unterschiedlichen Modellen auf vier Rädern weitgehend bodenständig, während es zwischendurch zu einigen Gewaltspitzen in Form blutiger Shootouts kommt.
Gegen Ende wirkt die Chose allerdings reichlich überladen und driftet beinahe ins Comichafte ab und auch das weichgespülte Ende ist wohl eher ein Zugeständnis an die breite Masse des Publikums.
Dennoch ein kurzweiliger Popcornfilm ohne sonderlichen Tiefgang oder überraschende Wendungen, der in der ersten Hälfte sehr viel Laune bereitet, in der zweiten jedoch ein wenig das Konzept beiseite wirft, um die ohnehin recht dünne Story überkonstruiert auszudehnen.
Viel Musik, ein gesundes Maß an Action und spielfreudige Mimen kaschieren ein paar dieser Mankos.
7 von 10