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Taxi Driver > Drive > Baby Driver

Wann immer Doc (Kevin Spacey) anruft, muss Baby (Ansel Elgort) kuschen. Baby macht, was er am besten kann: Er fährt den Fluchtwagen nach einen Raubüberfall in Sicherheit. Das ist ihm zuwider, aber eine alte Schuld zwingt ihn dazu, mit einer wechselnden Riege Ganoven zu verkehren. Baby ist cool und verschwiegen, seine Ohren sind immer in einen iPod gestöpselt. Er leidet unter Tinitus, weshalb er ständige Hintergrundmusik braucht. Als Baby eines Tages Deborah (Lily James) in einem Diner trifft, tut sich ihm eine neue Welt auf. Er will ein neues Leben beginnen, fernab vom Verbrechen. Das ist gar nicht so einfach, muss Baby sich doch mit den Launen des impulsiven Bats’ (Jamie Foxx) herumschlagen. Und auch das Ganster-Paar Buddy (Jon Hamm) und Darling (Eiza González) lässt sich nicht so leicht abschütteln.

Baby Driver (2017) beginnt mit einer der geilsten Actionsszenen der letzten Jahre. Ein roter Subaru entflieht der Polizei, Baby drückt aufs Gaspedal, tritt auf die Bremsklötze, schlittert nach links und rechts. Eine erratische, perfekt inszenierte Verfolgungsjagd, untermalt von »Bellbottoms« der Jon Spencer Blues Explosion. Nach diesem Intro kann man nur noch kopfschüttelnd »Wow!« zischeln. Schade nur, dass Edgar Wright (Scott Pilgrim vs. the World) danach nicht an dieses enorme Set-Piece anknüpfen kann. Was folgt, ist ein flott inszeniertes Gangster-Drama mit stark parodistischen Zügen, das sich aber letztlich doch zu ernst nimmt.

In den Actionszenen glänzt dieser Film. Die Dialoge aber wirken hölzern, eher schlecht als recht tarantinoesk. Wright legt ein derart hohes Tempo an den Tag, dass die Figuren nicht viel mehr als Versatzstücke sein können. Hinzu kommt, dass der Plot doch sehr vorhersehbar ist. Edgar Wright erzwingt Spannung mit seiner überzeichneten Inszenierung, das Skript selbst vermag sie nicht zu liefern. Und ja: Inszeniert ist dieser Action-Kracher grandios. Wright ordnet alles dem übercoolen Soundtrack unter; Pistolenschüsse und Bewegungen erfolgen im Beat der Musik. Aber leider, leider, leider hat sich dieses Gimmick nach gut einer Stunde abgenutzt. Letztlich müssen wir uns doch mit einer Geschichte abgeben, die papierdünn ist.

Die Romanze zwischen Baby und Deborah ist irgendwie süss, bleibt aber nicht in Erinnerung. Jamie Foxx als Bats ist herrlich abgedreht, aber eher eine Karikatur als ein Mensch. Und was zur Hölle macht Kevin Spacey?! Seine Charakterentwicklung ergibt nullkommanull Sinn! Zumal dem Publikum nie so richtig erklärt wird, in welcher Beziehung er und Baby stehen. Auch witzig ist Baby Driver kaum. (Grosse Ausnahme: Die Michael-Myers-Szene!) Wenn Wright hier tatsächlich nur überzeichnete Action bieten will, ist ihm das gelungen. Aber von einem Regisseur wie ihm darf man mehr erwarten. Man darf erwarten, dass seine dramatische Sensibilität zumindest ein bisschen in Richtung Taxi Driver (1976) oder wenigstens Drive (2011) geht. In Wrights Händen verkommt der schweigsame Protagonist zu einem blossen Werkzeug, Coolness zu repräsentieren. Das ist wenig. Zu wenig.

Wenn man vom musikalischen Gimmick absieht, bleibt der Stil des Films zudem seltsam bieder. In Scott Pilgrim etwa ist viel mehr Leben drin. Interessant ist allenfalls, dass Baby oft die eigentlichen Raubüberfälle visuell und auditiv ver- und überdeckt. Abgesehen davon ist hier nicht viel Inspiration zu erkennen.

Die Montage im Gefängnis, während der Nebencharaktere die guten Taten Babys aufzählen, ist plump, fast kitschig. Spätestens an dieser Stelle möchte man den Film augenrollend ausstellen. Schade! Denn in Baby Driver steckt grundsolide, launige Action. Wer daran Freude hat, wird auch Freude an diesem Film haben. Trotzdem kann man sich des Gedankens nicht erwehren, dass Edgar Wright hier sein Können auf spektakuläre Weise aus dem Fenster raus geworfen hat.

5/10

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