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Die Ritter der Schwafelrunde


Nachdem Guy Ritchie mit „The Man From U.N.C.L.E.“ ein paar Jahrzehnte zurücksprang, seinem Stil aber elegant-rasant treu blieb trotz Hollywood und Riesenbudget, sprang er mit dieser fantastischen und bombastischen Version der Arthussaga noch viel weiter in die Vergangenheit - doch selbst im Mittelalter bleibt Ritchie eben Ritchie. Und es funktioniert und gibt der ollen Kamelle eine echte Frischzellenkur zwischen „Snatch“, „Excalibur“ und „Herr der Ringe“. Sogar "God of War"-Vibes sind unverleumdbar. Erzählt wird von Arthur, der im jungen London von Prostituierten ohne Wissen über seine Heritage heranwächst. Bis er eines Tages am berühmten Schwert im Stein zieht und überrascht seinem Erbe entgegentritt - inklusive dem mächtigen Bösewicht Vortigern, dem drakonischen und gefürchteten König des Landes…

Nachdem Ritchie schon Sherlock Holmes mit seinem frech-britischen Stil auf die modernen Sprünge geholfen hat, mit sehr beachtlichem Erfolg, sollte das doch auch mit König Arthus möglich sein, oder? Das dachten sich wohl die Produzenten - pokerten dann mit dem heftigen Budget und Ritchie als Zugpferd etwas zu hoch, ein Sequel kam bis heute nicht und wird's wohl auch nicht mehr geben. Auch ich war nicht allzu heiß auf Ritchies „Bube Magierin König Gras“, doch nachdem er mich jüngst mit „The Gentlemen“ und „Wrath of Man“ wieder vollkommen abgeholt und sich mehr als rehabilitiert hat, wollte ich auch „Legend of the Sword“ nicht länger links liegen lassen. Ritchie hat sich und seine Filmart trotz Madonna, Millionen und ins Land gezogenen Jahrzehnten kaum verändert - und irgendwie feiere ich das mittlerweile mehr denn je. Auch sein „King Arthur“ kann Fans dieser/seiner Art vollkommen überzeugen. Scharfzüngig. Frech. Allein das Intro ist episch pur. Hunnam ist mächtig prächtig. Die gesamte Besetzung ist edel. Jude Law als Bösewicht sticht schön fies heraus. Der Fantasyanstrich tut der alten Geschichte gut, es gibt Riesenelefanten, Monster und massig Magie. Die Effekte sind meist erstklassig, das Tempo wie zu erwarten waghalsig (trotz Hänger in der Mitte), der Score trommelt und pusht gut nach vorn. Manchmal hat man deutlich das Gefühl, dass hier auch eine dreistündige Version drin gewesen wäre. Manchmal geht Ritchies „Coolness“ auf die Nerven. Aber das hält sich arg in Grenzen. Und David Beckham eine Sprechrollen zu geben ist eigenwillig aber auch irgendwie ballsy. Klar besser als die 2004er-Version in meinem Kopf. Aber die muss ich auch nochmal gucken…

Fazit: stylisch, pfeilschnell, cool. Selbst wenn die ersten fünfzehn Minuten nicht mehr erreicht werden und man den Ausgang trotz neuer Lackierung doch kennt. Mal eine andere, sehr moderne Herangehensweise an die Arthussage. Zwischen Videospiel und Legende, zwischen „300“ und „Game of Thrones“. Alles garniert mit dem typischen Ritchie-Chuzpe. 

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