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So richtig weg war er nicht, eher ein wenig sich rar machend im Auftritt, so dass sich die Ankündigung Kill 'Em All anfühlt wie die 'Rückkehr' zu einem Genre, dass in der Gegenwart nicht den besten Ruf hat und immer noch stark von der vergangenen Tradition und den (alt gewordenen) Recken um wie hier Van Damme, Lundgren und Seagal, in herunterstufender Qualität übrigens zehrt. Eine nach der Proklamation willkommen aufgenommene 'Rückkehr' übrigens, die mal ausnahmsweise nicht in der Reihung der sonstig aktuelleren Filmographie aus dem Weiterführen oder Neuauflegen früherer Erfolge wie Kickboxer und Universal Soldier steht, sondern selbständiges Programm ist und auch fern von der zuletzt angestrebten Komödisierung der eigenen Person und der teils überhand nehmenden Selbstironie:

Nach einem Attentat auf einen hochrangigen serbischen Politiker auf amerikanischen Boden wird Jener mitsamt mehreren anderen Leicht- und Schwerverletzten in die Notaufnahme eines (ansonsten geräumten) Krankenhauses gebracht. Die dort anwesende Schwester Suzanne [ Autumn Reeser ] kümmert sich u.a. um den am Hinterkopf angeschlagenen Philip [ Jean-Claude Van Damme ], der sich beim Eintreffen der Killereinheit um Radovan [ Daniel Bernhardt ], Klaus [ Paul Sampson ], Dusan [ Kris Van Damme ], Almira [ Mila Kaladjurdjevic ] und Ivan [ Peter Organ ] recht besorgt erweist und sich trotz seines Angeschlagenseins nach dem Weg zum Politiker fragt. Dieser verlangt währenddessen dringend nach dem Verbleib seiner Bodyguards.

Gutes archaisches Actionkino also, könnte man denken, bzw. deren Abart in der B-Finanzierung und der entsprechenden Distribution, die seit etwa 15 Jahren eben nicht mehr auf der Leinwand erfolgt, sondern (wenn überhaupt noch vor Ort vorhanden) in der lokalen Videothek oder auf dem Sektor der digitalen Veröffentlichung gegen kleinen Leih-Obolus zu finden ist. Van Damme ist dabei noch der mit dem besten Ruf, der mit der erfolgreichsten Karriere, mit den heiß geliebtesten Kindheits- und Jugenderinnerungen und der tatsächlich bis heute vorhandenen Solidität, was durch das Finden und Nutzen entsprechender Regisseure wie das Hyams-Gespann, Fellows und Barbarash mit bedingt wurde, und durch eine gewisse Altersweisheit, die mittlerweile auch fließende Übergänge in das Action-Drama zulässt.

Hiesig wird theoretisch auch entsprechendes Material in routinierter, zeit- und wertebeständiger Optik ohne vielerlei Mätzchen und Schnickschnack anvisiert, wobei als Regisseur mit dem schon erfahrenen, allerdings bislang nicht aufgefallenen Stuntcoordinaten und Kampfchoreographen Peter Malota ein langjähriger Wegbegleiter die erstmalige Patronanz in der Inszenierung anführt. Und eigentlich ahnt man schon beim Vorspann, der in der Vorwegnahme von Kommenden aufgeteilt ist, warum Malota keinen bekannten oder gar vielversprechenden Namen hat und dass dieses Experiment so richtig gut nicht ausgeht.
 
Denn Malota bekommt die dünne, aber aufgeplusterte Geschichte nicht in den Griff; im Grunde ein typischer Genreplot, der sich, wenn man dies denn auch aus dem Genre und der speziellen DTV-Herkunft der letzten Jahre heraus betrachten möchte, zu Teilen aus Game of Death (2010) und Killing Salazar (2016) ergibt. Von dem einen das Setting, das sich Stellen müssen gegen eine Übermacht im Krankenhaus, durch dessen Etagen und Räume sich einzeln durchgekämpft wird, als die Vergangenheit einen heimsucht und kein anderer Ausweg mehr möglich ist. Und aus dem anderen die Erzählweise, in dem eigentlich nachträglich, aber fern der Chronologie immer mittendrin in das Geschehen hineingeschnitten eine Befragung der Obrigkeit [ verkörpert durch die FBI Agenten Peter Stormare & Maria Chonchita Alonso ] über das stattgefundene Intermezzo betrachtet wird. Die im besten Falle vielleicht noch einige Überraschungen und Klarheiten zu Tage fördert, in den meisten Szenen allerdings nur Füll- und Restematerial für den Schneideraum und so nötig wie ein Kropf ist.

Hier selber ist es eigentlich nur ein großes Durcheinander, dass der Regisseur als Neuling nicht zu packen bekommt und wo sich aus den ganzen verschiedenen Zeitebenen kein schlüssiges Miteinander, nur ein Kaleidoskop verschiedener Momente über fast vierzig Jahre übrigens ergibt. Zum Glück sind die diversen Rückblenden auf mal 1999, mal 2004, dann gar 1981 und dies in aller Herren Länder zumindest in der meisten Absicht als Actionszenen platziert, wird bspw. die gesamte antretende Killertruppe einzeln mit einem als möglichst spektakulär gedachten Einsatz (dem Durchschlagen durch ein Ostblockterrain durch herannahende gegnerische Horden, das Ausschalten eines Kombattanten im Hotelflur, ein Attentat als Stripperin verkleidet, die den 'kleinen Tod' in anderer Art und Weise als eventuell gedacht bringt) vorgestellt; was bei besserer Choreographie und Interesse an den Figuren überhaupt durchaus eine Möglichkeit wär’. Nur leider in den meisten Einstellungen eine zähe Enttäuschung und dann bald von Überdruss, da von Altbackenheit, Einfallslosigkeit und bloß more of the same geprägt und geplagt ist.

Demnach: In der Befragung, der Rekapitulation der öden und preiswerten Gewaltplotte trotz der dort vorhandenen Darsteller wie eben Stormare und Alonso schlichtweg anstrengendes, erstaunlich miserabel gespieltes Laientheater, dass keinen Zweck außer der Streckung hat und Nichts und Niemand voranbringt. Und in dem tatsächlichen Klinikmassaker eine unnötige Ausdehnung von Zeit und Raum, die die Bedrohung immer wieder auflöst, wobei weder die Montage der durchaus zahlreichen Schießereien und Kampfaktionen noch die vorherige Formation der 'Bewegungen' gegen- und miteinander am Überzeugen ist und das Zusammenspiel beider erst Recht nicht. Van Damme selber ist hier wie zuletzt öfters gesehen schon von Beginn an schwer angeschlagen, blutend und verschwitzt, mit Erinnerungslücken geplagt und körperlich versehrt, mit blutunterlaufenen Augen und erschöpften Muskeln bereits vom Einstieg an; quasi der kranke Mann von Brüssel, was man schon beim (wesentlich besseren) Until Death nicht wollte und beim (ebenso positiver abschneidenden) Pound of Flesh auch nicht.

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