Es macht sich bezahlt im Training zu bleiben, denn hinsichtlich der Fitness von Jean-Claude van Damme muss man sich absolut keine Gedanken machen. Allerdings hätte Mr Muscles from Brussels mal wieder ein besseres Drehbuch und einen versierten Actionregisseur verdient, denn „Kill'em All“ macht seinem Titel nur bedingt Ehre.
Krankenschwester Suzanne (Autumn Reeser) kümmert sich im Krankenhaus um den frisch eingetroffenen Patienten Phillip (van Damme), welcher kurz darauf von bewaffneten Gangstern durch das Gebäude gejagt wird…
Ungewöhnlich, van Damme gleich in der Einstiegsszene bluten zu sehen, denn früher floss das Blut selten vor dem Endkampf. Die Geschichte wird nicht komplett chronologisch erzählt, was sich als deutlichstes Manko herausstellt. Hier mal ein Rückblick ins zerrüttete Jugoslawien Ende der Achtziger, dann ein Sprung zur Rahmenhandlung, in der Suzanne im Verhör beim FBI (u.a. Peter Stormare) die Begebenheiten im Krankenhaus erzählt und selbst einzelne Bösewichte werden mit kleinen Hintergrundgeschichten eingeführt, was immerhin jeweils ein wenig Action beinhaltet. Durch die ständigen Zeitsprünge wird der Drive immer wieder ausgebremst, im letzten Drittel sorgen ein paar Flashbacks gar für unnötigen Pathos.
Dabei hätte sich Regiedebütant Peter Malota (seines Zeichens Fight Coordinator und Stuntman, der in früheren van Damme Filmen mitwirkte) lediglich auf die Action verlassen können, da die Fights ganz okay choreographiert sind und van Damme eben noch recht beweglich ist, auch wenn seine Figur von Vornherein mit einer Gehirnerschütterung zu kämpfen hat. In diesem Kontext ist es eher schade, dass der Kampf zwischen ihm und Daniel Bernhardt, die hier erstmals gemeinsam vor der Kamera agieren, nicht ausgiebiger ausfällt.
Ansonsten gibt die Story nicht allzu viel her. Im Kern geht es um Rache und Vergeltung, um Flucht und um verschiedene Sichtweisen einer Aussage beim FBI, was zuletzt noch einen leichten Twist mit sich bringt. Auch insofern wäre noch mehr Raum für Action gewesen, denn obgleich sich fast alles in den Räumlichkeiten des Hospitals abspielt, werden diese ganz ordentlich genutzt und mal abgesehen von den vielen unnötigen Rückblenden ist ein passables Tempo auszumachen.
Blut fließt indes nicht allzu viel, neben einigen Kopfschüssen wird eher wenig Härte geboten, wogegen der Humor deutlich zu kurz kommt. Van Damme, der hier in den wenigen ruhigen Szenen solide performt, hätte der eine oder andere selbstironische Spruch, etwa wie in „JVCD“ bestimmt gut getan, was auch zu der latent angeschlagenen Figur gepasst hätte.
Mit einigen Abstrichen bekommt der Fan passable Action geboten, allerdings birgt die Story selten spannende Momente und größere Kniffe sind beileibe nicht auszumachen. Van Damme wirkt fit und gut trainiert, auch seine Kontrahenten verkaufen sich ordentlich und selbst ein Stormare holt noch relativ viel aus der undankbaren Rolle des fragenden FBI-Mannes heraus.
Für eine Sichtung okay, für mehr wird letztlich zu wenig geboten.
Knapp
6 von 10