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Zehn Jahre nach dem Tod von John Kramer ereignet sich erneut eine Mordserie, die dessen Handschrift zu tragen scheint: Ein flüchtiger Verbrecher löst per Fernbedienung den Countdown zu sogenannten "Spielen" aus, in deren Folge eine grausam entstellte Leiche nach der anderen entdeckt wird. Die ermittelnden Kommissare und Gerichtsmediziner, diesmal mit dem gesamten Spektrum moderner Polizeiarbeit (DNA-Tests, Scharfschützen, Internet-Recherche, Laser etc.) ausgestattet, finden bald heraus, daß Kramer einen Nachahmer haben muß, der hier ein grausames Jubiläum zelebriert. Oder lebt John Kramer doch noch, wie die DNA-Spuren eindeutig beweisen?

Das von 2004 bis 2010 regelmäßig erschienene Horror-Franchise Saw, welches am Ende immer mehr von seiner Substanz aufgezehrt hatte und dessen Abnutzungserscheinungen in Sachen Kreativität schließlich auch die Produzenten dazu bewog, die finanziell äußerst erfolgreiche Serie zu beenden, geht also 7 Jahre nach dem 7. und letzten Teil doch nochmal weiter. Man durfte gespannt sein, ob in der langen Zeit neue Ideen gefunden wurden, die an diesen 7. Teil anknüpfen oder ob etwas gänzlich Neues erdacht wurde, um die ursprüngliche Idee des aus eigenem Antrieb und von eigenen Gnaden strafenden Architekten Kramer wieder aufleben zu lassen. Um es kurz zu machen: Keines von beiden. Stattdessen lässt man nach mehr oder weniger willkürlichen 10 Jahren den titelgebenden Meister Jigsaw ohne weitere Erklärung einfach wieder auferstehen mit einer neuen Kandidaten-"Testrunde", wie man sie schon so oft zuvor gesehen hat: Blutig aber uninspiriert. Drum herum hat man ein paar beliebige Figuren aufgebaut, die den Fall lösen sollen, anscheinend auch irgendwie in ihn verwickelt sind, mit Kramer selbst allerdings nichts zu tun haben und auch in der späteren Auflösung bestenfalls eine nicht näher definierte Nachahmerrolle spielen.

Von diesen Charaktären vermag kein einziger auch nur annähernd Sympathie zu erzeugen, weder der Detective noch der Gerichtsmediziner und auch nicht die stylish tätowierte rothaarige Assistentin, die zuhause heimlich eine Art Sado-Maso-Studio errichtet hat, in welchem sie - neben ihrer Arbeit - einfach mal so die Fallen Jigsaws nachgebaut hat. So ein Hobby haben eigentlich eher Männer, diesmal ist also eine Frau von den umgekehrten Bärenfallen etc. fasziniert. Naja, wem das auch immer plausibel erscheinen mag...

Dass Tobin Bell, den man gegen Ende des Films auch zu sehen bekommt, inzwischen nicht jünger geworden ist, ist eine Tatsache, aber hier präsentiert er sich als gebrechlicher alter Mann, der in der letzten Prüfung die übrig gebliebenen beiden Kandidaten selbst instruiert und dann einfach abtritt. Eine Erklärung für seine Wiederauferstehung gibt es genausowenig wie einen Anknüpfungspunkt an die bereits erschienenen Teile der Serie. Dazu kommt, daß Jigsaw entgegen seiner bisher bekannten Gepflogenheiten die stets äußerst knapp und emotionslos vorgetragenen Tonband- und Video-Anweisungen für die Kandidaten (ein wichtiges und stilbildendes Mittel der Saw-Reihe) diesmal ausführlich beschreibt - er ist fast schon geschwätzig geworden. Was dem geneigten Saw-Fan auch fehlt, sind die meist künstlich erleuchteten alten (Fabrik-)hallen und Keller - hier ist dagegen alles bestens ausgeleuchtet. Dies kommt zwar der Bildqualität insgesamt zugute, die in manchen bisherigen Teilen durch die schlechte Beleuchtung gelitten hat, kostet diesen 8. Teil jedoch einen Großteil der gruseligen Atmosphäre. Spannung vermag übrigens zu keinem Zeitpunkt aufkommen - obwohl die Effekte teilweise wieder äußerst blutig sind, kommen sie allerdings deutlich weniger selbstzweckhaft rüber als beispielsweise zerhäckselte Schweinehälften oder schädelzerschmetternde Eisblöcke - aber gerade dies war eines der Alleinstellungsmerkmal der Saw-Reihe. Im Vergleich dazu kosten die im 2017er Franchise in einem Getreidesilo herunterfallenden Heugabeln und Sägeblätter den geneigten Zuseher nur ein müdes Lächeln. Man vergleiche auch einmal die Schlußgags mit der Halskrause: In Teil 3 waren dies noch Schrotpatronen, jetzt sind es Laserstrahlen. Gähn...

Dadurch, daß storytechnisch leider so ziemlich jede Anknüpfung an frühere Teile fehlt, kommt die ganze Angelegenheit trotz einiger blutiger Szenen eher blutleer daher. Und weil Jigsaw genauso schnell verschwindet wie er erschienen ist, stehen die Chancen auf ein weitere Fortsetzung, in der diesbezüglich irgendetwas ge- und erklärt wird, leider durchaus nicht schlecht. Weil aber die Spiele, diesmal auf einem einsamen Bauernhof abgehalten, nicht gerade sonderlich innovativ waren (bei der Spirale am Motorrad muß man schon sehr genau hinschauen oder die Szene mehrfach anschauen, um den Mechanismus zu kapieren), die Ermittler und Beteiligten ziemlich austauschbar waren und der gealterte Jigsaw nur einen redseligen, aber keineswegs spannungsfördernden Kurzauftritt hatte, kann ich auf weitere Sequels gerne verzichten. Ohne Bezugnahme auf die Saw-Reihe wäre es ein durchschnittlicher, blutiger Thriller mit mittlerer Wertung, als weiteres Ausschlachten einer einstmals innovativen Idee ist dieser insgesamt 8. Teil wohl der schwächste von allen und gerade mal 3 Punkte wert.

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