Die Funde mehrerer Leichen führen die ermittelnden Beamten nach und nach auf die Spur des nun quasi-legendären "Jigsaw"-Killers John Kramer, der, obwohl schon seit zehn Jahren tot, irgendwie in die aktuelle Mord-Serie verstrickt zu sein scheint, während (?) anderswo eine Gruppe von entführten Personen sich auf einer abgelegenen Farm durch eine ganze Reihe von Fallen wurschteln muss, ohne dabei in Stücke gesägt zu werden. Obwohl einem mit dem siebten Teil die "Vollendung" versprochen wurde (Pustekuchen) findet "Jigsaw" nach der mehrjährigen Pause als Sequel/Reboot doch noch Ansatzpunkte, um die Serien-interne Storyline im bislang gesetzten Rahmen "plausibel" fortzuführen, worauf man hier aber ohne rigorose Spoiler nicht eingehen kann. Als Fazit sei darum nur vorweggenommen, dass er nicht schlechter ist als irgendeine der anderen Fortsetzungen, und wer die mochte, wird auch den hier mögen. Seine Reminiszenzen und dezent nostalgischen Verweise auf die Vorgänger zeigt er dabei auf eine ganz charmante Art her, es gibt wieder ein abgetrenntes Bein, die Säge, die Schweine-Maske und "Hello, Zepp", ohne dem Publikum die Insider-Gags mit dem Vorschlaghammer einzuprügeln. Was die Ausgestaltung der Todesfallen angeht, legen die Macher immer noch einen bemerkenswerten Einfallsreichtum an den Tag, wobei man sich bei den Resultaten mit den ganz groben Detail-Aufnahmen allerdings zurückhält, was die Chose insgesamt etwas weniger heftig als einige der bisherigen Fortsetzungen macht... er ist vor allen Dingen nicht so viehisch brutal und huren-hart wie Teil 7, wo einem das Gekröse in 3D um die Ohren geflogen ist. Was sich hingegen gewandelt hat, ist der allgemeine Look, denn die Optik ist aufgrund der häufigeren Außen-Aufnahmen bei Tageslicht nun nicht mehr ganz so düster, das alles ist weniger klaustrophobisch und "offener", und vermittelt damit mehr Kino-Feeling als Kammerspiel-Atmo. Das Brüderpaar Spierig hat sich inszenatorisch seit seinem öden Low Budget-Zombiefilm-Debüt "Undead" jedenfalls ganz schön gemacht, dass man ihnen diesen Wiedereinstieg in die "Saw"-Franchise überantwortet hat (vermutlich nach Ansicht von deren chronologisch durchgepuzzeltem Science-Fiction-Highlight "Predestination"!), war von Seiten der Produzenten sicherlich keine Fehlentscheidung. Was ich aber ein wenig vermisst habe, waren die hübsch ausgetüftelten Szenen-Übergänge, die für mich irgendwie auch ein Markenzeichen der Reihe waren, abgesehen davon ist der Streifen aber formal sehr gelungen und vor allen Dingen auch gut montiert, so dass man keine Probleme hat, sich innerhalb der vielen Wechsel zwischen den verschiedenen Zeit- und Handlungs-Ebenen zu orientieren und zumindest im Nachhinein alles korrekt zuzuordnen. Das ist ja auch keine Selbstverständlichkeit, man halte sich mal ein Schnitt-Fiasko wie "Schneemann" (bei dem einem so mancher Flashback-Einschub völlig sinnbefreit und mit der Brechstange reingedrückt scheint) zum Vergleich dagegen. Dass man Tobin Bell als Aushängeschild der Reihe wieder 'ne Szene spendiert hat, obwohl John Kramer schon im dritten Teil das Zeitliche gesegnet hat, ist unproblematisch, weil zum einen die Figur "Jigsaw" halt immer noch vielschichtiger und interessanter als der übliche Horrorfilm-Böswatz ist (und von Bell zudem erneut auf den Punkt gespielt wird), und zum anderen Bell in den letzten Jahren offenbar um keinen Tag gealtert ist. Die können bestimmt noch zehn Filme mit dem drehen... wogegen ich ehrlich gesagt auch nichts einzuwenden hätte. Harte "Saw"-Fans dürften hieran nicht wirklich etwas zu bekritteln haben, ob es "Jigsaw" allerdings schafft, die mittlerweile leicht antiquiert anmutende Torture Porn-Masche mit all ihren Twists und Turns zu entstauben und sie einem "normalen" Publikum wie zu ihren populären Hochzeiten eine Dekade zuvor erneut anzudrehen, bleibt abzuwarten. Mich hat er jedenfalls wieder abgeholt und mit schierer Fabulierkunst aufs Glatteis geführt... was dem 2021er-Sequel/Spin-Off "Spiral" ja definitiv nicht gelungen ist...
7/10