Staffel 1
Seid gut zueinander
"This Is Us" hat mich in der ersten Folge mehr zum Weinen gebracht als andere Serien in ihrer kompletten Laufzeit. Und es wurde eher noch mehr im Laufe der fantastischen 18 Folgen der ersten Staffel... Wir folgen der Familie Pearson oder kurz gesagt: dem Leben selbst. Einem kleinen Ausschnitt von diesem, der sich immer weiter vertieft, ausbreitet, intensiviert. Zu viel will man über dieses meisterliche Familiendrama gar nicht verraten. Doch selten hat es eine Serie blitzartiger zu meinen Favoriten geschafft. Nicht nur des Jahres, sondern aller Zeiten. "This Is Us" ist unfassbar gut. Wie ein beruhigender Mix aus "Magnolia" und "Six Feet Under", bei dem man zwar keine Zuckerallergie haben sollte (sprich: es kann für manche Geschmäcker kitschig werden), der mich jedoch ab Sekunde eins abgeholt, gepackt, durchgewrungen und verändert hat. "This Is Us" hat fast therapeutische Wirkung und ist in einer düsteren, unübersichtlichen und nicht selten sogar bösartigen Zeit ein Ruhepol, ein vorbildliches Beispiel, ein Leitfaden und ganz nebenbei süchtigmachend-gute Unterhaltung.
Man könnte bemängeln, dass das familiäre (Melo)Drama, die teils überhöhten Dialoge und das nahezu ausschließlich positive Handeln der (gut stituierten) Figuren in der Serie wortwörtlich zu viel des Guten sein könnten - doch ich habe wohl noch nie eine TV-Familie schneller ins Herz geschlossen. Bei mir wurden ausschließlich die richtigen Strippen gezogen. Ich muss aufpassen, dass ich mich vor Lob nicht überschlage. Dieser bunte Ausschnitt des Lebens, mitsamt ansteckenden Höhen und niederschmetternden Tiefen, hat etwas Überwältigendes. Da lässt man den süßen Kitsch ganz entspannt in sein Herz laufen. Egal aus welcher Gesellschaftsschicht man kommt. Das muss einfach mal sein. Sogar eine unbestreitbare emotionale Manipulation stieß mir nie übel auf. Anlass zur Kritik sauge ich mir keinen aus den Fingern. Und ich kann Staffel 2 kaum noch erwarten. Von einer der perfektesten Pilotfolgen, die ich je gesehen habe, bis hin zu einem Lust auf Mehr machenden Finale spricht hier nicht Wenig für eine der komplettesten Serien dieses Jahrzents. In den Staaten schon ein Überhit - es wird Zeit, dass auch der Rest der Welt "This Is Us" entdeckt. Es wird ihr guttun.
Es gibt in "This Is Us" keine wirklichen Gegenspieler oder pur bösen Menschen. Nur das leben mitsamt seinen Prüfungen und Wirren. Das kann man unrealistisch und schmalzig und konzentriert nennen - doch wenn man das Gesamtpaket betrachtet, würden zu diesem Entschluss nur die zynischsten und pessimistischsten Gucker kommen. "This Is Us" ist konzentrierte Hoffnung. Von geschickt eingeflochtenen Zeitsprüngen, die Wendungen, Erwartungen und Cliffhanger vorbereiten, bis hin zu einer exzellenten Darstellerriege sitzt das Geniale hier an jeder Ecke sowie im Detail. (Oft gecoverte) Lieder verursachten Gänsehaut, Schicksale ließen mich zerfließen, Überraschungen weckten mehr als nur meine Neugier. Selbst Mandy Moore als ehemaliger Popstar spielt (doppelt) faszinierend. "This Is Us" ist für jedermann. Ein Urlaub für die TV-Seele. Fragt mich dieses Jahr jemand nach einem Serientipp, werde ich nicht mehr lange überlegen. Highlights fallen mir schwer zu nennen bei dieser durchgehenden Klasse, doch wenn ich müsste wären das wohl das Verhältnis zwischen Randall und seinem leiblichen Vater, Kate + Toby und natürlich die ursprüngliche Liebesgeschichte zwischen Jack und Rebecca. Aber wie gesagt: der einzige Hänger ist man selbst. Nämlich vor dem Fernseher.
Fazit: vielleicht nicht die Serie, die unsere Welt verdient, aber die, die sie braucht. Im Moment mehr denn je. "This Is Us" ist eine Ausnahmeserie voller Gefühl, voller Positivität, voller Liebe. In einer hektischen Zeit dient sie als Anker, in einer übervollen und starken US-Serienlandschaft sticht die Familie Pearson samt ihrer Verästelungen weit heraus. Tränen, Lachen, Spannung, Spaß - das Leben war noch nie derart verdichtet in deiner Flimmerkiste. Modernes Melodrama vom Feinsten. Besser geht's nicht. Wie eine warme Umarmung, in die man sich gerne fallen lässt. (10/10)