Staffel 5 - 9/10
Staffel 5
40 ist das neue 30
Zwillinge und Zungenküsse, Erinnerungen und Zukunftswünsche,
berührt mich „This Is Us“ immer noch, selbst wenn man nimmt nicht alles für bare Münze.
Die Figuren sind einem nun extrem bekannt und nah, die Darsteller perfekt mit ihnen verschmolzen,
bei manchen Serien wünscht man sich einfach, man würde sie nie abholzen.
Doch alles Gute muss mal zu einem Ende kommen,
hat man nun doch langsam diesen amerikanischen und menschlichen Berg zu genüge erklommen.
Selbst die vorbildlichsten Menschen haben Macken und Makel, Tücken und Krücken,
ich werde wohl nie aufhören über diese Serie zu reden in höchsten Stücken.
Ob die feinsten Väter und Bilderbuchmütter, ob Ehen zerbrochen oder Verwandte entdeckt,
trotz aller Güte und für manche wohl auch Kitsch, kann man nicht sagen, dass „This Is Us“ niemals aneckt.
Es ist schon gewagt in der heutigen Zeit einen Mix auf „Six Feet Under“ und „Dallas“ aufzuzieh'n,
doch gelten seine Werte sicher von Texas bis Wien.
Ob in den Vierzigern oder Kinderschuh'n, in Hollywood oder dem Senat,
ist das alles weit mehr als die idealisierte US-Familie wie sie gern hätte Vater Staat.
Ein Abbild der Gesellschaft, ein Weg aus dem Dunkel und der Spirale,
eine alltägliche Serie, für die man sich dennoch wirft seelisch immer wieder gerne in Schale.
Ob Humor oder Tränen, echtes Leben oder Traumvorstellung,
bekommt man hier als emotionaler Serienfan dennoch sehr schnell eine Tränenkanalschwellung.
Immer wieder bin ich am Schluchzen und am Grinsen,
geht mein Tempovorrat regelmäßig in die Binsen.
Highlight sind ohne Frage Randalls Besuch in New Orleans,
und Onkel Nickys kleine Einsiedlerspleens.
Und bei den angedeuteten Blicken auf die Zukunft und „das Ende“,
schieb' ich meine Tränen wohl einfach auf die Zwiebeln in meiner Sonnenblende.
Du weinst, ich nicht. Oder warte. Ich auch.
Da steht nicht nur die Manny auf dem Hochzeitstagsschlauch.
Ein Baum mit Ästen, Blättern und Stamm,
hier wird ganz weich und sentimental selbst der härteste Mann.
Das positive Licht und Gegenteil von sowas Dunklem wie „The Last of Us“ oder „Succession“,
möchte man hier keinen der berührenden Familienmomente crashen.
Ich weiß nicht, ob ich mir „This Is Us“ in meinem Leben noch ein zweites Mal komplett ansehen werde,
dennoch werde ich sie in unfassbar weisem Licht sehen, wahrscheinlich bis ich sterbe.
Fazit: Babies, die Umwege der Liebe und Alzheimer sind (mal traurigen, mal fröhlichen) Grundpfeiler dieser vorletzten Staffel „This Is Us“ - und allein das Gefühl bald von diesem herzlichen Familienbaum Abschied nehmen zu müssen lässt ordentlich Wehmut und Dankbarkeit aufkommen! (9/10)