Als der erste Aufsteller viele Monde vor dem Filmstart bei mir unten im Kino stand, hab ich ja noch gedacht, das wird eine Blondie-Biografie (wegen deren Song "Atomic") und das hätte ich ziemlich klasse gefunden.
Als ich dann erfuhr, dass dem nicht so ist, war ich enttäuscht. Die Nachricht, dass es sich stattdessen um Balleraction mit Charlize Theron handelt, ließ mich erneut frohlocken.
Und nun, wo ich "Atomic Blonde" gesehen habe, bin ich wieder enttäuscht.
Ich finde, da passt nicht viel zusammen. Der Film spielt zur Wendezeit im Agentenmilieu im dicken B. Die damalige Stimmung in Berlin (W) versucht der Film zwar nachzustellen, klappt aber nicht. Zu dekorativ die Straßenpunks, zu Pop der aufdringliche Soundtrack.
Die kaum vorhandene Story dreht sich um den ältesten Spionage-McGuffin: eine Liste aller Agenten, die uhguttoguttogutt - bloß nicht den fiesen Russen in die Hände fallen darf. Erzählt wird Madame Therons Listen-Jagd dann auch noch als ebenfalls nicht gerade sehr innovative Rückblenden-Story in einer Verhörsituation. Storywise also nicht gerade der wahre Heino.
Inszenatorisch hatte ich gewisse Erwartungen, weil David Leitch "John Wick" mitregiert hat. Der Style geht da aber offenbar auf Chad Stahelskis Kappe, wo doch der allein von ihm verantwortete "John Wick 2" zum makellosen Full-Action-Brett geriet, mich aber andererseits David Leitchs Fortsetzung von "Deadpool" gerade in Sachen Kawumm gleichfalls enttäuscht zurückließ.
Und so widerfuhr es mir auch mit der Atomischen Blonden. Trotz aller Splatter-Ballereien und viel Theron-Haut nebst lecker Lesbo-Love mit Sofia Boutella, bleibt alles so Nullachtfuffzehn. Nahezu alle Figuren außer vielleicht der des undurchsichtigen James MacAvoy sind ziemliche Abziehbilder. Die Hauptdarstellerin erhält vom Buch gleich gar keine Möglichkeit, irgendeine Art von Persönlichkeit darstellen.
Schießereien und Prügeleien, die im Film erheblichen Raum einnehmen, sind zwar wie der ganze Streifen schick gefilmt, dennoch weit davon entfernt, choreografisch State of the Art zu sein und weder originell noch elegant.
Das Drehbuch enthält nichtsdestotrotz neben viel Hohl-Gequatsche einige wirklich gute Lines, die gehen aber angesichts der zu langen Laufzeit von knapp zwei Stunden ziemlich unter.
Kurzum, ich ändere meine vergebenen sechs Punkte noch auf fünf (5,49), was eine zugegeben sehr harte Bewertung ist. Aber so ist das Agentenleben eben.