Vorweg muss gesagt werden, das man mit Demetrius Shipp Jr. jemanden für die Rolle gefunden hat, der dem echten Tupac Shakur verblüffend ähnlich sieht. Nahezu unfassbar. Absoluter Pluspunkt.
Dann hat sich das mit den Pluspunkten aber schon fast aufgebraucht. Dieses Bio-Pic ist schlussendlich weniger als es sein möchte. Ebenso wie das gegnerische Bio-Pic über "Notorious B.I.G" von George Tillman Jr. aus dem Jahre 2009 fehlt es dem Streifen irgendwie an Spannung. Hier springt wahrscheinlich der Funke nur über, wenn man ein absoluter Hip-Hop-Fan ist und die Musik dieser beiden, ich gebe zu, "Ausnahmekünstler" liebt. Mich lässt das gelinde gesagt eher kalt. Was natürlich nicht heißt das ich allgemein was gegen diese Art von Musik habe. Zwar nicht mein Genre, dennoch gibts im Rap-Bereich sehr viel hörenswertes.
Die Geschichte um Lesane Persish Crooks, so sein bürgerlicher Name, ist zwar optisch sehr ansprechend, bringt dabei aber überhaupt nix rüber. Die Person "2Pac" ist hier ein Abziehbild des nervtötenden Gangster-Rappers. Die Worte "Nigger", "Bitch" und "Homie" sowie "Playboy" nerven nach wenigen Minuten nur noch und untermalen nicht unbedingt ein aussagekräftiges Drehbuch. Das geht besser, sogar mit diesen "Kraftausdrücken" wie "Straight Outta Compton" vor zwei Jahren eindrucksvoll bewiesen hat. DAS war ein Bio-Pic aus der Feder eines fähigen Schreibers - toll umgesetzt von einem starken Regisseur namens F. Gary Gray. "All Eyez on Me" Regisseur Benny Boom hinkt da gewaltig hinterher. Dramaturgisch und erzählerisch mindesten 10 Nuancen drunter.
Die Person des Tupac, seine Karriere, seine Verfehlungen und auch sein mysteriöses Ende bieten sehr viel Interpretationsfreiraum und ein kreativer Kopf würde da vermutlich mehr draus machen.
Die damalige Jugendfreundin des Rappers, Jada Pinkett (inzwischen Eheweib von Will Smith), war überaus schockiert über das Ergebnis. Sie sprach den Machern wenig Realitätsnähe zu. Das dürfte ein Nackenschlag für das Produktionsteam, Regisseur und Darsteller gewesen sein.
Was "All Eyez on Me" aber vor dem kompletten Verfall schützt sind die Darsteller. Bereits erwähnter Demetrius Shipp Jr. macht seine Sache ganz vortrefflich. Auch Jamal Woolard als Christopher Wallace aka Biggi Smalls aka Notorious B.I.G (selber Darsteller wie im eigenen Bio-Pic) ist über jeden Zweifel erhaben. Danai Gurira (Michonne aus "The Walking Dead") als 2Pacs Mom Afeni spielt ebenso ordentlich auf, wenngleich ihre Gesichtszüge denen eines Steven Seagal in nichts nachstehen. Extrem eindimensional die Gute. Hill Harper (CSI NY) sei als Interviewer noch zu erwähnen, das macht er gut und er passt ebenso toll in die Rolle.
Nicht nur aber die Leistungen sind hervorzuheben. Alle Akteure ähneln ihren darzustellenden Vorbildern extrem. Das ist schon stark. Ich dachte teils wirklich, da stehen 2Pac, Puff Daddy, Notorious B.I.G., Dr. Dre und Snoop Dogg aufm Cast-Zettel. Das wurde famos gecastet. Chapeau!
Fazit:
Darstellerisch top, was die Authentizität angeht eher flach. Ich hab mich nach Sichtung mal mit dem Thema beschäftigt und einige Ungereimtheiten ausfindig gemacht. Demnach kann ich deswegen keine höhere Wertung geben, denn ein solcher Genre-Film muss das gewährleisten können. Darum gebe ich nur 5 Kugeln. Drei in die Brust, eine ins Bein und eine in den Arm...
5/10