Review

Das Lustige und das Traurige, das Komödiantische und das Dramatische nicht nur im Film, sondern auch an ihm ist ja, dass er ursprünglich sicher mal als etwas Großes gedacht war, als Epos und als Kinoerfolg auf beiden Seiten des Atlantiks, als Kritikerzuspruch vielleicht auch noch, und ganz am Ende nichts mehr davon über ist. Fertiggestellt bereits 2015, also drei Jahre vor dem eigentlichen Erscheinungstermin galt es damals noch als Art Prestigeobjekt, als nunmehr dritter Bestandteil einer Reihe von vorherigen Aufarbeitungen der Geschehnisse des Zweiten Weltkrieges aus chinesischer Sicht und in Form einer durchaus anspruchsvollen Darbietung, von einem Starregisseur und für die westlichen Langnasen als Ansporn auch mit einem ebensolchen Gesicht. Nach Flowers of War (2011) von Zhang Yimou mit u.a. Christian Bale und Back to 1942 (2012) von Feng Xiaogang mit Tim Robbins und Adrian Brody folgte der ehedem und alternativ The Bombing betitelte, wobei hier der Filmemacher dahinter zwar eher unbekannter Natur ist, von amerikanischer Seite aber abermals Brody und zusätzlich immerhin Bruce Willis vor der Kamera und hinter ihr als Berater auch noch Mel Gibson und Vilmos Zsigmond und Conrad W. Hall für das Second Unit Team verpflichtet sind.

Seitdem sind die Jahre ins Land gegangen, wurden die Titel der Produktion je nach Lust und Laune und für jeden weiteren (unsicheren) Trailer und jedes neue Poster (darunter auch einige gar gelungene, die meisten aber nicht) geändert, als gäbe es kein Morgen; hieß man zwischendurch mal Unfaithful Spirit und erblickt man nunmehr als Air Strike das Licht. Nunmehr ist auch das Kino vertagt bzw. ganz gestrichen, wurden nach entdeckten Betrügereien bei den Angaben der Kosten und der entsprechenden Steuer zur Strafe und als Dank für die Lügen der Einsatz in den Lichtspielhäusern abgeblasen; wozu hat man eine Diktatur, wenn man solche Mittel nicht durchsetzt:

1939, der Zweite Japanisch-Chinesischer Krieg ist im vollen Gange. Guangzhou ist bereits von den Japanern eingenommen, weshalb Chongqing als neue chinesische Hauptstadt auserkoren wurde und entsprechend auch von den Invasoren unter Beschuss gesetzt. Die letzte Luftabwehr erfolgt unter Aufsicht von U.S Air Force Commander Jack Johnson [ Bruce Willis ] und seiner Schüler wie  Lei Tao [ Nicholas Tse ], An Minxun [ Song Seung-heon ] und Cheng Ting [ William Chan ]. Währenddessen soll der ehemalige Pilot Xue Gangtou [ Liu Ye ] einen Truck mit einem wertvollen Decoder quer durch das bombardierte Land bringen, wobei er auf seiner gefahrvollen Reise den Wissenschaftler Zhao Chun [ Wu Gang ], die Krankenschwester Dianna [ Ma Su ] samt mehreren Waisenkindern und den mysteriösen Jim Xiang [ Geng Le ] auf dem Weg mitnimmt.

Das Endergebnis, der übergebliebene Rumpf, bzw. das, was von der wohl ursprünglich fünfstündigen Fassung tatsächlich noch übrig ist, ist ein Hauwerk aus unterschiedlichen Zutaten, variierenden Aussagen und auch mäandernden Gewicht. Er macht vieles falsch, aber nicht alles, je nachdem wohl auch, mit welchen Ansatz man an diese Stück aus Drama, aus Durchhaltepropaganda, aus Patriotismus-Kintopp, aus Kriegsgräuel, aus Aktionfilm mit gleißenden Explosionen, und aus Spionagekrempel und Fliegerehre mit Tricks von vor einem halben Jahrhundert herangeht, und was man davon besser tolerieren kann, und was nicht.

So wie jetzt veröffentlicht funktioniert der Film natürlich nicht. Bzw. funktioniert er nicht 'richtig', sondern ist ein von Beginn an schon recht seltsam wirkendes Konstrukt, bei dem gerade zu Anfang auch schon nichts stimmig ist; gestartet schon mit der Einblendung des für die amerikanische Veröffentlichung nachträglich anvisierten Titels vom Air Strike und der Auflistung der Schauspieler, bei der Rumer Willis mit ihrem 20sec Auftritt schon die drittgenannte Person, der Vater natürlich die Nummer Eins, und der dazwischen liegende Liu Ye in der falschen Schreibweise vom 'Ye Liu' gehalten ist. Die ersten bewegten Bilder in Form einer kurzen Geschichtsstunde, eine Art Wochenschau vom bisherigen Geschehen stellen in wenigen Sätzen die Situation vor, bevor die ganze Szenerie schon in Bombenhagel und Flammen aufgeht. Oben am Himmel erbitterte Luftkämpfe abgehalten werden, bei denen dann noch das blutverschmierte Foto eines Babys in die Kamera segelt, während unten die Straßenzüge explodieren und schon zwei der Starschauspieler nach wenigen Sekunden und ebenso wenig 'Handlung' und das teilweise wie in einer Parodie von Mel Brooks schon direkt ins Nirwana gesegelt sind.

Überhaupt ist die Synchronisation schauerlich, die Montage mehr als sprunghaft, wie aus einer mehrepisodigen Serie zu einem komprimierten Einteiler zusammengerafft und nur das Wichtigste davon, allen voran natürlich die großflächigen Detonationen von noch am Boden befindlichen Flugzeugen, Häfen, LKWs für die Actionfans verwendet. Anfangs helfen noch ab und an helfen Einspieler mit der Örtlichkeit um festzustellen, wo man sich jetzt überhaupt befindet, und phasenhaft wird auch Voice over über die Einstellungen gelegt, um einen Sinn bei dieser 'Dramaturgie' ohne Anfang und ohne Ende, immer nur mit Ausschnitten aus dem Mittendrin festzustellen. Gegenden wechseln sich ab und Tage springen. Mal ist man hier, mal dort, mal Sonne und mal Dunkelheit. Personen werden zufällig zusammengeführt und in Verbindungen zueinander gesetzt und im nächsten Moment wieder auseinandergerissen und nie mehr gesehen. Charakterisierungen erfolgen höchstens über Ausschnitte von Handlungen, die gleichsam abrupt gehalten sind. [Die gedubbte US Fassung geht ca. 90min. Die UK Fassung knapp über 120min und behält auch den Originalton.]

Was dem Film gelingt, auch wenn es nur durch dieses Desaster von Rhythmus und dem Beibehalten von vielerlei Feuerbällen und anderen Destruktionen ist, dass der Krieg und seine Zeichnung hier tatsächlich wie willkürlich, ohne Sinn und Verstand und ohne eigene Logik erfolgt, die Kugelstöße und Raketen aus dem Himmel erfolgen von jetzt auf gleich, alle naselang und können jeden und alles treffen, egal wo man sich befindet und egal was für ein Ziel man ist; ob Groß oder Klein, ob wertvoll oder nicht, ob Einzeln oder in der Masse. Eine Unberechenbarkeit des Todes, die selbst Empathie oder Schock hier nicht zulässt, und wo das eigene Empfinden seltsam desinteressiert bleibt und selbst bei einer eigentlich furchtbaren Szene (dem Bombardieren eines Luftschutzbunkers in einem Stollenbergwerk, der zusammenbricht, die Luftzufuhr abschnürt und erst eine Massenpanik und dann ein Massensterben auslöst) kein Moment für Innehalten über ist.

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