Die storytechnischen Grundzüge von Tobe Hoopers „Blutgericht in Texas“ sind eher simpler Natur, doch die angemessen dreckig inszenierte Umsetzung findet bis heute zahlreiche Nachahmer. Die britische Variante von Regisseur Charlie Steeds sieht auf den ersten Blick recht morbide aus, doch frische Ideen weiß er nicht beizusteuern.
Sechs Familienmitglieder um die älteste Tochter Jessica wollen ein Wochenende auf dem abgelegenen Land campen. Als ein Zelt eines Nachts Feuer fängt und jemand verletzt wird, sucht man bei der nahe gelegenen Farm der Hansens Hilfe und findet sich alsbald hinter Gittern wieder…
Eigentlich dürfte es nicht allzu schwer sein, zwecks erleichterten Mitfieberns wenigstens ein bis zwei Sympathieträger hervorzubringen, doch in diesen Belangen scheitert der Vorlauf grandios. Der Stiefvater ist ein gnadenloser Patriarch, die Mutter eine Glucke, die beiden Jungs sind völlig verzogen und rebellisch, während Jessicas Freund ein Lutscher ist. Immerhin offenbart die Exposition die Hintergründe der beiden Schlächter, von denen der Sohn mit Gesichtsmaske und Kettensäge unweigerlich an Leatherface erinnert.
Nachdem die erste halbe Stunde mit allerlei Vorbereitungen etwas zäh vonstatten geht, ist mit Ankunft auf der Hansen-Farm durchaus gut Tempo im Spiel, wobei es die ersten Opfer etwas früh und unspektakulär erwischt. Zwar wird ab und an die Splatterkeule ausgepackt, wodurch Hände weggefetzt werden, eine Axt im Rücken landet, jemand geschmort oder um einen Arm erleichtert wird, doch so richtig brachial geht es letztlich nicht zu. Allerdings sind die Effekte durch die Bank handgemacht und das dazugehörige Make-up arbeitet recht akkurat.
Der Schauplatz der Farm fällt derweil eher eintönig aus, zumal die latenten Rotfilter in der Scheune mit den Gefangenenkäfigen ermüden und außerhalb dieser Räumlichkeiten wenig stattfindet. Zudem nehmen einige viel zu lang geratene Dialoge zuviel Raum ein, denn ein Bösewicht wirkt deutlich weniger bedrohlich, wenn er sich zu erklären versucht oder sich brüllend mit einem anderen Redneck streitet. Zu jenen unfreiwillig komischen Szenen zählen auch einige Mimen mit Hang zum Overacting, wobei insgesamt okay performt wird.
Ein paar Flashbacks sorgen schließlich für etwas Abwechslung, wogegen der eine oder andere Twist zehn Meilen gegen den Wind erahnbar ist und die Enthüllung des Drahtziehers in eine komplett blödsinnige Richtung abdriftet. Immerhin: Die Grundzutaten des Streifens stimmen einigermaßen und wer rein gar nicht genug von Rednecks mit Maske und Kettensäge bekommt, könnte einen vorsichtigen Blick riskieren. Praktisch angewandten Kannibalismus sollte man jedoch nicht erwarten.
Knapp
5 von 10