Denn sie wissen nicht, was sie tun...
"Cruel Summer" basiert auf einem wahren Fall und zeigt, wie ein geistig behinderter Junge beim Campen von anderen Jugendlichen drangsaliert und angegriffen wird. Alles nur, weil das Gerücht in den Luft liegt, er habe etwas mit der Freundin eines der aggressiven Halbstarken gehabt... Man meint "Eden Lake"-Vibes zu verspüren, ebenso erinnert der Terrorthriller etwas an den polnischen Magendreher "Playground". Nur ohne deren beider Intensität, Kaltschnäuzigkeit oder Härte zu erreichen. Trotzdem tut dieser Thriller weh und schockiert. Auf Grund der wenig gekonnten deutschen Synchro gab es anfangs im Kino noch ein paar nervige Lacher, doch diese blieben den wohl recht unerfahrenen "Horrorfans" zum Glück schneller im Hals stecken, als man UCI Midnight Movie sagen kann.
Ganz im Fahrwasser ähnlicher britischer Produktionen, zeichnet "Cruel Summer" ein rohes, brutales und graues Bild der Jugend von der Insel. Geprägt von Wut, Hass, Langeweile und Perspektivlosigkeit. Der Film strahlt eine teuflische Ruhe aus, die sich im Körper des Zuschauers zu dem Gegenteil verkehrt. Die Darsteller machen ihre Sache sehr intensiv und realistisch, manchmal bekommt man das Gefühl, echten Ereignissen oder eine filmischen Doku beizuwohnen. Hilflos. Die meditativen Naruraufnahmen stehen im starken Kontrast zur bösen und zerstörerischen Natur des Menschen. Hier trifft Unschuld auf das Böse in uns. Etwas plakativ und extrem, doch so kann es nunmal gehen. Dass wenig bis gar keine Gründe oder Backstory geliefert werden, verstärkt nur noch die schallende Frage des Warums. Die wohl nie ganz zu klären ist. Am ehesten noch, wenn man tief in sich hineinhorcht. Und genau da liegt der heftigste Horror.
Fazit: ein bitterböses, nüchternes Brett von einem Slowburn-Thriller. Realistisch und schockierend. Selbst wenn man schon härtere filmische Magenschläge von ähnlichem Stil abgekriegt hat. Mindestens ein blauer Fleck auf der Filmseele bleibt und dies wirkt wesentlich furchtbarer als jegliche Horrorfilme mit hünenhaften Killern oder unbesiegbaren Monstern. Das ist Sozialhorror, der uns alle angeht.