Bruderschaften haben in Amerika eine weitaus größere Bedeutung als in Europa, der eine oder andere US-Präsident war schließlich Mitglied einer solchen. Allerdings kommt es regelmäßig zu Todesfällen, meistens bedingt durch Alkohol und nicht selten leiden die Anwärter noch lange unter den Erfahrungen des Hazings, also der Schikanen. Bei afroamerikanischen Gruppierungen sollen jene Erniedrigungen besonders extrem sein, wie Co-Autor und Regisseur Gerard McMurray zu berichten weiß.
Zurich ist einer von fünf Pledges für die Lambda Phi, einer Studentenverbindung, in die es sein Vater nicht geschafft hat. Für die Anwärter steht die Höllenwoche bevor, doch in der finalen Höllennacht gerät das Treiben endgültig aus den Fugen…
Neben Spring Break gelten auch Feiern innerhalb dieser Verbindungen als exzessiv, da Alkohol in den USA erst ab dem 21. Lebensjahr offiziell erlaubt ist, Erstsemester in der Regel jedoch jünger sind. So auch Zurich, der sich durch die Aufnahme eine gute Position als Arzt erhofft und dabei allerlei Schikanen über sich ergehen lässt. Das Padding gehört ebenso dazu wie körperlicher Drill, Schläge, verbale Attacken und die Machtausübung der „Großen Brüder“, so dass auch mal mitten in der Nacht Burger herangeschafft werden müssen.
In einigen Momenten kommt unweigerlich die Frage auf, wie viel ein potenzielles Karrieresprungbrett wert ist, wenn die Freundin komplett vernachlässigt wird und man zwischenzeitlich vor einem Napf mit Hundefutter kniet. Leider wird das Umfeld der Anwärter weitgehend vernachlässigt. Eine Lehrerin fungiert zwar kurz als moralischer Anstoß, ist im Endeffekt jedoch genauso unwesentlich wie all die anderen weiblichen Figuren, welche dem Klischee nach tatsächlich nur als Vorzeigeobjekt oder beliebige schnelle Nummer dienen.
Im Verlauf macht Zurich zwar eine Entwicklung durch, bleibt jedoch zu passiv, um den Zuschauer bei der Wurzel zu packen. Nur phasenweise wühlt der Stoff auf, emotional wird er indes erst im finalen Akt, welcher mit offenem Ende daherkommt. Da die Motivationen der übrigen Anwärter weitgehend im Verborgenen bleiben, erscheinen diese wie Marionetten mit leicht masochistischer Ader, ein Mitfiebern ist nur bedingt gegeben.
Hinsichtlich der teils starken darstellerischen Leistungen ist das schade und auch Kamera und Schnitt leisten grundsolide Dienste. Dialogtechnisch gibt es zwar ein wenig zuviel „Homie“, „Bro“ und „Nigga“, doch die Synchro geht okay und auch die musikalische Untermalung ist trotz einiger billiger Rapeinlagen noch erträglich.
Unterm Strich liefert McMurray ein schlicht inszeniertes Drama mit einem brisanten Kernthema, welches in der Ausführung nur selten unter die Haut geht und zudem einige Klischees bedient. Der offene Ausgang mit einigem Interpretationsfreiraum passt zum Rest der Geschichte, welche eher vage Stationen, denn dramaturgische Steigerungen offenbart.
Ergo nichts neues in der Welt der Fraternitys, - „Burning Sands“ unterhält okay, liefert jedoch keine nachhaltige Wirkung und verschenkt somit eine Menge Potential.
5,5 von 10