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Während eines typischen Wikinger-Raubzuges verschlägt es den titelgebenden Erik (Tim Robbins) in irgendeine Hütte des überfallenen Dorfes, wo eine Blondine bereits schicksalsergeben ihre Vergewaltigung erwartet. Querdenker Erik jedoch gerät ins Grübeln und zweifelt lautstark am Sinn dieser Gewalttaten seiner Stammesgenossen - er überlegt ob es nicht noch einen anderen Sinn im Leben gibt. Sein Hinterfragen der Wikinger-Lebensweise bringt ihm nicht nur Freunde ein, aber da er überzeugend auftritt, schifft sich schließlich eine ganze Truppe der norwegischen Helmträger ein um sich auf die Suche nach einem Horn mit dem klangvollen Namen his masters voice zu machen. Mittels diesem sollen die Götter geweckt werden, damit sich die Menschen nicht mehr bekämpfen müssen, zumindest hat sich Erik dieses von der Seherin Freyja (Eartha Kitt) voraussagen lassen. Nach einigen Abenteuern auf den Meeren erreichen sie schließlich die Insel Atlantis-West, wo sich das Horn befindet. Der Evolution der Wikinger steht nun nichts mehr im Weg, außer vielleicht einem Verräter in den eigenen Reihen...

Filmen unter der Regie ehemaliger Monty Pythons-Mitglieder (hier: Terry Jones) haftet stets die Erwartungshaltung an, sie sollten/könnten doch so ähnlich sein wie deren Meisterwerke Ritter der Kokosnuss oder Das Leben des Brian - ein in der Tat ungerechtes Vorurteil, wenngleich durchaus verständlich. So ist es auch beim 1989er Erik der Wikinger, den der walisische Monty Python Terry Jones 14 Jahre nach der Artus-Sage in Eigenregie drehte - obwohl mit John Cleese ein weiteres Python-Mitglied vor der Kamera agiert, verbietet sich jedoch jeder Vergleich mit den erwähnten früheren Meilensteinen britischen Humors, denn die Nordmannen-Saga ist ein vergleichsweise zäher und streckenweise langweiliger Streifen geworden, der in seinen besten Momenten gerade mal die unterste Ebene schwächerer Flying Circus-Gags erreicht.

Hauptmanko ist dabei die unklare Linie die der Film verfolgt, denn obwohl schon mit der Eingangs-Szenerie vom Vergewaltigungs-unwilligen Wikinger eine bestimmte (humoristische) Richtung vorgegeben wird, setzt sich diese nicht in den folgenden Handlungen fort - stattdessen bleiben ein trocken erzählter Plot und seltsame Logiklöcher, wie z.B. dieses, daß Querdenker Erik einer von vielen Wikingern ist, dann aber plötzlich als Anführer einer Expedition auftritt, dem seltsamerweise kaum gruppendynamische Prozesse entgegenstehen. Auch Eartha Kitt als höhlenbewohnendes Orakel spielt eine melodramatische, also eher ernste Rolle, wenn sie dem nach Antworten suchenden Erik einen Blick in die Zukunft gewährt. Warum dieser später mit der bezaubernd exotischen (und so gar nicht ins Bild passenden) Königstochter Prinzessin Aud im Bett landet oder wieso Gegenspieler Halbtyr nach dem Gefecht auf dem Meer entkommen darf, bleibt unbeantwortet. Wenn man nun noch hinzurechnet, daß die deutsche Synchro dem drögen Streifen durch Einflechten zeitgenössischer Kabarettwitzchen (Reagan - Bush - Björn Engholm - Gewerkschaften - Mun-Sekte - Kirchensteuer etc.) einen ganz eigenen, zusätzlichen Drive mitzugeben sich bemühte, bleibt von der eigentlichen, wenig spannenden Story um die Wikinger-Expedition nicht mehr allzuviel übrig - zumindest nichts, was an den Genius früherer Python-Filme erinnert.

Während die Ritter der Kokosnuss durch permanente Gags und stets vorhandenen bildlichen Klamauk getragen wurden, wartet man bei Erik der Wikinger vergeblich auf dergleichen Pointen, die nur sehr spärlich gesät sind. Am ehesten noch erinnert Terry Jones als harmoniesüchtiger König Arnulf mit seiner Vorliebe für sinnfreie Schlager-Kakophonien an alte Pythons-Zeiten, Cleese in seiner Fieslings-Rolle als Halbtyr der Schwarze fällt schon nicht mehr sonderlich auf und Hauptdarsteller Tim Robbins spielt den wissbegierigen Wikinger zwar bravourös, ist aber einfach kein Komiker.
Gut umgesetzt die blubbernd untergehende Insel und deren Bewohner, die vermeintliche Sonne als Drachententakel und das Wikinger-Schmusekissen, dessen Federn das Ungetüm niesen lassen - mitsamt den nachträglich-zusätzlichen deutschen Pointen ergibt dies einen durchschnittlichen Film, den man sich als Monty Python-Freund natürlich auch einmal ansieht - wobei die Betonung hier auf einmal liegt. 5 Punkte.

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