Review

Autor Klaus-Peter Wolf zog es irgendwann vom Ruhrpott nach Norden und da lag es nahe, eine Ermittlerin mit ähnlichem Hintergrund zu erschaffen. Die erste Verfilmung des Ostfriesenkrimis kommt mit einem passablen Fall daher, doch typisch ostfriesisch mutet die Angelegenheit kaum an.

Ermittlerin Ann-Kathrin Klassen (Christiane Paul) hat es mit gleich zwei Morden in einer Nacht zu tun, als der Chef des gemeinnützigen Regenbogenvereins erschossen und kurz darauf ein verdächtigter Mitarbeiter tot aufgefunden wird. Der Schlüssel scheint die nymphoman veranlagte Sylvia (Svenja Jung) zu sein, doch dann taucht eine dritte Leiche auf…

Wer schon mal Urlaub in der Gegend um Norden, Norddeich, Lütetsburg und Hage gemacht hat, hofft natürlich auf ein paar markante Lokalitäten. Doch bis auf ein paar Windräder, den Strand von Norddeich und ein paar Straßen in Norden ist hier nicht allzu viel auszumachen.
Auch die typischen ostfriesischen Eigenschaften schimmern nur selten bei den Protagonisten durch, denn es wird weder Platt gesprochen, noch wirken urige Figuren aus der Gegend mit.

Im Mittelpunkt steht Ermittlerin Klassen, die gerade mit privaten Problemen beschäftigt ist, da ihr Mann eine Affäre hat und der Draht zum Sohn besser sein könnte. Sie und ihre Kollegen ermitteln im Milieu einer Behindertenbetreuung, in der offenbar einiges verschwiegen wird. Auch ein schmieriger Unternehmer hat möglicherweise seine Finger im Spiel, während die leicht zurückgebliebene Sylvia Dreh – und Angelpunkt der Mordreihe ist.

Regisseur Sven Bohse erzählt die Geschichte eher unaufgeregt, indem er den Figuren recht viel Zeit einräumt und bis auf ein, zwei Ausnahmen zu keiner Zeit auf Temposzenen setzt.
Die Lösung des Falles ist vor Anbruch des letzten Aktes erahnbar, doch immerhin gehen damit kleinere Wendungen einher, welche wiederum nicht allzu offensichtlich sind.

Handwerklich wird indes solides TV-Niveau abgeliefert. Einige Landschaftsaufnahmen sind durchaus gelungen, jedoch weist die Kamera bei manchen Außenaufnahmen mit sich bewegenden Figuren leichte Unsicherheiten auf. Demgegenüber arbeitet der Schnitt ohne Makel, während der Score die leicht melancholisch Stimmung festigt, welche dem Geschehen anhaftet.
Darstellerisch wird passable Kost geboten, wobei Svenja Jung in der Rolle der Nymphomanin die beste Performance abliefert, wogegen Christiane Paul zuweilen ein wenig unterfordert wirkt.

Das Ratespiel um den Killer und dessen Motiv gestaltet sich nur bedingt spannend, erst zum Showdown zieht das Tempo kurzfristig an, während der Erzählfluss insgesamt eher gemächlich ist. Zwar entstehen keine Längen, doch die privaten Probleme der Ermittlerin ziehen nicht wirklich und lenken den Fokus phasenweise zu sehr vom eigentlich Fall ab.
Kein übermäßig gelungener Einstieg in die Reihe der Ostfriesenkrimis, mehr als Durchschnitt offenbart sich leider nicht.
5 von 10

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