Ich bin bewußt kritisch und dem Thema entsprechend "bissig" an die Sache ran gegangen, weil ich nicht wegen nettem Kontakt auf der Film-Messe Oberhausen eine zu positive Wertung abgeben wollte. Werte ja auch knallhart Filme von Amateur-Kollegen runter, wenn sie weder Charme noch guten Inhalt haben wie "Tortura", "La Petit Morte" oder "Necronos".
Gerade bei einem Vampirfilm ist Atmosphäre sehr wichtig, denn die Tradition der Blutsauger-Filme zeigt eben keine tumben Zombies ohne Charakter, sondern raffinierte Typen der Dunkelheit. Somit doppelt schwer für einen kleinen deutschen Film die nötigen Kriterien zu halten, da gerade deutsche Filme (sogar im Profi-Bereich) in den letzten 50 Jahren häufiger ohne Atmosphäre daher kommen als mit. Es kann eben nicht jeder "Das Boot" aus dem Low-Budget-Ärmel schütteln.
"Montrak" nimmt sich viel vor. Es beginnt im Mittelalter. Oje, dachte ich, das wird sicher wieder so eine kurze Einzelszene, in der einige Nachbarn in Karnevals-Ritterkostümen versuchen die großen Weltuntergangs-Szenarien mehr schlecht als recht spielen - und dann patsch geht's nach Sekunden in die Gegenwart.
> Stop ! Das alles passiert aber bei "Montrak" nicht. Es werden mehrere sehr sorgfältig und mit gepflegter Ruhe inszenierte Szenen im Mittelalter gezeigt, die eine sinnvolle und auf Weiterentwicklung strukturierte Handlung zeigen. Man möchte wissen, wie es mit den Plänen und den Einzelschicksalen weiter geht. Die Kostüme sind in Ordnung, die Darsteller auch. Die Führung der Darsteller in Bewegung und Mimik ist ebenfalls weit über der Durchschnitt von Amateurfilmen. Zwar sind einige Statisten im Hintergrund etwas steif und amateurhaft, aber die Zentralfiguren kommen in jeder Weise glaubhaft herüber.
...und eine weitere Sache stellt sich ein, die den ganzen Film über der Fall sein wird: Die Stimmen sind um ein Vielfaches besser als bei fast allen Amateur- und No-Budget-Filmen, die ich aus Deutschland bisher gesehen habe (ausgenommen natürlich meine eigenen). Die Leute können hier richtig betonen, übertreiben es nie und sie sprechen wie echte Menschen - nicht wie ein Haufen Filmfreaks, denen man am Vormittag gesagt hat, sie dürften am Nachmittag in einem Film mitspielen.
Desweiteren entwickelt sich in unsere Neuzeit hinein eine flotte Handlung ohne Brüche und stets mit genug Inhalt, daß man interessiert folgen mag, weil es einerseits spannend ist, wie es weiter geht und andererseits ist die Handlung auch nicht so vorhersehbar wie bei Low-Budget-Filmen sonst üblich. Es gibt durchaus Überraschungen. Immer wieder wird eine Person aufgebaut, von der man denkt er/sie würde der große Sympathieträger und DIE Hauptperson des Films, um dann etwas später den Fokus auf eine ganz andere Person zu richten, welche dann zentral in der Handlung wird.
Beim Thema Sympathie liegen hier Welten zu den handelsüblichen Amateur-Horror-Filmen, in denen die Laiendarsteller meistens jede Rolle so unsympathisch wie möglich spielen. Alles nur meckernde, arrogante und unhöfliche Personen, die der deutsche Amateurfilm sonst darstellt. Als ob es keine netten Menschen gäbe. Genau dieses immens wichtige Detail macht "Montrak" besser, denn seine Menschen kommen sympathisch rüber. Die Guten voll, aber auch die Bösen haben ein gewisses Charisma.
In der Handlung ist es eine Mischung aus "Herr der Ringe" (ein böser, magischer Ring und ein Oberschurke, der wiedererweckt werden soll), "Schwerter des Königs" (Mittelalter mit angreifenden Horden), "BloodRayne". Die Flucht mit der Vampirin incl romantischer Beziehung hat was von "Bloody Marie" (der allerdings zwei Klassen drüber steht). Dazu kommt, daß die Gruppe Vampire, welche spannende Hetzjagden auf der Straße liefert (mit einem grandiosen Mensch-gegen-Auto-Stunt) fast etwas von der Bedrohlichkeit aus "30 Days of Night" hat, wobei gesagt werden muss, daß "Montrak" natürlich nicht mal in die Nähe der Qualitäten von "30 Days of Night 1" kommt, den zweiten Teil aber locker übertrumpft. Auch "Schwerter des Königs" ist klar schlechter als "Montrak", aber "BloodRayne 1" ist zwei Stufen besser.
Wir haben bei "Montrak" neben brauchbarer Handlung, guten Darstellern und Action auch eine Menge reichlich blutiger Effekte. Die allein heben ihn schon im Unterhaltungswert über den Durchschnitt von US-Vampir-B-Pictures, die meist blutärmer daherkommen.
Aber auch in der Handlung und den wirklich guten DIALOGEN ist er besser als die große Masse von Hollywood-B-Horror.
Ich habe über 500 Vampirfilme gesehen gedreht von 1922 bis heute. Ohne jede Übertreibung gehört "Montrak" davon zu den 35 besten Vampirfilmen aller Zeiten - allerdings von diesen 35 am unteren Ende also Platz 31 bis 35. Also sicher weit unter der Klasse von "Fright Night", "Interview mit einem Vampir", "Vamp" oder "Twilight", aber weit über hunderten von professionellen Hollywood-Filmen wie "Sundown", "To die for 1", "Vampire's Kiss", "Dracula Rising".
Die imdb-Bewertung von 3,5 ist eine Unverschämtheit. Was sind das denn für Leute, die so einem Film eine 1/10 geben? Auf ein 6/10 sollte man objektiv betrachtet mindestens gehen. Die 3,5 sind auch nur die "gewichtete imdb-Wertung". Bei der direkten der Zuschauer ergibt sich auf imdb 5,8.
Ich gebe sogar 8/10, weil die Mischung aus guten Dialogen, solider Story und sehr deftigen Effekten, das ganze in stets passender Musik, für mich eine so unterhaltsame Mischung ergibt, daß ich ihn immer wieder sehen werde...häufiger als den dänischen "Angel of Night", aber nicht ganz so häufig wie die Subspecies-Reihe.
Einer der zehn besten deutschen Amateur-Filme.
Schulnote 1-
bzw. 8/10