Review

Gesamte Serie - 5,5/10

Staffel 1 / Gesamte Serie

Lass mal Fünf schade sein

Harlan Coben hat zwar schon für ein paar TV-Miniserien die Plots entworfen, außerdem für den herausragenden Thriller "Tell No One" aus 2006, doch ein richtiger Star ist er eher in Sachen Buchautor. Ebenfalls im Bereich Krimi, Thriller, Mystery. In Kontakt mit ihm gekommen, so dass er mir aufgefallen bzw. hängen geblieben wäre, war ich bisher allerdings noch kaum. Bis ich "The Five" sehen konnte, eine britische Miniserie, die extrem mit seinem Namen verbunden und beworben wird. Scheinbar ein Ding, worauf er stolz ist und gerne seinen Namen hergibt. Es geht um vier Jugendfreunde, nun erwachsen und u.a. ein Polizist und ein Sozialarbeiter, die in ihren Kindertagen den kleinen Bruder von einem der ihren in einem Park verloren haben und seitdem nie mehr wiedergesehen haben. Man meint, dass dieser von einem gefassten und geständigen Kinderschänder brutal ermordert und irgendwo verbuddelt wurde. Doch als die DNA des jahrelang Verschwundenen eines Tages an einem Tatort auftaucht, beginnt die Jagd nach ihm und der Wahrheit...

Hätte ich "The Five" nicht in einem Gewinnspiel ergattert, hätte ich mir diese 10 Folgen wahrscheinlich nie angeguckt. Vermisst hätte ich sie wohl nicht, doch insgesamt bin ich dann doch einigermaßen zufrieden mit der Produktion. Selbst wenn der Wow-Effekt meist ausblieb und es kein Ding ist, das ich jetzt jedem meiner Freunde ans Herz legen muss. Aber vielleicht meinen Eltern oder Grosseltern. Denn die stehen auf solche Krimi-Rätsel. "The Five" ist hochwertig aufgezogen, die Grundidee macht sehr neugierig und man kommt relativ schnell rein. Ich würde sagen die ersten wie letzten zwei Episoden sind die stärksten und kommen zum Kern der Sache. Leider ist dazwischen recht viel Leerlauf und recht trockene Ermittlungsarbeit samt ein paar Wendungen und Twists, die arg kitschig und gezwungen und steif daherkommen. Eher literarisch als filmisch. Wenn auf einmal unsere "Helden" in die Schusslinie geraten, wirkt das höchst unglaubwürdig und lahm. Das muss man als guter Schreiber anders umkurven. Die endgültige Auflösung ist dann wiederum gelungen, simpel und akzeptabel und fast ein Stück genial. Außerdem besticht der Soundtrack in vielen Momenten. Die Figuren sind zum Großteil leider nur generisch, klischeehaft bis okay. Da ist keiner dabei, mit dem man mehr Zeit verbringen will als man muss. Außerdem wird sich zu selten getraut mal wirklich böse und düster zu werden, trotz prekärer Themen wie Kindesentführung, Missbrauch und "fritzl-ähnlichen" Methoden. Insgesamt wäre hier viel mehr drin gewesen. Zu viel Soap, zu wenig "Seven".

Fazit: solider Miniserien-Krimi von der Insel. Im Mittelteil mit argen Längen und ärgerlichem Auf-der-Stelle-Treten, aber hintenraus ist man dennoch überrascht, leicht berührt und gefesselt. Zumindest ansatzweise. Trotz hohem Kitschfaktor. Nette Thriller- und Rätselkost für zwischendurch. Kurz und knackig. Aber nichts Besonderes. Ein durchschnittlicher "Tatort" ist kaum schlechter. Eher Buchstoff als Topserie! (5,5/10)

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