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Obwohl oder auch weil die letzten Jahre beruflich wie privat für den ehemaligen Star-Schauspieler und Kinomagnaten Nicolas Cage eben nicht so erbaulich waren, hat sich der Mann daraus (gezwungenermaßen?) freigeschwommen und als quasi vogelfrei in seinen filmischen Auftritten klassifiziert und qualifiziert; eine Art eigene Nische im alljährlichen DTV-Wettstreit, die die Werke weiterhin und dies oftmals speziell wegen ihn überhaupt in die Öffentlichkeit bringt, und die Neugier darauf und daran sowie auch mögliches Wohlwollen und Wohlbesprechen noch vorhanden hält. Anders als bspw. Willis ist bei Cage auf jeden Fall die Leistung dahinter und die Mühen, auch etwas abzuliefern zu sehen, mag dies Spiel auch oftmals über die Grenze des Gewohnten, des Zuträglichen hinaus und in das Chargentum weit hinein reichen, so ist es zumindest des Erwähnens Wert.

Zudem wird mittlerweile auch eine stattliche Palette an Crime und Thriller mit leichten Verweisen in den Actionfilm aufgefahren, die als Genreware für einen Großteil der Klientel schon von vornherein interessant und ansprechend für das Leih- oder Kaufverhalten ist; Vengeance als proklamierter und so propagierter Rape'n Revenge mit entsprechender Aufmachung, Gesinnung und Altersfreigabe spielt dabei (scheinbar) von vornherein schon in dem gleichen 'niederen' und zwischen Aufregung, katalysierender Unterhaltung und explorativen bzw. spekulativen Nervenkitzel befindlichen Segment wie bspw. Tokarev, aber wo auch die etwas besser gestellten Dog Eat Dog, Stolen, Seeking Justice oder Frozen Ground bzw. der außen vor liegende Bad Lieutenant anzusiedeln sind.

Das Rachedrama dabei im Grunde als stets zuverlässiges Subgenre, das von immer denselbigen Voraussetzungen ausgeht und die Klaviatur der Emotionen der Reihe nach am Ausspielen und dies auch mit allen Klischees und mehr oder minder Schwarzweißzeichnungen am Ausschmücken ist. Hierbei der Gang noch ein Stück hinunter in der vermuteten Qualitätsklasse, die Stufen in den modrigen, aber verlockenden Keller der Simplizität und Räudigkeit, die das vorliegende Werk dabei schon in der Vor-Produktion hinab ging; als die geplante Umsetzung des 2003 veröffentlichten Buches "Rape: A Love Story" von Joyce Carol Oates seinen Regisseur Harold Becker und seine 2010 verkündete Darstellerschar mit Samuel L. Jackson, Heather Graham, Abigail Breslin und Dianne Wiest gleich wieder verlor. Zwischenzeitlich war auch Cage selber als Debütant auf dem Regiestuhl angekündigt, was zweifellos auch speziell gewesen und für seine treue Anhängerschaft vermutlich ergiebiger als die recht gemäßigte, ordentliche, aber auch besseren Nebenpart einnehmende Rolle hier wär'. Letztlich nahm mit Johnny Martin ein hauptberuflicher Stunt Coordinator und Second Unit Director Platz, was zu folgenden Plot und seiner Inszenierung führt:

American Falls, Niagara Falls, New York, USA. Als die alleinerziehende junge Mutter Teena Maguire [ Anna Hutchison ] nach einer Party zum Nationalfeiertag bei ihrem jetzigen Freund auf dem Heimweg in Begleitung ihrer 12jährigen Tochter Bethie [ Talitha Bateman ] angegriffen und vergewaltigt sowie niedergeschlagen wird, ist es allein der Tochter zu verdanken, dass sie mit dem Leben davon kommt und im herbeieilenden Polizisten John Dromoor [ Nicolas Cage ] Hilfe und Unterstützung findet. Der angestrebte Gerichtsprozess ist trotz Zeugenaussagen und Beweismaterial allerdings die nächste schwere Hürde, wird von u.a. Irma [ Charlene Tilton ], der Mutter von zwei der vier festgenommenen Beteiligten, die Meinungsmache gegen die junge Frau geführt und auch von dem eingeschalteten Anwalt Jay Kirkpatrick [ Don Johnson ] ein Schmierenprozess mit vor allem der Zerstörung des Rufes der schwer Verletzten und auch psychisch Angeschlagenen geführt. Währenddessen nutzen die noch auf freien Fuß befindlichen Vergewaltiger jede Chance und Möglichkeit, die kleine Familie, die zwischenzeitlich bei der Großmutter untergekommen ist, zu drangsalieren und weiter einzuschüchtern, so dass dem Polizisten bald der Kragen platzt und er das Gesetz in die eigene Hände nimmt.

Eröffnen über den Vorspann tut der Film dabei ganz ähnlich wie Travoltas I Am Wrath, in dem eine rasche Reihenfolge von negativen Zeitungsschlagzeilen (“höchste Mordrate“, “alle wenige Minuten ein Verbrechensopfer“, “Drogenmissbrauch allerorten“) über ebenso allgegenwärtigen, allerdings dadurch die Symptome nicht lindern könnenden Polizeieinsatz geschnitten wird; die Kill City USA, die hoffnungslos der Kriminalität anheim gefallen ist, und wo die Gesetzeshüter meist eher abwesend, nur hinterher am Aufräumen sind und vorher die Arbeit einem Sisyphus würdig und mit ähnlich viel Erfolg gekrönt ist. Die Antwort auf die ungestellte Frage, wie damit und der zunehmend aus der Kontrolle geratenen Situation umzugehen ist, stellt der Film gleich im Anschluss, indem der Protagonist John Schießtraining und dies teils blindlings, mit mehreren verschiedenen Waffen und dennoch stets zielsicher ausübt.

John ist mittlerweile sowieso in dem Zustand, die Augen entweder geschlossen zu halten oder das um ihn herum auf eine Art auszublenden, agiert er in mehreren anfänglichen Situationen recht 'unbeteiligt' oder allerhöchstens passiv, was auf seinen ersten Einsatz (und einzige richtige Actionszene), das Stellen eines observierten Verdächtigen ebenso zutrifft wie den dabei stattfindenden Tod seines Partners und den direkt daran anschließenden Flirt des späteren Opfers, in der er auf die recht offensive, 'lebensfreudige' Art der Frau im Grunde auch nur und selbst dies recht schwach reagiert. Ein Bezug zu seinem Partner, der ihm kurz vor der komplett aus dem Ruder laufenden Verhaftung (natürlich) von der bevorstehenden Hochzeit und dem gekauften Ehering erzählt ist dabei ebenso wenig herzustellen wie zu Teena, die allerdings noch etwas mehr Einfluss auf ihn ausgeübt hat; wobei dann aber erst die zwölfjährige Tochter tatsächlichen Kontakt von ihm zur Umwelt um ihn herum herstellt, was schlichtweg an ihrer Stärke und Präsenz liegt und auch mit Abstand die stärkste Rolle und die stärkste und auch schwierigste darstellerische Leistung ist.

Der Angriff auf Mutter und Tochter und auch das Vorgeschehen, eine private Feier im Vorgarten zu nächtlichen Feuerwerk sowie die anschließende Abkürzung auf dem Heimweg, die fatal ist, wird aus der Sicht des Mädchens erzählt; eine kurze, abrupte, wilde Attacke, der die Kleine körperlich entfliehen kann, aber bewusst alles mitbekommt, während die Mutter hinterher physisch schwer verletzt ist, aber sich nicht erinnern kann (und das Geschehen auch äußerst kurz angedeutet und nicht etwa spekulativ bzw. exploitativ ausgeschlachtet wird). Eine Umkehr der Rollen findet statt, in der die Jüngste im Bunde – später kommt noch die (hysterische) Großmutter Agnes [ furchtbar: Deborah Kara Unger ] hinzu – stets und zuverlässig die meiste Verantwortung zeigt und mit Abstand die meiste Reife, was sich auch stärkend auf den Film auswirkt, der dann eher zum ehrenwert einfachen Drama (ohne wirkliche neue Erkenntnisse, noch nicht einmal mit einer Diskussion oder Abwägung des Gezeigten) wächst.

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