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Wer beim Franchise um „Saw“ einige Male als Editor arbeitete und bei zwei Teilen selbst Regie führte, sollte sich mit den Mechanismen des Terrors auskennen. Mehr noch. Kevin Greutert war seinerzeit an „The Strangers“ beteiligt, einem Aushängeschild in Sachen Home Invasion. Sein „Jackals“ schlägt eine sehr ähnliche Richtung ein, erreicht trotz Potentials aber nie die angemessene Intensität.

März 1983: Familie Powell engagiert einen ehemaligen Marine (Stephen Dorff) um ihren Sohn Justin (Ben Sullivan) aus den Fängen eines Kults zu befreien. Doch dieser wehrt sich mit allen Kräften und muss an einen Stuhl fixiert werden. Derweil haben zahlreiche Mitglieder der Sekte das Landhaus ausgemacht und umstellt und es ist eine Frage der Zeit, bis sie eindringen werden…

Als Exposition gönnt sich Greutert eine kleine Hommage in Richtung „Halloween“, als jemand per Egoperspektive in ein Haus eindringt, um schließlich ein paar Leute umzubringen und sich eine Maske überzustreifen. Danach geht es direkt zur Entführung von Justin, der sich mit einem Kumpel auf der Straße befindet und aufgrund eines Plattens zum Anhalten gezwungen wird.

Leider währt das moralische Dilemma nicht allzu lang, welches angeblich auf wahren Ereignissen beruhen soll. Warum einen mündigen Sohn entführen, der sich augenscheinlich komplett von der Familie abgewandt hat, um diese und die eigene Identität zu leugnen? Natürlich ist es eine Form von Selbstjustiz, um einer offensichtlichen Gehirnwäsche entgegenzuwirken und an die ursprünglichen Gefühle des Mittzwanzigers zu appellieren, der immerhin frisch gebackener Vater ist.

Doch mit derartigen Fragestellungen hält sich der Stoff nicht lange auf, ignoriert den Background der Sekte komplett und lässt diese als stumme Bedrohung mit Schakal-Masken erscheinen, was durchaus Wirkung zeigt und zur bedrückenden Atmosphäre beiträgt.
Allerdings, je länger die Belagerung anhält, umso unwahrscheinlicher gestaltet sich das Szenario und die Haltung der Familie, sich stoisch gegen eine Übermacht von zwei Dutzend Gegnern zu stellen, wodurch Opfer auf Dauer nicht ausbleiben.

Allzu drastisch sind die wenigen Gewalteinlagen nicht gestaltet. Es stechen Messer und Dartpfeile zu, ein Bauch wird ansatzweise aufgeschlitzt, Hände brennen und ein Kehlenschnitt wird vollzogen, immerhin alles handgemacht. Score und Sounduntermalung fallen nicht weiter auf, wogegen die Mimen (unter anderem noch Deborah Kara Unger und Johnathon Schaech) durch die Bank überzeugend performen.

Home Invasion der austauschbaren, wenn auch nicht gänzlich langweiligen Art: Aus dem Background der moralischen Komponente mit der Sekte hätte sich deutlich mehr herausholen lassen und auch der Terror durch die Eindringlinge wird nie so ganz auf die Spitze getrieben, während diverse irrationale Verhaltensweisen leichte Sympathiewerte kosten.
Durchaus spannend und versiert in Szene gesetzt, doch das gewisse Etwas fehlt.
6 von 10

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