Yesterday, der 2002 leider zu Recht in den südkoreanischen Kinos auf die Schnauze fiel, hat mit soviel Problemen zu kämpfen, dass die wenigen guten Szenen oder Ideen auf der Strecke bleiben.
Der Film ist schlicht und ergreifend sterbenslangweilig. Die ganze Geschichte zieht sich so unendlich in die Länge. Die Schauspieler reden ständig zu leise, zu gefühllos und haben sowieso nur belanglose und wenig intelligente Dialoge – die zum Ende hin länger und entsetzlich melodramatisch werden. Die Musik ist überraschend unspektakulär. Selbst die Actionszenen, die regelmäßig in die Handlung eingeflochten wurden, schaffen es nur mit viel Müh’ mich Wachzuhalten – selten so einen zahmen DTS Sound in einem asiatischen Actionfilm des neuen Jahrtausend gehört.
Ein weiteres Problem ist, dass es dem Film nicht gelingt die Zuschauer im richtigen Moment mit Informationen zu versorgen, in die Irre zu führen oder sonst wie bei der Stange zu halten. Man weiß viel zu lange nicht, was eigentlich Sache ist und wenn man dann in der zweiten Hälfte langsam ein bisschen Background-Info erhält, ist es zu kompliziert und auch nicht wirklich überraschend.
Der Zusammenschluss Koreas ist für den Film unbedeutend. Die „Inter-City“ mit ihren CGI-Wolkenkratzern und ihren fliegenden Werbetafeln ist nur Zierde und weder originell noch notwendig, geschweige den realistisch. Alles in allem ist das Jahr 2020 Ambiente verschenkt. Selbst ohne den Film bewusst in die nahe Zukunft zu verlagern, könnte die Geschichte funktionieren, wenn man sie etwas sauberer ausgearbeitet hätte. Hier ist vieles unnötig und der Film konzentriert sich zu sehr auf die technischen Spielereien.
Die Ermittlungsarbeiten der Polizei ist lächerlich und wir nur von Zufällen vorangetrieben. Zudem wird den Nebendarstellern keinerlei Beachtung geschenkt. Kim Seon-ah kann das mit dem netten Tattoo unter dem linken Auge und ihren engen Klamotten etwas kompensieren. Der Rest geht völlig unter. Die Hauptdarsteller Kim Seung-woo und Kim Yun-jin sind beide erstklassige Schauspieler, in Yesterday sieht man aber gar nichts davon. Sie wirken genauso lustlos und gelangweilt, wie der ganze Film. Absicht?
Der Film überlädt sich so sehr mit seiner Moral, seiner pseudointellektuellen Geschichte, seiner uninteressanten Charaktere und den Unzulänglichkeiten des Drehbuchs, dass man nur schwer glauben kann, dass die eigentliche Inszenierung größtenteils auf hohem Niveau ist. An der Kameraführung, am Set-Design und beim Schnitt gibt es nicht viel auszusetzen. Die für diese Geschichte eigentlich zu häufig auftretenden Actionszenen sind bis auf eins, zwei Ausnahmen makellos inszeniert und könnten für sich gesehen überzeugen. Da aber die teils ausschweifenden Shootouts so gar nicht zum lahmarschigen Rest passen wollen und sich eigentlich nur aus dümmlichen Nebenplots ergeben, machen sie den Film auch nicht besser. In einem Land, in dem sogar romantische Komödien harte Actionszenen haben können, kann man damit nicht mehr punkten.
Empfehlen kann man den Film eigentlich keinem. Leider.