Remakes aus Hollywood lassen meistens nicht lange auf sich warten, vor allem, wenn dem Original ein ungeahnter Erfolg vorausgegangen ist, wie es in den letzten Jahren primär bei europäischen Produktionen der Fall war. Am eher unbekannten TV-Thriller „Schwarzer Schmetterling“ orientierte sich Regisseur Brian Goodman und bastelte daraus ein Kammerspiel mit hochkarätiger Besetzung.
Schriftsteller Paul (Antonio Banderas) hat sich in ein einsam gelegenes Holzhaus in den Bergen zurückgezogen und tüftelt bislang vergebens an seinem neuen Skript. Als er in einem Diner an einen aggressiven Trucker gerät, hilft ihm der Reisende Jack (Jonathan Rhys Meyers) aus der Bredouille. Aus Dankbarkeit lässt Paul den Mann in seinem Haus übernachten, welcher in den nächsten Tagen einige Reparaturen am Gebäude übernimmt. Doch mit der Zeit offenbart Jack seinen wahren Plan…
Es ist die Geschichte eines heruntergekommenen Schriftstellers, wie sie auch von Stephen King stammen könnte, wobei der Grundaufbau tatsächlich ein wenig an „Mysery“ erinnert. Von der Frau verlassen greift Paul bereits nach dem Aufstehen zu Hochprozentigem, gammelt den Tag vor sich hin, häuft Unordnung und Unrat an und will möglichst rasch das Haus verkaufen, weshalb er Maklerin Laura (Piper Perabo) engagiert hat. Bei Jack hingegen ahnt man vorzeitig, dass dieser junge, impulsiv wirkende Bursche jederzeit die Bombe platzen lassen könnte, was sich bereits mit der Intervention im Diner ankündigt.
Komplett auf die beiden unterschiedlichen Männer fokussiert, entwickelt sich ein Psychoduell, welches seine Spannung aus der Unberechenbarkeit, den zwielichtigen Absichten der Protagonisten bezieht. Will Jack vielleicht nur die Ideen des Schriftstellers für seine eigenen Zwecke nutzen oder gar dafür sorgen, dass Paul das Trinken aufgibt? Oder ist der einfach nur psychopathisch veranlagt und sucht nach einem erwähnten Knastaufenthalt einen weiteren Schauplatz für Terrorspielchen? Auch bei Paul ist nie ganz klar, wie er sich den Gewaltspitzen des Fremden gegenüber zur Wehr setzt, zumindest lässt er sich nie unterbuttern.
Die Inszenierung Goodmans bleibt bodenständig, es gibt ein paar recht gelungene Naturaufnahmen, gekonnt gesetzte Schnitte mit ordentlichem Timing und natürlich zwei Mimen, welche die 90 Minuten locker stemmen können. Beide geben sich nichts und überzeugen mit Ambivalenzen, vielen Nuancen und Zurückhaltung im richtigen Moment. Dagegen kommt Perabo mit ihrer zugegebenermaßen recht undankbaren Figur kein Stück an.
Bis zu einem gewissen Zeitpunkt fühlt sich der Stoff wie der übliche Belagerungsterror an, zwar mit einigen Logiklücken behaftet, aber latent spannend. Dann allerdings werden zwei Wendungen ins Spiel gebracht, welche die Geschichte merklich vom Einheitsbrei abheben lassen, durchaus im positiven Sinne.
So bietet sich ein schlicht inszenierter, jedoch raffiniert aufgezogener Thriller mit zwei sehr starken Mimen, der von A bis Z hervorragend unterhält und aus der simplen Prämisse und den einfachen Gegebenheiten recht viel herausholt. Keine schlechte Wahl für Freunde des Genres, die eher die schleichende Spannungssteigerung bevorzugen.
7 von 10