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Der amerikanische Spion Steve Trevor, der zu Zeiten des ersten Weltkriegs auf der Insel Themyscira mit dem Flugzeug abstürzt, bringt das dort im Geheimen lebende Heer von Amazonen ganz schön in Aufruhr, denn er hat nicht nur ein Rudel deutsche Soldaten im Rücken (die allerdings schnell aufgemischt sind), sondern schockt die anwesenden Kriegerinnen auch mit seinen Horror-Stories von der Front. Diana, Tochter der Amazonen-Königin, meint prompt, in dem globalen Konflikt das Werk des Kriegsgottes Ares zu erkennen und macht sich zusammen mit Steve auf nach London, um dem deutschen General Ludendorff, den sie für Ares hält, den Hahn zuzudrehen... Es ist zwar ganz schön, nach "Man of Steel", " Batman v Superman" und "Suicide Squad" mal einen DC-Streifen zu sehen, der nicht völlig beschissen ist, dennoch erscheint mir die durchweg positive Resonanz von Seiten der etablierten Kritik etwas übertrieben, denn für meine Begriffe ist auch "Wonder Woman" bestenfalls nur ein Superhelden-Filmchen von der Stange geworden, dem man allenfalls zugute halten kann, dass es mit seiner zur feministischen Ikone aufgebauschten Titelheldin (mit Bondage-Subtext!) sehr zeitgeistig geraten ist, das aber ansonsten auch so sein Päckchen zu tragen hat. Das gesamte Amazonen-Gedöns, das das erste Drittel der Laufzeit bestimmt, ist nämlich - mal unverblümt gesagt - eine ziemlich peinliche Kacke, und die nach Dianas Überfahrt nach London abgefeuerten Fish-out-of-water- und Kultur-Schock-Gags waren schon in den 80ern lame. Die Verortung im Kontext des übrigen filmischen DC-Universums (eben als Puzzle-Teilchen der anderen genannten Streifen) zieht "Wonder Woman" noch mal zusätzlich runter. Positiv verbuchen kann man, dass Regisseurin Patty Jenkins (deren ähnlich hochgelobten "Monster" ich damals auch nicht gerade umwerfend fand) spürbar bemüht ist, einen einheitlichen Ton zu treffen und inmitten des ganzen Comic-Gewurschtels so'n bisschen Ernsthaftigkeit einfließen zu lassen, und ihr das auch weitestgehend gelingt, da sie wohl im Gegensatz zu David Ayer nicht hart an die Produzenten-Kandare genommen wurde... aber der Zyniker in mir möchte da fast die Behauptung in den Raum stellen, dass das nur der Fall war, weil die verantwortlichen Leute bei Warner und DC eh nicht viel auf diesen "Mädchendreck" gegeben haben. Nun ja, wie auch immer. Man muss sich ja über jeden Film freuen, bei dem Sack Schneider nicht federführend gewesen ist, auch wenn "Wonder Woman" nicht mal der beste Superhelden-Streifen mit Weltkriegs-Setting geworden ist, denn selbst den ersten "Captain America" fand ich wesentlich stärker (also, den zweiten ersten, meine ich, nicht den von Pyun!)...

6/10

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