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Auf der vor der Welt verborgenen Insel Themyscira leben die Amazonen, von Zeus geschaffene Streiterinnen für den Frieden. Ihr Ziel ist es, den Gott des Krieges Ares an dessen Rückkehr zu hindern. Diana, Tochter der Königin Hippolyta, wächst unter ihnen auf und staunt nicht schlecht, als eines Tages Steve Trevor an die Küste gespült wird. Eine folgenschwere Begegnung, denn draußen in der Welt tobt der Große Krieg und so Diana überzeugt ist, dass dies Ares' Werk ist, folgt sie Steve in Richtung London.

Nach ihrem kurzen und effektreichen Auftritt in „Batman v Superman“ (2016) inszenierte Patty Jenkins das erste Soloabenteuer der wohl bekanntesten Superheldin. Und dieser bezieht einen Großteil seines Reizes aus dem Aufeinandertreffen verschiedener Welten und Anschauungen.
Dies funktioniert auf der humorvollen Ebene ebenso wie auf der dramatischen. Diana, die aus einem Reich starker Frauen stammt, wirkt in der männerdominierten Welt anno 1918 wie ein Fremdkörper, muckt zum Entsetzen manches Bartträgers auf und kommentiert die Rolle der Frau an sich in dieser Realität. Weiterhin prallen hier Definitionen von Ehre und der Sinnhaftigkeit des Krieges aufeinander, ebenso der Umgang mit diesem Zustand. Und hier findet auch eine charakterliche Entwicklung statt, immerhin etwas. Bleibt Diana merklich idealistisch (und auch stur), wird dies durch die fortlaufenden Erfahrungen mit der Menschheit, ihren Taten und Gräueln aufgeweicht und relativiert. Auf dieser Ebene funktioniert „Wonder Woman“ recht gut.

Weniger gut verhält es sich da mit den Actionsequenzen, wobei man hier differenzieren kann. Denn sie sind durchaus chic durchkomponiert und choreographiert, Kamera und Stil ansprechend und manch Snyder'sche Zeitlupe hat sich auch eingeschlichen. Leider wirken die digitalen Effekte aber immer wieder derart künstlich, dass sie aus der Immersion reißen. Überhaupt wirkt gefühlt jede dritte Szene wie vor einer blauen Wand aufgenommen, gerade was Hintergründe angeht. Oder beispielsweise die Klopperei am Strand, die stellenweise wie eine Zwischensequenz aus einem Videospiel wirkt.
Das ist ob der erwähnten positiven Gestaltung schade, wobei der Showdown davon ausgenommen ist. Dieser ist überwiegend öde und besitzt keinen Rhythmus, dafür viel Gebabbel und generischen Wumms. Apropos Gerede. Mir war gar nicht bewusst, dass man im Kaiserreich sogar untereinander englisch gesprochen hat. Das wirkt irritierend und ergibt nicht viel Sinn.
Tonal gibt man sich nicht so finster wie Snyder und mischt mehr durch. Die bunte Insel ist ein sichtbarer Gegensatz zur „Realität“, die mit entsättigten Farben daherkommt. Trotzdem ist das hier nicht so bleiern schwer und hat auch mal den ein oder anderen heiteren Moment zu bieten, schafft aber entsprechend der Schlachtfeld-Thematik ebenso Raum für Ernsthaftigkeit.

Das Ensemble ist überwiegend eine runde Sache. Gal Gadot in der Hauptrolle ist in Ordnung, der ihr zur Seite gestellte Chris Pine als Steve ebenso. Auf dem Weg zur Front sammelt man noch eine bunte Sidekick-Truppe ein und obwohl man nicht übermäßig viel über die Figuren erfährt, kann man zu ihnen schnell eine Verbindung aufbauen. Mit David Thewlis, Connie Nielsen und Robin Wright sind auch Nebenrollen noch prominent besetzt.

In einem angenehm unverbrauchten Setting im Genre gibt „Wonder Woman“ einen zwar gelungenen Solo-Einstand, doch leidet Jenkins' Film merklich unter seiner artifiziellen Präsentation, die (zu) oft die eigentlich toll choreographierten Sequenzen beschädigt. Nicht alles können die Figuren auffangen, der generische Endkampf vermag nicht mitzureißen und überhaupt ist die Chose zu lang geraten. Trotzdem macht die Amazone insgesamt ausreichend Laune. Unterlegt von einem treibenden Soundtrack, garniert mit manch schönem Bild und der ein oder anderen Reflexion über das Wesen der Menschheit.

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