Erst die Manga-Verfilmung, dann der Realfilm und nun die Amerikanisierung, - Fans des Originals werden sich wahrscheinlich verächtlich abwenden, zumal die Zielgruppe auf ein junges Publikum zugeschnitten ist und dabei wenig Tiefe zulässt. Doch immerhin weiß Regisseur Adam Wingard, wie diverse erzählerische Mankos mit versierter Optik auszubügeln sind.
Schüler Light Turner (Nat Wolff) fliegt eines Tages sprichwörtlich ein ominöses Buch mit dem Titel „Death Note“ zu. Nachdem Dämon Ryuk (Willem Dafoe) die Regeln erklärt, probiert Light das Todesspiel an einem verhassten Mitschüler aus, welcher Sekunden später prompt stirbt. Nachfolgend suchen er und Freundin Mia (Margaret Qualley) weltweit Kriminelle, um sie der tödlichen Gerechtigkeit zuzuführen, während FBI-Mann L (Lakeith Stanfield) ihnen bereits auf der Spur ist…
Eigenständig betrachtet ist Wingard ein überaus temporeicher, zum Ende hin beinahe schon überhasteter Film gelungen, der kaum eine Atempause einlegt. Light ist als Außenseiter mit cleveren Sprüchen durchaus ein Sympathieträger, Mia ein kleiner Hingucker und Ryuk ein optisch ansprechend gestalteter Todesdämon, der im Deutschen durch die Synchro von Reiner Schöne perfekt ins teils makabere Geschehen passt.
Phasenweise erinnert das Treiben an eine Mischung aus „Donnie Darko“ und „Final Destination“, vor allem im ersten Drittel, als Light den fiesen Schüler erneut beim Drangsalieren beobachtet, seinen Namen ins Buch schreibt und darunter Enthauptung als Todesart notiert, was kurz darauf mit einer kleinen Kettenreaktion einhergeht. Allerdings gestaltet sich nur die erste Hälfte etwas blutiger, in der zweiten dominiert eher die Action mit einer dynamisch in Szene gesetzten Verfolgung und einem gelungen Showdown auf einem beleuchteten Riesenrad.
Unter dem enorm flotten Tempo leiden schließlich die mageren Figurenzeichnungen und einige moralische Fragen hinsichtlich des Todesbuches: Wen soll man sterben lassen, welche Regeln müssen beachtet werden und wieso ist nicht bereits einer der Vorbesitzer auf die Idee gekommen, Schwerkriminelle auszurotten? Mit etwas mehr Laufzeit hätte man noch ein wenig auf jene Aspekte eingehen können, was dem Stoff insgesamt ein wenig die Seele vorbehält.
Die teils tollen Kameraperspektiven, der gelungene, phasenweise recht eingängige Score und die effektive Beleuchtung sind definitiv auf der Habenseite zu verbuchen und auch darstellerisch gibt es nichts anzukreiden, wobei Dafoe erst während des Abspanns bei einigen Outtakes gezeigt wird, ansonsten jedoch nicht zu erkennen ist.
Unabhängig vom Original bietet sich ein kurzweiliger, wenn auch nicht latent spannender Streifen, der deutlich auf ein junges Zielpublikum zugeschnitten ist. Das Tempo stimmt, an der Tiefe hapert es, wogegen einige Twists gegen Ende etwas zu konstruiert daher kommen.
Unterm Strich lockere Unterhaltung zum Abschalten.
Knapp
7 von 10