Der 17jährige Light Turner versucht auf dem Schulhof, einer Mitschülerin zu imponieren, indem er ihr seine Hilfe anbietet, als sie von einem größeren Mitschüler dumm angemacht wird. Ehe er sichs versieht, liegt er mit Brummschädel am Boden. Die Mitschülerin wollte seine Hilfe gar nicht und schweigt, und da ihn die anderen wegen Unterschleif anschwärzen, sitzt er mit einer Schramme beim Direktor, der sich seine Geschichte gar nicht anhören will. Typischer Fall von Loser?
Jedenfalls regnet es wortwörtlich ein Buch aus den Wolken, und während Light zur Strafe nachsitzen muß, verwüstet ein Fabelwesen den Arrestraum und erklärt den Gebrauch dieses tödlichen Büchleins...
Das amerikanische Remake einer mehrfach verfilmten japanischen Manga-Serie fängt recht trostlos an, kommt dann allerdings schnell zur Sache: Der junge Polizistensohn, der ohne Mutter beim Vater aufwächst, ist von der Idee, den Namen einer ihm bekannten Person in ein Buch zu kritzeln, während er sich dessen Gesicht vorstellt, begeistert. Wen hätten wir denn da zum ausprobieren? Na, den Schläger von vorhin natürlich. Gesagt, getan. Und siehe da, schon kommt ein Lieferwagen von der Strasse ab und dessen aufs Dach geladene Leiter wird zur tödlichen Guillotine für den Kerl. Es "suppt" ganz schön in diesem Augenblick, und "eigentlich ist sein Kopf in Stücke gesprungen", wie Light später nicht ohne Stolz feststellt.
Ganz begeistert von den sich auftuenden Möglichkeiten dieses Todes-Büchleins kennt der Gesetzeshüter-Sproß bald keine Grenzen mehr, besonders nicht, seitdem die Mitschülerin Mia ihm Gesellschaft leistet. Mia, das ist die Brünette aus der Anfangsszene, die ausschließlich an dem Buch und weniger an dem Trottel, der sich für sie eine Beule geholt hat, interessiert ist. Das alles merkt Light nicht, und wohlwollend übersieht er das ebenfalls im Buch enthaltene "Kleingedruckte", welches sich für manche Todesnotiz bald als hinderlich und sogar gefährlich herausstellt. Einstweilen hat er große Pläne, will das weltweite Verbrechen auslöschen, bricht hierzu in des Vaters Polizei-Computer ein und hat mittels Namen und Bildern bald hunderte Kriminelle weltweit ermordet/ermorden lassen.
Bei Letzterem bemerkt man die für amerikanische Verhältnisse ungewohnte weltweite Dimension, auch kommen alsbald fernöstliche Motive ins Spiel, die dem Original geschuldet sind. Nachdem Manga & Anime relativ spurlos an mir vorübergegangen sind, kann ich bei meiner Kritik auf das Original keine Rücksicht nehmen. Allfällige negative Beurteilungen, die eine Verwestlichung resp. Amerikanisierung des Originals bemängeln, mögen vielleicht zutreffend sein - ich selbst beurteile Death Note wie einen üblichen Mystery-/Horror-/Slasher-Thriller westlichen Zuschnitts. Und in diese Kategorie passt der Film durchaus...
Sehr überzeugend ist die Bildtechnik und Kameraführung. Zu einigen gelungenen CGI-Tricksereien, denen man ihre Studio-Herkunft nicht ansieht (wie beispielsweise das kollabierende Riesenrad am Schluß) kommen interessante Kamerafahrten wie jene, die in großem Tempo einen Raum rückwärts durchquert und dann auf einem farblich hervorgehobenen Becher voller Bonbons verharrt... oder der anfangs erwähnte Sturm im Klassenzimmer, all dies ist sehenswert und technisch einwandfrei realisiert.
Gewiss muß man auch Abstriche machen - die Story des fernöstlichen Top-Agenten, der mit verhüllter Visage zu ermitteln beginnt (um nicht im Buch zu landen, da er sein Gesicht nicht zeigt) ist ein wenig weit hergeholt, auch wenn Keith Stanfield als geheimnisvoller Ermittler "L" die mit Abstand beste darstellerische Leistung in Death Note bietet. Einige verzwickte Regeln des Todesbuches - so kann man auch Leute zu einer bestimmten Uhrzeit Dinge tun lassen - treffen den Zuseher unvorbereitet und geben bis zu deren gewollter, erst nachträglicher Erklärung Rätsel auf. Dass Lights Vater, ein emotionslos-langweiliger Cop vom Typ "Buchhalter" die Ermittlungen gegen den weltweit unter Pseudonym agierenden Killer aufnimmt, ist ziemlich unglaubwürdig. Wirklich überflüssig ist jedoch der optische Auftritt des eigentlichen Buchbesitzers, des Todesgottes Ryuk: Ein unter Tonnen Make-up versteckter Punk mit langen Stacheln und rotglühenden Augen, der hauptsächlich durch sein gekünsteltes "Ha-ha-ha" auffällt - bis zum geht-nicht-mehr lächerlich. Gottseidank hat die Kackbratze nur wenig screentime und noch weniger Text.
Mit zunehmender Filmdauer geht es nur noch um die Eintragungsregeln im Todesbuch, die den miträtselnden Zuseher über so manche Logiklöcher hinwegspringen lassen - etwa so wie Light auf der finalen Flucht, die - allerdings etwas vorhersehbar - in einem fulminanten Showdown auf einem hellerleuchteten Riesenrad endet. Während seine nur an dem mächtigen Buch interessierte Freundin hart am Asphalt aufschlägt, wird Light sequelverdächtig gerettet - ein unterhaltsames Spektakel findet damit sein (vorläufiges) Ende. 7 Punkte.