Ecorcisme ist ein unglaublicher Film vom spanischen Vielfilmer Jess Franco- und das ist weder positiv noch negativ gemeint. Er entstand in einer Phase nach der, von mir jetzt mal sogenannten, Jungfrauen-Trilogie und vor den unsäglichen WIP (Frauen im Gefängnis)- Filmen mit dem einschlägig bekannten schweizer Produzenten Erwin C. Dietrich.
In Exorcisme spielt Franco selbst die Hauptrolle als krankhaft Getriebener, der sich voyeuristisch an den Sex- und Lesbenspielen seiner- für einen Franco-Film typischen- freizügigen Nachbarinnen ergötzt und glaubt, sie dennoch für ihr sündiges Treiben bestrafen zu müssen. Er spielt dies relativ glaubwürdig und nimmt ihm seine innere Zerrissenheit wahrlich ab.
Man kann nicht sagen, dass der Film unbedingt spannend ist oder einen gar mitreißt- eigentlich ganz im Gegenteil- aber dennoch strahlt er eine gewisse Faszination auf den Betrachter aus, der somit selbst zum Voyeur wird. Man ist gespannt und angewidert zugleich wie sich unserer Held nun weiter verhalten wird. Die Szenen dazwischen sind purer Trash einer ziemlich seltsamen Fantasie des Regisseurs. Am ungeheuerlichsten, aber auch unfreiwillig komischsten, ist die Szene, in der der besessene Jess (oder sollte ich hier lieber sagen Jesus) auf die schlafende Frau einsticht und man in Nahaufnahme eindeutig sieht, dass er gerade eine abgehangene Schweinehälfte malträtiert. Ist das nun unglaublich dilettantisch oder beabsichtigt? Auf jeden Fall unglaublich!
MIr persönlich besser gefällt eine andere Version dieses Films, die um das Jahr 1980 unter dem Titel The Sadist Of Notre-Dame erschienen ist. Dieses Werk besteht zwar aus rund zwei Dritteln des eben besprochenen Films- das neu gedrehte Material wurde, gelinde gesagt, nicht gerade sehr professionell eingefügt- kann aber als Gesamtes etwas mehr überzeugen, da hier außerdem seine Kritik an der scheinheiligen politischen und katholischen Komponente besser oder zumindest mehr zum Ausdruck kommt. Anscheinend lag ihm diese Thematik sehr am Herzen, ansonsten wäre dieser Film nicht in so vielen unterschiedlichen Versionen erschienen.
Abschließend sei angemerkt, dass es noch eine wesentlich kürzere Fassung namens Sexorcisme gibt- aber dafür kann man hier laut Gerüchten den Meister selbst in voller Herdcore-Aktion bewundern!
Für einen der bekannteren Filme des Spaniers, den jeder Trash-Freund mal gesehen haben sollte vergebe ich
6 / 10 Punkte
für die 1980er Version einen halben Punkt mehr