Bei genauerer Betrachtung ist Schneewittchen nicht gerade das beste Werk der Grimm-Brothers, wenn es auch zu den weltweit populärsten gehört.
Denn womit soll ein Kamm vergiftet sein, der nur im Haar wirkt, beim Herausziehen ist die Wirkung aber schlagartig verschwunden? Oder der Apfel. Wenn die garstige Königin den Apfel vorher vergiftet und ihn hinterher teilt, müsste sich das Gift im Innern ja verteilt haben und selbst wenn Schneewittchen die vergiftete Hälfte isst, müsste ihr Blut vergiftet sein, da reicht nicht ein Ausspucken des Apfelstückes (mal davon abgesehen, - kaut die nicht? Wird nicht verdaut?) – Okay, ein Märchen und in der Version der Defa von 1961 leider noch nicht einmal eine sonderlich liebevoll inszenierte.
Denn was sonst die detailverliebte Ausstattung der Defa-Studios erreicht, bleibt hier äußerste Mangelware.
Man will dem Zuschauer tatsächlich weiß machen, Schneewittchen ginge lange Zeit einen weiten Weg durch den Wald, obgleich sie dreimal am selben Baum, erkennbar am großen Pilz unten links vorbeikommt. Auch der Zauberspiegel der garstigen Königin wurde phantasielos umgesetzt. Blinkende Lichter am Holzrand und noch nicht einmal ein sprechendes Gesicht im Mittelpunkt, sondern das schlichte Spiegelbild der Fragenden.
Lediglich die Kostüme können sich sehen lassen, obgleich man bei Schneewittchens Unterrock darauf hätte achten sollen, keins mit welken Ärmeln und dann auch noch in Hautfarbton zu wählen. Na gut, Nebensächliches.
Allerdings leidet auch die Handlung an Oberflächlichkeiten, was nicht nur an der kurzen Laufzeit von gerade einmal 58 Minuten liegt.
Allein die erste Begegnung zwischen Schneewittchen und den sieben Zwergen fällt viel zu knapp aus, stattdessen räumt man den Individuen der Zwerge nicht nur Vornamen, sondern auch kleine Running Gags ein, die allerdings nur bei den ganz jungen Zuschauern fruchten dürften. Die Arbeit beim Erz- und Gold-Abbau wird im Vergleich zum klärenden Gespräch nach dem ersten missglückten Anschlag der bösen Stiefmutter viel zu lang fokussiert.
Auch hier wird deutlich, dass die Inszenierung mehr für die ganz junge Zielgruppe konzipiert ist und für Emotionen außerhalb vom kollektiven Fröhlichsein kein Platz bleibt.
Das fällt besonders nach dem vorübergehenden Tod von Schneewittchen auf (ist kein Spoiler, ich setze Kenntnis des Märchens voraus), als der rettende König eher nekrophil um den Glassarg herum schlawenzelt und dabei betont, wie schön die Tote doch ist, - von Trauer und Entsetzen keine Spur, es mag aber auch am dummen Schauspieler liegen, dessen Dauergrinsen zu keiner Szene weicht.
Dafür haben sie das Finale recht geschickt und jugendtauglich hinbekommen, so dass am Ende doch eher die Mehrheit zufrieden gestellt sein dürfte.
Dennoch, für Defa Verhältnisse versprüht der Streifen nicht allzu viel Charme, die Darsteller sind zwar größtenteils gut besetzt, doch darstellerisch kann niemand glänzen und auch nicht wirklich überzeugen.
Positiv sticht noch die musikalische Untermalung ins Ohr, die teilweise auf einen kompletten Szenenablauf abgestimmt ist und die Maskerade der Stiefmutter zur alten Verkäuferin, bzw. zur Magd ist gut gelungen.
Verfilmungen gibt es viele und auch einige gute (die mit Sigourney Weaver als fieses Weib lassen wir mal außen vor), die eine breite Publikumsmasse ansprechen, doch hier fallen der recht minimalistische Stil und die Oberflächlichkeit der Erzählung eher negativ ins Auge.
Was bleibt, ist locker anspruchslose Unterhaltung, beschwingte Laune, aber kein liebevoll umgesetztes Märchen für die breite Masse.
5 von 10