Review
von Leimbacher-Mario
Auf Reise zu sich selbst
„Orbiter 9“ ist das letztjährige „I Am Mother“. Nur aus Spanien. Beide auf Netflix (zumindest international), beide atmosphärisch und auch thematisch recht ähnlich, beide zu empfehlen für Sci-Fi-Fans. Diese futuristische spanische Geschichte erzählt von einer jungen Frau in einem Raumschiff auf dem Weg zum Erwachsensein und zu etlichen weiteren Fragen, Erkenntnissen und Überraschungen... Mehr kann und will man nicht verraten. Eigentlich ist das schon fast zu viel. Einfach drauf einlassen und positiv überraschen lassen - ich bin mir ziemlich sicher, dass die meisten Zuschauer diesen Tipp nicht bereuen werden...
„Orbiter 9“ sieht klasse aus, futuristisch aber definitiv noch in unserer Realität und Gegenwart verankert. Dass die Spanier Thriller können, weiß man mittlerweile. Dass sie auch intelligentes Sci-Fi-Kino verstehen, irgendwo zwischen „Moon“ und einer Episode „Black Mirror“, ist neu. Aber sehr erfreulich und gerne genommen. Allzu viel soliden Nachschub in dieser Kategorie gibt es ja nicht. Weder auf Netflix noch im Kino. Die Hauptdarstellerin Clara Lago ist nicht nur hübsch und attraktiv, sondern agiert vor allem klasse, glaubhaft, nuanciert und ruhig. Außerdem spielen das Setdesign und der Look allgemein weit über seinem Budget. Immer wieder erstaunlich, wie kleine, feine Sci-Fi-Streifen ihr übersichtliches Budget hinbiegen. Die Geschichte und ihre Haken sind zwar nicht immer völlig neu und überraschend, die Liebesgeschichte wirkt etwas steril und leidenschaftslos, die Auflösung bzw. das letzte Drittel verläuft mir etwas sehr unspektakulär, fast antiklimaktisch - doch insgesamt kickt das Ligen über den üblichen Sci-Fi-Netflix-Aufkäufen ala „Tau“ oder „Extinction“. Ein „Annihilation“ ist es aber jedoch nicht.
Fazit: spanisches Science-Fiction-Schmankerl mit kleinen Abstrichen, das aus wenig mehr macht und äußerst fein anzusehen ist. Spannend und sensibel, für „Space“-Gourmets. Oder wie eine (leicht unterdurchschnittliche) Folge „Black Mirror“. Umso weniger man weiß, desto besser wird man unterhalten...