Obgleich es nach seinem Debüt „Nightwatch – Nachtwache“ mit Regisseur Ole Bornedal auf und ab, vor und zurück ging, gelang es ihm stets, einen gewissen Unterhaltungswert zu sichern. Mit der schwarzen Komödie „Small Town Killers“ geht es zurück in die dänische Heimat, in der die Idylle mal wieder mächtig trügt.
Die Maurer Ib (Nicolas Bro) und Edward (Ulrich Thomsen) haben arbeitstechnisch ordentlich Kohle beiseite geschafft, doch aus der jeweiligen Ehe ist dermaßen die Luft raus, dass eigentlich nur die Scheidung infrage kommt. Was allerdings zuviel Geld verschlingen würde, weshalb Edward im besoffenem Kopf auf die Idee kommt, per Internet einen Auftragskiller aus Russland anzuheuern. Als der latent besoffene Ivan (Marcin Dorocinski) den Frauen aus Versehen seine Absichten unterbreitet, holen diese zum Gegenschlag aus…
Die Vorzeichen stehen nicht gut, wenn innerhalb der ersten zehn Minuten mehr über erotische Fantasien als über makaberes Gedankengut gesprochen wird. Zudem sind die Figuren nicht sonderlich sympathisch gezeichnet, denn während die Frauen im Lokal im Beisein der Herren lauthals über sie lästern, entpuppen sich diese als eher antriebslose Trottel, die tatsächlich wie „zwei Frührentner aus Bulgarien“ rüberkommen.
Interessanter sind da eher die Nebenfiguren wie eben der klischeebeladene Russe, der nach dem Nickerchen sogleich wieder zur Flasche greift, jedoch auch seine positiven Seiten offenbart oder die englische Gegenspielerin, die mit ihren kleinen Tötungswerkzeugen und der Vorgeschichte als Krankenschwester irgendwie an die Queen vor dreißig Jahren erinnert.
Mit den Gags sieht es indes eher durchwachsen aus, denn Bornedal versucht mitunter auf Biegen und Brechen politisch inkorrekt daherzukommen, was manchmal funktioniert und reflektiert wird (ein behinderter Kellner), zuweilen aber auch arg konstruiert erscheint (orientalisch aussehender Taxifahrer).
Die Geschichte selbst sorgt anfangs noch für einige Irrungen und Wirrungen, doch spätestens ab Mitte wird sie sehr vorhersehbar und zum Ende hin ein wenig zu weichgespült. Zudem mangelt es aufgrund geringen Budgets an Schauwerten, mal abgesehen von der souveränen Kamera und einigen tollen Landschaftsaufnahmen. Auf der Habenseite sind indes die perfekt besetzten Mimen zu verbuchen, bei denen nicht nur das Timing stimmt, sondern auch die Präsenz einiges rettet. Wäre ihnen doch so etwas wie die peinliche Travestienummer im letzten Drittel erspart geblieben.
Unterm Strich bleibt Bornedals Ausflug ins reine Komödienfach trotz makaberer Einlagen weitgehend harmlos und spannungsarm. Die 90 Minuten gehen zwar relativ kurzweilig über die Bühne, wozu die tollen Darsteller nicht unerheblich beitragen, doch gerade deshalb hätte man dem Ganzen etwas mehr Charme, Feingefühl und Esprit gewünscht.
Knapp
6 von 10