Review

Amateur-Argentinier im Gähn-Gang

Südamerika hat in letzter Zeit einige gute Genreregisseure und sehenswerte Beiträge abgeliefert - "Ataud Blanco" aka "White Coffin" ist keiner davon. Wäre er ausschlaggebend für das filmische Niveau des Landes, dann hätte man wohl endlich ein großes Land gefunden, dessen Genrefilmlandschaft noch jämmerlicher dastände als hiesige. Doch zum Glück für die filmische argentinische Zukunft, kann man diesen kruden Mix aus okkultem Todesspiel und Rache-Road-Thriller als Ausrutscher bezeichnen. Auf ein paar Filmfesten fand er Freunde, mir stößt er ganz übel auf. Normal dürfte er nichtmal als Füller auf Filmfeste, die nur minimal etwas auf sich geben. Da überlege ich mir dreimal, ob ich mir den regietechnischen Vorgänger von Daniel de la Vega, "Necrofobia", wirklich antun soll. Bei "Ataud Blanco" folgen wir einer verzweifelten & sogar den Tod überwindenden Mutter, deren Sohn an einer Raststätte gekidnappt wird. Nun beginnt ein perfides Spiel auf Leben und Tod, diesen wiederzubekommen... denn sie ist nicht die Einzige, der ein Kind abhanden gekommen ist!

Die Idee klingt cool, wie ein Mix aus "The Vanishing", "The Crow", "Rat Race" und "Battle Royal". Das Endprodukt ist eine kaum erträgliche Farce, und das trotz fixer 70 Minuten Laufzeit. Er will eine Mischung aus übernatürlicher Rache-Fantasie und Giallo-Roadtrip sein, kommt jedoch eher so rüber, als hätte sich ein Clique argentinischer Freunde bei ein paar Bier eine Kamera geschnappt und drauf los gefilmt. Vorher noch im Halbsuff ein paar Ideen zusammengeklaut und fertig ist der schnelle Dollar bzw. der Ausflug mit Freunden. Es gibt ein Handvoll netter Splattereffekte, das mit Kindern nicht zimperlich umgegangen wird schlägt in die Magengrube und eine Kill Bill-artige Sargszene ist fein, inklusive Änderung der Aspect Ratio - der Rest ist mehr Schein als Sein und übelst langweilig, trotz hohem Tempo. Ein Script ohne Faden und Hintergründe, bemühte aber talentlose Darsteller, ein Look wie eine schulische Abschlussarbeit - so gewinnt man keine Fanherzen. Anschlussfehler in Masse, er nimmt sich zu ernst, ist noch nichtmal unfreiwillig komisch - hier sagt mir leider fast gar nichts zu.

Fazit: ich hoffe/weiß, dass "Ataud Blanco" nicht das Maß aller argentinischen Genredinge ist... sonst stände es ziemlich düster um das Land der Steaks und Superfussballer. Dieser Film ist unnötig wie Rainer Callmund zu fragen, ob er noch Hunger hat. Selbst der Amateur-Charme geht der eigentlich ordentlichen Idee vollkommen ab. Lame!

Details
Ähnliche Filme